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Endlich wieder Freischießen

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Von: Michael Dürr

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Freischießen Obergünzburg
Pünktlich zum Festumzug hatte der Wettergott ein Einsehen und der Regen hörte auf. Über 3000 Besucher sahen zu, wie sich die zahlreichen Schützenvereine präsentierten. © Michael Duerr

Obergünzburg – Die Guntia rief, und 3000 Besucher strömten nach Obergünzburg. Der Schützenverein beging am Sonntagnachmittag mit einem großen Festumzug den Auftakt des Freischießens, das in der Günzstadt als fünfte Jahreszeit gefeiert wird.

Zwei Jahre der quälenden Pause sind vorbei. Endlich gibt’s wieder das Freischießen! In Obergünzburg hat die fünfte Jahreszeit begonnen - und wie! Höhepunkt war am Sonntag der große Festumzug, der kreuz und quer durch die Stadt führte und der von den Besuchern begeistert beklatscht wurde. Insgesamt waren 1800 Teilnehmer aus dem gesamten Allgäu dabei und damit „mehr als in Kempten beim Festwochenumzug“, wie Schützenmeister Wolfgang Heinold von der veranstaltenden Guntia stolz vermerkte.

Als der Festzug eigentlich starten sollte, setzte von oben ein leichter, aber steter Landregen ein. Weil ein Teilnehmer aber gesundheitliche Probleme bekam und ärztliche Hilfe benötigte, verzögerte sich der Beginn. Und als es dann losging, kämpfte sich schon wieder die Sonne durch die Wolken. Alles bereit für einen wunderbaren Nachmittag!

Von der Gutbrod- über die Iglauerstraße, dem Oberen Markt, der Kemptener, der Saliter- und der Kapitän-Nauer-Straße, dem Unteren Markt, dem Marktplatz und Alten Markt bis zum Festzelt führte der Festzug. Überall säumten die geschätzt 3000 Besucher die Straßen, winkten, freuten sich und klatschten. Es gab schließlich auch einiges zu sehen: Abordnungen der verschiedensten Schützenvereine aus dem Allgäu, die stolz ihre Schützenkönige präsentierten, zahlreiche Trachtengruppen und Musikkapellen, dazu mehrere Pferdegespanne. Der größte davon war der Festwagen der Aktienbrauerei, auf dem Festwirtin Susanne Lolacher thronte.

Der Startschuss zum 98. Freischießen in Obergünzburg war bereits am Freitagabend im Schützenheim der Guntia gefallen. „Ich grinse vor Freude wie ein Honigkuchenpferd“, gestand Schützenmeister Heinold dem Kreisbote ob des Neustarts des Freischießens nach zwei Jahren pandemiebedingter Pause. Dass heuer also „erst“ die 98. Auflage der fünften Jahreszeit in Obergünzburg über die Bühne ging und nicht die 100. - geschenkt. Heinold lenkte den Fokus vielmehr auf die Menschen, die „heiß darauf sind, wieder heraus zu kommen und etwas zu erleben“.

Besagter Startschuss waren in Wahrheit übrigens sogar fünf Schüsse gewesen, die – neben Schützenmeister Heinold – Bezirksschützenmeister Ernst Grail, der stellvertretende Gauschützenmeister Wolfgang Vogler, FSG-Schützenmeister Manfred Waibeler und Obergünzburgs Bürgermeister Lars Leveringhaus mit dem Luftgewehr auf der zehn-Meter-Distanz abgaben. Letzterer hatte sich zuvor gegenüber dem Kreisbote als leidlich lausiger Schütze geoutet. Gegen die etablierte Schieß-Prominenz werde da nichts zu holen sein, so seine Prognose.

Die Auswertung der Scheiben sprach dann aber eine komplett andere Sprache: Leveringhaus hatte das Zentrum nur um Haaresbreite verfehlt und damit das erste Kräftemessen des Freischießens 2022 klar für sich entschieden. „Das hat’s noch nie gegeben, das kostet mich 50 Liter Bier“, lautete der erste Kommentar des Gewinners.

Der Rathauschef freute sich dann zwar diebisch über den unerwarteten Erfolg, gab sich beim anschließenden Empfang auf dem Rathausplatz vor rund 200 Teilnehmern aber schon wieder bescheiden: Er sei den anderen Schützen „dankbar, dass sie nicht so genau gezielt“ hätten.

Im ernsten Teil seiner Rede wies Leveringhaus auf die Bedeutung des Schützenwesens gerade im ländlichen Raum hin. „Schützenvereine sind wichtige Kulturträger in unseren Gemeinden“, sagte er, „mit ihrer Jugendarbeit leisten sie einen immens wichtigen Beitrag dazu, der jüngeren Generation nicht nur sportliche Fähigkeiten zu vermitteln, sondern auch Gemeinschaftsgeist und Verantwortungsbewusstsein und letzten Endes auch Heimatverbundenheit vorzuleben“.

Musikalisch gestaltet wurde der Empfang vom Obergünzburger Blasorchester; für mächtig Schall und Rauch sorgten daneben die Böllerschützen der königlich-privilegierten Feuerschützengesellschaft (FSG) aus Obergünzburg. Und folkloristische Farbtupfer steuerte die Trachtengruppe Obergünzburg bei. Nach dem Empfang marschierte man unter den Klängen des Blasorchesters zum Festzelt auf der Rösslewiese, wo die Wirtsleute Susanne und Jürgen Lolacher die Gäste schon erwarteten. Lars Leveringhaus übernahm dort den Anstich des ersten Fasses Bier - und glänzte auch in dieser Disziplin: Grade mal zwei Schläge brauchte er; selbst auf der Wiesn in München geht’s kaum besser. Im weiteren Verlauf des Abends sorgten dann die Obermindeltaler Musikanten aus Willofs im vollen Zelt für Stimmung.

Das weitere Programm im 1800 Personen fassenden Festzelt im Überblick: Der heutige Mittwochabend steht unter dem Motto „Wochenteiler-Feierei“. Einlass ist (wie an jedem Abend) ab 19 Uhr, es spielen die Bands Allgäuwild und D’Graudhobler (im Vorprogramm). „Ehre der Blasmusik“ ist am Donnerstag, 1. September angesagt, Auftritte der Blaskapellen Quattropoly und Brauhaus Musikanten stehen auf dem Programm. Am Freitag, 2. September, geht’s bei der „Forever Young Rocknight“ zur Sache, wenn die Band Mixtape die Bühne betritt. Die Aftershowparty bestreitet anschließend DJ Link The Beat. Eine „Ballermann-Nacht“ sorgt am Samstag, 3. September, für Stimmung. Der WarmUp-Party mit DJ Link The Beat featuring Caro Schäfer folgt eine Party mit DJ Düse und eine Aftershowparty mit DJ Flo. Für 22 Uhr ist ein großes Brilliant Feuerwerk zum Ausklang des Freischießens geplant.

Geschossen werden darf beim Freischießen natürlich auch: Die Schießstände bei Guntia und der FSG sind noch bis Freitag, 2. September, jeweils von 17 bis 21 Uhr geöffnet. Die Preisverleihung steigt schließlich am Samstag, 3. September, um 18 Uhr im Schützenheim der Guntia.

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