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Mahnwache für den Frieden

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Friedensdemonstration mit Kerzen Obergünzburg
Mehr als 250 Mitbürger versammelten sich am Sonntagabend zu einer Demonstration für den Frieden in der Ukraine auf dem Marktplatz in Obergünzburg. © Krusche

Obergünzburg – In einer Mahnwache gedachten Mitbürger und Hilfsorganisationen an die Opfer des Krieges in der Ukraine. 

Am Sonntagabend, zu einer Zeit, zu der die Menschen normalerweise im Wohnzimmer sitzen, versammelten sich etwa 250 Menschen mit Kerzen in den Händen auf dem Marktplatz vor der Kirche zu einer Friedensdemonstration und Mahnwache gegen den Krieg in der Ukraine. Bürgerinnen und Bürger sowie Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr, der Wasserwacht und der Polizei wollten in Uniform ein Zeichen setzen. „Ich möchte mir heute Zeit nehmen, zu einer Zeit, die man eher Sonntagabends auf der Couch verbringen kann. Wenn ich an die Menschen denke, an die Kinder und Frauen, die flüchten müssen, das hält man schier nicht aus“, sagte Anita Franke. Und Bernhard Schmid meinte: „In dieser Form wollen wir Solidarität mit der freien Ukraine zeigen, die sich nicht von einem Diktator wie Putin unterjochen lassen soll. Dieses Problem sollte aber auf jeden Fall auf diplomatischen Wegen gelöst werden.“ Ein junger Mann, Florian Rothermel, der zusammen mit seinen Kameraden in der Uniform der Freiwilligen Feuerwehr an der Veranstaltung teilnahm, meinte betroffen: „Ich bin hier wegen der Solidarität gegenüber der Ukraine, weil das ein Unding ist, was da passiert. Ich finde es schrecklich, wenn die Leute aus Ihrer Heimat vertrieben werden.“ Und Andreas Gmeindner von der Kreiswasserwacht Ostallgäu betonte: „Dies ist für uns keine Pflichtveranstaltung, sondern eine Frage der Ehre und des Zusammenstehens, eine Frage der Menschenwürde und Nächstenliebe. Wir stehen auch in den Notunterkünften in Kaufbeuren und Marktoberdorf.“

Erster Bürgermeister Lars Leveringhaus erklärte den Zuhörern, diese Mahnwache für den Frieden sei aus einer Initiative aus dem Marktgemeinderat entstanden. „Wir merken, dass in unserer Gesellschaft ein tiefes Bedürfnis besteht, ein Zeichen zu setzen in dieser Zeit. Ein imperialer Aggressionskrieg der russischen Regierung von Wladimir Putin führt in der Ukraine dazu, was wir seit dem Zweiten Weltkrieg für überwunden hielten: Massenhafter Tod, immense Zerstörung.“ Es sei ein Vernichtungskrieg, den die russische Armee in der Ukraine führe. Die territoriale Integrität der Nationen in Europa sei unantastbar. „Wir wollen ein Zeichen setzen als Gemeinschaft, die in einer freiheitlichen Demokratie lebt, ein Zeichen der Solidarität mit den Opfern der Gewalttaten in der Ukraine.“ Man könne durch Hilfsbereitschaft beweisen, dass wir mit unserer freiheitlich demokratischen Grundordnung eine stärkere Gemeinschaft seien als eine solche mit imperialem Machtgehabe. Leveringhaus forderte die Zuhörer auf: „Lasst uns eine Mahnung in die Welt hinaussenden, lasst uns zeigen, dass wir zusammenstehen.“

Kinder Friedensplakate Obergünzburg
„Es soll keine Kriege mehr geben, dafür sind wir heute Abend hier“ sagten Marlies Lindner und Selina Biedler und zeigten ihr selbstgemalten Plakate. © Krusche

Für die Ostallgäuer Landrätin Maria Rita Zinnecker bewegt der Krieg in der Ukraine die ganze Welt: „Es sind Bilder der Grausamkeit, die uns täglich aus der Ukraine erreichen. Es hat mich persönlich mit Entsetzen erfüllt, dass so etwas im Jahre 2022, über 70 Jahre nach dem letzten Weltkrieg, bei uns in Europa noch passieren kann. Das können wir niemals verzeihen.“ Dieser Angriffskrieg sei mit nichts zu rechtfertigen. Wladimir Putin habe das Völkerrecht unrechtmäßig gebrochen. „Er hat über zwei Millionen Menschen, die auf der Flucht sind, die Heimat genommen. Er hat Tausende von Toten zu verantworten, nicht nur auf ukrainischer Seite, sondern auch auf russischer Seite“, betonte sie. In ungemein offenen Worten hoffte die Landrätin, das Putin dafür eines Tages seine gerechte Strafe erhalten werde und war zuversichtlich, dass die Weltgemeinschaft dafür sorgen werde. Stolz sei Zinnecker auf die Welle der Hilfsbereitschaft und was in den vergangenen zwei Wochen bisher geleistet wurde. Viele Hilfsgüter wie Kleidung und Medizin waren gespendet und in die Krisenregion geschickt worden. Und viele Menschen hätten ihre Herzen und ihre Türen geöffnet, um den geflüchteten Menschen Schutz zu bieten. „Eine Heimat auf Zeit, das macht uns als Menschen aus.“ Die Landrätin hatte persönlich am Sonntag die Ankunft von zwei Bussen in der Notunterkunft miterleben können. Es sei ein Kraftakt für uns, aber auch eine Selbstverständlichkeit, dass man diesen Menschen helfe. Maria Rita Zinnecker appellierte an die Zuhörer: „Dieser Krieg muss enden! Putin muss gestoppt werden!“

Angelika Schorer, Präsidentin des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK) und Landtagsabgeordnete, macht die Situation in der Ukraine betroffen und sprachlos: „Wir wollen ein friedliches Zusammenleben unter den Völkern und es tut gut, zu spüren, dass die Menschen in ganz Europa damit solidarisch sind.“ Es seien viele Spenden ins Krisengebiet gebracht worden, zunächst nach Polen und dann weiter. Man helfe auch bei Krankentransporten in Krankenhäuser in Bayern. Aber es werde für Hilfsorganisationen zunehmend schwieriger, ins Land zu kommen.

Johann Sartison aus Günzach hat ukrainische Wurzeln und lebt seit 20 Jahren in Deutschland. Er spricht ukrainisch und hat Verbindungen in die Ukraine. Er hatte spontan Spendensammlungen initiiert und viel Unterstützung in der Gemeinde Günzach und der Kirchengemeinde in Kempten erfahren. Sartison: „Innerhalb einer Woche kamen 120 Tonnen Lebensmittel, Medikamente und Hygieneartikel zusammen.“ Auch in Polen hatten sie große Hilfsbereitschaft vor Ort erfahren, beim Umladen der Hilfsgüter und bei der Versorgung der Fahrer. Und weil noch Platz auf den Fahrzeugen war, hatte die polnische Bevölkerung vor Ort – Sartison bezeichnete sie bewusst als „Europäer“ – innerhalb von zwei Stunden nochmals zehn Tonnen Hilfsgüter gesammelt und aufgeladen. Er unterstützt auch die Menschen aus der Ukraine, die hierherkommen, koordiniert Unterkünfte und hilft als Dolmetscher. Sartison dankte allen Unternehmen und Privatpersonen, die Hilfsgüter gespendet haben.

Pfarrerin Mona Böhm und Pfarrer Walter Böhmer beschlossen mit einem Gebet für die Menschen in der Ukraine die Veranstaltung.
Von Wolfgang Krusche

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