Kaufbeurer endlich auf dem Heimweg

Odyssee beendet: Urlauberpaar verlässt Philippinen mit letzter Maschine

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Endlich halten sie ihr Ticket für den Heimflug in den Händen: Philipp Höbel und Tiana Thoma kehren heute ins Allgäu zurück.

Kaufbeuren – „Wir waren noch nie so froh, unsere Namen zu hören, als die vorhin ausgerufen haben, dass wir auf der Liste stehen“, haben heute Morgen der Kaufbeurer Philipp Höbel (24) und seine Freundin Tiana Thoma (22) von den Philippinen mitgeteilt. Von ihrem Dilemma, wegen des Coronavirus im dortigen Urlaubsparadies festzusitzen, hatte der Kreisbote in den letzten Tagen berichtet. Heute soll endlich ihr Heimflug gehen. Zuvor hatten sie aber eine regelrechte Odyssee erlebt.

Eigentlich hatte das junge Paar aus dem Allgäu vier Tage auf der philippinischen Insel Panglao verbringen wollen – als Abschluss einer insgesamt dreiwöchigen Reise. Inzwischen sind aus den vier Tagen 14 geworden. Zwar bestand schon kurz nach der Ankunft auf der Insel der Alltag wegen des Coronavirus darin, Medienberichte zu lesen und den Kontakt mit der Heimat zu halten, sodass Sonne und Kraft tanken am malerischen Strand ohnehin nur vormittags möglich war. Weil in der Krisenzeit aber ständig das Heimweh und die Ungewissheit, wie sich die Pandemie am eigentlich unbekannten Urlaubsstandort weiterentwickelt, mitschwingen, stellten Thoma und Höbel schon letzte Woche im Gespräch mit dem Kreisbote klar: „Urlaub kann man das nicht mehr nennen.“

In den letzten Tagen hatte sich die Situation weiter verschärft. Auch auf Panglao galten zuletzt eine Ausgangssperre und eine Mundschutzpflicht. Der Weg zum Strand war damit tabu. Zugleich stellt aber auch das Verlassen der Insel in Richtung des nächsten Flughafens in Cebu ein Risiko dar. „Das ist Pokern“, sagte Philipp Höbel, denn sobald das Paar seine Insel verlässt, gibt es kein Zurück zum Resort mehr. Und was, wenn dann doch kein Flug geht? „Bis jetzt wurde jeder Flug der Regierung aus Cebu wieder gestrichen. Und wir müssen hoffen, am Schalter überhaupt noch Resttickets zu ergattern“, sagt Höbel. „Wenn wir kein Ticket kriegen, sitzen wir in Cebu fest.“

"Hoffen auf allerletzte Möglichkeit" 

Am Donnerstag gingen sie das Wagnis dennoch ein und machten sich auf den Weg zum Flughafen. „Hier sind echt Zustände. Mittlerweile wird die Botschaft einfach ignoriert und wir alle hier organisieren alles selber“, schrieb das Paar vor zwei Tagen aus Cebu City. Während es für ihr befreundetes deutsches Paar auf Anhieb mit einem Ticket klappte, gingen Thoma und Höbel leider leer aus. Spontan fanden sie spätabends immerhin noch eine kleine Unterkunft, um nicht am Flughafen nächtigen zu müssen. Am Samstagmorgen bat der Kreisbote um ein kurzes Update und bekam folgende kurze Antwort: „Sind seit 30 Stunden hier und warten.“ Und dennoch sollte sich auch am Samstag nichts mehr an der prekären Situation ändern. „Wir hoffen jetzt auf unsere allerletzte Möglichkeit morgen“, schrieb Höbel am Samstagabend.

Da lässt sich erahnen, wie groß der wohl tonnenschwere Stein gewesen sein muss, der den beiden und auch ihren Angehörigen in der Heimat am Sonntagmorgen vom Herzen fiel. „Wir haben es geschafft, wir sind drinnen“, jubelte das Paar vor wenigen Stunden. Ein deutsches und ein Schweizer Flugzeug würden heute sämtliche noch verbliebenen EU-Bürger von den Philippinen nach Hause holen, so ihre Info. „Aber schon irre, dass wir das alles selbst machen mussten.“ Sogar Schilder für vier verschiedene Schlangen hätten die Wartenden am Flughafen selbst gebastelt, um bei Neuankömmlingen keine Panik entstehen zu lassen.

Das Chaos am Flughafen in Cebu am Donnerstag

Eskalation droht 

Nun seien die beiden aber zunächst froh, die 72-stündige Odyssee, wie Höbel sagt, hinter sich zu lassen. „Die Lage hier wird immer übler und droht zu eskalieren.“ Der 24-jährige Kaufbeurer berichtet von Anstürmen auf die Supermärkte und täglich steigenden Infektionsfällen, auf die die Krankenhäuer vor Ort anders als in Deutschland nicht vorbereitet seien. „Ausgebildetes Personal ist kaum vorhanden. Die meisten einheimischen Krankenschwestern und Ärzte praktizieren im Ausland, wo man deutlich mehr Geld verdienen kann.“

Wie teuer die Rückholaktion für sie wird, wissen Thoma und Höbel noch nicht. Wie andere Urlauber mussten auch sie unterschreiben, sämtliche Kosten unabhängig von deren Höhe selbst zu tragen. „Eine Hausnummer dafür haben wir nicht“, sagt Höbel. Freunde aus Holland hätten für ihre Heimreise über die Schweiz rund 3.000 Euro hinblättern müssen. Die Hauptsache aber ist: „Wir waren noch nie so froh, unsere Namen zu hören, als die vorhin ausgerufen haben, dass wir auf der Liste stehen“, so Höbel. Falls das Flugzeug nach Frankfurt pünktlich abgehoben hat, befindet sich das Paar in diesen Minuten in der Luft und damit endlich auf dem Heimweg in Richtung Allgäu.

von Marco Tobisch

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