Organspende kann Leben retten – Klare Regeln per Gesetz

Der verdrängte Gedanke

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Dr. Erika Rössler und Tobias Streifinger von der Sparkasse Kaufbeuren, in deren Forum ein Infostand zum Thema Organspende aufgebaut war, zeigen den Organspendeausweis.

Kaufbeuren – Noch immer tun sich viele Menschen mit dem Gedanken einer Organspende nach ihrem Tod schwer. Sie verdrängen dieses Thema aus den unterschiedlichsten Gründen. „Am häufigsten existieren Ängste, eigene lebenserhaltende Maßnahmen könnten zu früh abgebrochen werden“, erklärt Dr. Erika Rössler als Transplantationsbeauftragte der Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO) am Klinikum Ostallgäu-Kaufbeuren.

Nach ihren Worten liegt dies an Informationsdefiziten in der Bevölkerung, die, so räumt sie ein, auch durch Vorfälle in der Vergangenheit begründet sind. Doch mittlerweile gibt es nicht nur strukturelle Änderungen in der Organisation der Organe, auch der Gesetzgeber hat mit dem Transplantationsgesetz klare Regeln geschaffen.

„Jeder Mensch sollte sich entscheiden und dies in einem Organspendeausweis dokumentieren“, so Rössler, die als Fachärztin für Anästhesie und Intensivmedizin arbeitet und mit der Thematik seit Jahrzehnten bestens vertraut ist. Sie macht deutlich, dass der Organspendeausweis ja die Bandbreite aller Möglichkeiten einer Entscheidung beinhaltet – von einer klaren Zustimmung über eine Ablehnung bis hin zur möglichen Entscheidung durch eine festgelegte Person. „Doch gerade Letzteres stellt für die benannte Person, in der Regel ein nahestehender Angehöriger, oftmals eine schwere Belastung dar“, weiß die Oberärztin aus ihrer Erfahrung. Dies gilt auch, wenn kein Ausweis vorliegt und der mutmaßliche Wille des Toten durch Angehörige entschieden werden soll.

Lösungen im Ausland

In Deutschland gilt die Entscheidungslösung, also die Einwilligung des Betroffenen oder seiner Angehörigen muss vorliegen. In anderen Ländern wie Österreich oder Spanien gilt die Widerspruchslösung, das heißt, die Spendenbereitschaft gilt automatisch, solange nicht ausdrücklich widersprochen wird. Das führt zu völlig unterschiedlichen Ergebnissen. Während in Deutschland auf eine Million Menschen zehn Organspender kommen, sind es in Österreich 24 und in Spanien 40.

Wer kann Spender sein?

Alle Entnahmekrankenhäuser mit einer Intensivstation sind verpflichtet, potenzielle Organspender zu melden. Ein potenzieller Spender ist ein Mensch, bei dem sich ein irreversibler, nicht behebbarer Ausfall sämtlicher Hirnfunktionen in der klinischen und diagnostischen Untersuchung nachweisen lässt. Diese Feststellung erfolgt durch zwei erfahrene unabhängige Fachärzte aus der Neurologie und Intensivmedizin mit langjähriger Erfahrung. Unter anderem das kaskadenartige Verschwinden verschiedener Reflexe und die über eine Stunde vorhandene sogenannte „Nulllinie“ bei der Gehirnstrommessung gehören dazu. Gespendet werden können Niere, Leber, Herz, Lunge, Bauchspeicheldrüse und Dünndarm.

Ängste und Sorgen

„Wir wollen die Sorgen und Ängste aufnehmen“, so Rössler, die sich in ihrer Funktion als Schaltstelle im Ablauf bei einer Organspende sieht. Zuerst stehe immer der verletzte Mensch im Fokus, für den alle lebenserhaltende Maßnahmen Anwendung fänden. Angehörige hätten zudem das Recht, dem Verfahrensgang zur Überprüfung des Hirntodes beizuwohnen, der medizinisch den Tod belegt. Dies stelle eine Herausforderung dar, da der Kreislauf des leblosen Körpers durch Apparatemedizin künstlich erhalten wird.

Transplantationsgesetz

Das Transplantationsgesetz regelt die Organspende, die Vermittlung von Organen über Eurotransplant und die Transplantation. Nach früher bekannt gewordenen Vorfällen und Skandalen wurde die gesamte Organisation geändert und per Gesetz auf neue Füße gestellt. Die Entnahme von Organen, deren Vermittlung und letztendlich die Transplantation bei einem Empfänger sind völlig voneinander getrennte Verfahren. Das heißt auch, dass an einer Entnahmeklinik nicht transplantiert wird. In Bayern gibt es fünf Transplantationszentren, an denen Transplantationen durchgeführt werden dürfen. Zudem koordiniert und begleitet die DSO den gesamten Vorgang, außerdem gibt es eine Überwachungskommission.

„Unser Ziel als Beauftrage der DSO ist neben der Begleitung einer Transplantation die Aufklärung und Information“, sagt die Fachärztin, „ich würde mir wünschen, dass viel mehr Menschen sich zu einer Organspende entschließen würden, denn neun von zehn potenziellen Organspendern haben keinen Organspendeausweis!“

von Wolfgang Becker

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