Freundeskreis des Kaufbeurer Stadtmuseums e.V. feiert 15 Jahre

Oktoberfest im Stadtmuseum

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Ungewohnter Anblick im Stadtmuseum: Rautenmuster, Biergarnituren und Radieschen-Sträuße.

Kaufbeuren – Einen ungewohnten Anblick bot kürzlich der Sonderausstellungsraum im Kaufbeurer Stadtmuseum, als der Museums-Förderverein dort sein 15-jähriges Jubiläum beging: Im weiß-blauen bayrischen Rautenmuster gedeckte Biergarnituren mit Radieschen-Sträußen und Broten mit Schmalz und Obatztem sowie die Band „Blechragu“ vermittelten Festzelt-Atmosphäre. Sogar ein Bierauto mit Zapfanlage hatte den Weg ins Innere gefunden.

Aber was hat ein Oktoberfest im Stadtmuseum zu suchen? Ganz einfach: Das Münchner Oktoberfest entstand 1810 anlässlich einer Landwirtschaftsschau und auch das 1879 gegründete Kaufbeurer Stadtmuseum – eines der ältesten Museen in Schwaben – verdankt seine Entstehung einer regionalen Landwirtschaftsausstellung. Also hatte sich der Freundeskreis für ein „Oktoberfest“ entschieden, da man zum einen nicht schon wieder „einen Professor als Redner“ wollte, sondern „lieber was Lustiges“, wie Dr. Rainer Jehl, der 1. Vorsitzende des Freundeskreises, erläuterte. Zum anderen wäre ein Maitanz – eigentlich wurde der Verein nämlich am 16. Mai 2003 gegründet – laut Dr. Jehl erst recht nicht gegangen. Fürs traditionelle „Oktoberfest-Derbleckn“ sorgten die „Moskitos“ vom Jakob-Brucker-Gymnasium, die mit ihrem Lehrer und Regisseur Bernhard Fritsch diverse stichelnde Sketche als Überleitung zwischen den „ernsthaften“ Programmpunkten einstudiert hatten. Zum Beispiel erinnerten sie mit einem Spielzeugbagger an die symbolische Baggerprozession durch die Altstadt zu Beginn der Abrissarbeiten, wobei OB Stefan Bosse einen der Bagger lenken durfte. Nach dem Baggerunglück von Kempten sei Politikern das Baggerführen heute nicht mehr erlaubt, scherzte Bosse.

Als das alte Museumsgebäude wegen Baufälligkeit 2002 geschlossen werden musste, haben im Jahre 2003 30 Bürger den Freundeskreis gegründet, um sich für den Erhalt des Stadtmuseums zu engagieren und sich für die Wiedereröffnung am alten Standort im Kaisergässchen einzusetzen. Die mittlerweile 460 Mitglieder haben durch ihren Jahresbeitrag und zum Teil beträchtliche Spenden oder durch die Organisation von Benefizveranstaltungen die Wiedereröffnung des Stadtmuseums mit seiner wertvollen Kruzifixsammlung und der einmaligen Sammlung protestantischer Hinterglasbilder tatkräftig unterstützt. Sie ermöglichen und begleiten auch weiterhin Objektrestaurierungen und andere Projekte des Museums.

In diesem Zusammenhang wies Museumsleiterin Petra Weber auf die aufgestellten Spendenboxen hin: Ihr Erlös sei zur Restaurierung der fast 300 Jahre alten „sehr ramponierten“ Martin-Krippe (Jahres­krippe, Tirol, 1720) gedacht. Sie besteht aus über 200 Einzelteilen und so verschiedenen Materialien wie Holz, unterschiedlichen Stoffen, Metall und Wachs. Übrigens ziehe sich, so Weber, durch das ganze Jahr 2018 wie ein roter Faden die Zahl „5“: Seit der Wiedereröffnung des Stadtmuseums seien fünf Jahre vergangen, der Freundeskreis könne seinen 15. Geburtstag feiern und strebe dieses Jahr noch das 500. Mitglied an – und die Restaurierung werde etwa 5.000 Euro kosten.

Anstelle der obligatorischen geschichtlichen Rückschau interviewte Dr. Jehl die anwesenden Gründungsvorstände Herwig Meese, Hans-Georg Kugler und Jürgen Kraus, die heitere Anekdoten aus der Frühzeit des Vereins erzählten. Elke Höhne, Witwe des Gründungsvorsitzenden Dr. Peter Höhne, erhielt einen Blumenstrauß. Außerdem ließ Dr. Jehl als Ehrengast Dr. Astrid Pellengahr, die erste Leiterin des von ihr neu konzipierten Stadtmuseums, zu Wort kommen.

So erfuhren die zahlreichen Gäste auch ohne trockene Festreden viel sowohl über die Geschichte des Museums als auch des Fördervereins.

von Ingrid Zasche

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