Opfer stirbt trotz aller Bemühungen der Ärzte

Obergünzburg: 37-Jähriger ersticht seine Ex-Frau – Schulkinder werden Zeugen der Tat

+
Ein Großaufgebot an Polizei und Rettungskräften sind im Einsatz, nachdem ein 37-jähriger polizeibekannter Afghane augenscheinlich seine 27 Jahre alte Ex-Frau in einem Linienbus erstochen hatte. 

Obergünzburg – Eine ganze Region steht nach der Bluttat unter Schock. Wie bereits online berichtet, soll ein Mann am Montag in einem Linienbus in Obergünzburg seine getrennt lebende Ehefrau erstochen haben. Sie starb wenig später in einer Klinik an ihren ­Verletzungen.

Der 37-jährige dringend Tatverdächtige, der die afghanische Staatsbürgerschaft hat, wurde am Dienstag dem Ermittlungsrichter vorgeführt. Dieser ordnete Untersuchungshaft wegen Mordverdachts an.

Zahlreiche Passagiere, darunter mehrere Schulkinder im Alter zwischen elf und 18 Jahren, mussten die Tat im Bus mit ansehen. Sie wurden laut Polizei vor Ort und in der Folge psychologisch betreut.

Details zum Ablauf des Angriffes sind aktuell noch Gegenstand der Ermittlungen. Zumal es laut Polizei wohl widersprüchliche Angaben der Zeugen gibt. Seitens der Staatsanwaltschaft hieß es, dass das 27-jährige Opfer unvermittelt von ihrem Ex-Mann angegriffen wurde. Dieser habe dann in der Folge mehrfach mit einem Küchenmesser auf den Oberkörper der Frau eingestochen. Dabei sei die vierfache Mutter so schwer verletzt worden, dass sie trotz aller ärztlicher Bemühungen im Krankenhaus verstarb.

Täter flüchtete

Zeugen gaben an, dass der Mann unmittelbar nach der Tat zu Fuß aus dem Bus geflohen sein soll. Eine sofort eingeleitete Fahndung mit zahlreichen Einsatzkräften führte dann aber zur vorläufigen Festnahme des 37-jährigen Afghanen, der als dringend tatverdächtig gilt, so die Polizei. Da er sich bei seiner Festnahme zur Wehr setzte, musste er unter Anwendung von körperlicher Gewalt überwältigt und gefesselt werden. Die mutmaßliche Tatwaffe ließ er im Bus zurück.

Die Polizei geht nach derzeitigem Ermittlungsstand von einer Beziehungstat aus. Das Opfer und der Tatverdächtige hatten laut Polizei getrennte Wohnsitze im Landkreis Ostallgäu und zusammen vier gemeinsame Kinder. Es handelt sich um afghanische Staatsangehörige.

Opfer schon mal attackiert

Der Tatverdächtige ist zudem kein unbeschriebenes Blatt und der Polizei bekannt. Schon im November 2019 habe es einen Übergriff des Mannes auf seine Frau gegeben, wie die Ermittler berichten. Damals leiteten die Beamten im Rahmen dieser häuslichen Gewalt ein Ermittlungsverfahren gegen den Ehemann wegen Körperverletzung, Beleidigungen und Bedrohungen der Frau ein. Angaben darüber, warum der Mann sich trotz dieser Vorfälle der Ex-Frau nähern konnte, wollte die Polizei auf Anfrage nicht beantworten, da die Ermittlungen in dem Verfahren noch nicht abgeschlossen seien.

Kinder im Bus

Während der Bluttat befanden sich auch Schulkinder in dem Fahrzeug. Der Fahrer des Linienbusses sowie die weiteren Fahrgästen wurden durch Angehörige des Kriseninterventionsteams betreut. Im Bus befanden sich insgesamt vier Erwachsene und zehn Kinder beziehungsweise Jugendliche im Alter zwischen elf und 18 Jahren.

Neben drei Rettungswagen war auch noch der Rettungshubschrauber sowie zwei Notärzte und der Einsatzleiter Rettungsdienst im Einsatz, weitere Rettungskräfte wurden alarmiert, kamen aber nicht mehr zum Einsatz.

Auch ein Polizeihubschrauber wurde zur Fahndung angefordert, konnte aber aufgrund der Festnahme wieder seinen Heimweg antreten. Ein Vertreter der Staatsanwaltschaft Kempten befand sich ebenfalls am Tatort. Die Kemptener Straße wurde für den Zeitraum der Spurensicherung gesperrt.

Große Betroffenheit

Zu Beginn der turnusmäßigen Sitzung des Marktgemeinderates am vergangenen Dienstag drückte der Erste Bürgermeister Lars Leve­ringhaus seine Bestürzung über das jüngste Ereignis in Obergünzburg aus: „Wir kennen die Asylbewerberfamilie, die seit 2015 in Obergünzburg untergebracht war. Viele Ehrenamtliche haben mit den beiden Eltern und den vier Kindern gearbeitet.“ Sie seien stets beliebt und in vielen Aktivitäten beteiligt gewesen. „Wir hätten nie gedacht, dass so etwas bei uns passieren kann.“

Es habe sich aber auch gezeigt, so Leveringhaus, dass die sozialen Netze funktionierten, denn sofort hätte jemand die Kinder abgefangen, bevor sie es mitbekommen hätten. „Die nun Fast-Waisen sind bestens betreut worden, und es ist begrüßenswert und wichtig, dass alle Kinder in einem befreundeten Familienkreis zusammenbleiben können“. Der Marktgemeinderat zeigte seine Betroffenheit und Anteilnahme durch eine Schweigeminute. Auch die Leiterin des Familienstützpunktes, Martina Fischer, drückte ihre Betroffenheit aus. 

sh/kl/wgk

Auch interessant

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

Riesenkranich-Schädel entdeckt
Riesenkranich-Schädel entdeckt
Kaufbeurer Arbeitskreis Asyl feiert 30-jähriges Jubiläum
Kaufbeurer Arbeitskreis Asyl feiert 30-jähriges Jubiläum
 „Die Lage ist verheerend“ – humedica entsendet zweites Team nach Beirut
 „Die Lage ist verheerend“ – humedica entsendet zweites Team nach Beirut
Renter aus Buchloe soll Buben Ohrfeigen verpasst haben
Renter aus Buchloe soll Buben Ohrfeigen verpasst haben

Kommentare