Zur Infoveranstaltung in Bertoldshofen kamen zahlreiche Gäste

Ortsumfahrung B472: 2019 startet der eigentliche Tunnelbau

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Die laufenden Tunnelarbeiten bei Bertoldshofen waren Thema einer Informationsveranstaltung.

Marktoberdorf – „Es ist eine Baustelle, wie sie Bertoldshofen und sein Umland noch nicht gesehen haben“, bemerkte ein Gast im voll besetzten Saal des „Königswirt“. Dorthin hatte das Staatliche Bauamt Kempten, die Autobahndirektion Südbayern und die Tunnelbaufirma BeMo geladen, um über den neuesten Stand des Tunnelbauprojekts anlässlich der Ortsumfahrung Bertoldshofen (B472) zu berichten.

Nach dem Beginn der Bauarbeiten im Juli 2018 und dem Einrichten der umfangreichen Baustelle sei man nun voll im Plan, berichtete Martin Zeindl, Leiter des Fachbereichs Bergmännischer Tunnelbau der Autobahndirektion Südbayern. Derzeit würden an beiden Portalseiten im Norden und Süden von Bertoldshofen die Baufelder für den Tunnelvortrieb hergestellt. Aktuell würden die so genannten Voreinschnitte aufgefahren, sprich das Gelände dermaßen angegraben, dass fast senkrechte Wände für Tunnelein- und ausgang entstünden. Hier würden außerdem umfangreiche Erdbauarbeiten und Böschungssicherungen mit Spritzbeton und Bodennägeln vorgenommen. Roland Arnold, Projektleiter der Tunnelbaufirma BeMo aus Innsbruck, erklärte die technische Vorgehensweise und die Details des eigentlichen Tunnelbaus. Arnold beschrieb, wie an der Südseite des geplanten Tunnels bereits eine bis zu 20 Meter hohe Bohrpfahlwand hergestellt wurde. Über mehrere Wochen war ein großes Bohrgerät, ein so genanntes Großdrehbohrgerät, im Einsatz gewesen, das von weitem gut sichtbar kontinuierlich den Baugrund für die Bohrpfahlwand bearbeitet hatte. Diese Wand wird künftig den Baugrund stützen, wenn die eigentlichen Arbeiten für den Tunnel laufen, und sie wird auch nach Abschluss der Bauarbeiten die künftige Tunnelzufahrt der B472 sichern.

Der 600 Meter lange Tunnel wird eine Überdeckung durch den Berg von maximal 40 Metern Höhe tragen. Er wird über einen Rettungsstollen verfügen, der zu Fuß begehbar ist und an der alten Steige seinen Notausstieg hat. Aus heutiger Sicht werde, wie Arnold und Zeindl erklärten, Anfang des kommenden Jahres mit den eigentlichen Tunnelarbeiten, dem bergmännischen Tunnelvortrieb, begonnen. „Das ist es, was es für den echten Bergmann spannend macht“, sagte Arnold lächelnd. Er beschrieb denn auch im Detail, wie nach alter österreichischer Bauweise ein Sohlstollen vorangetrieben und dann vergrößert werde.

Der eigentliche Tunnelanschlag soll einem Spatenstich gleich Anfang 2019 feierlich und mit der interessierten Öffentlichkeit begangen werden. Einen genauen Termin konnte Zeindl noch nicht nennen. 2020 sei dann der Bau des Betriebsgebäudes, der technischen Zentrale der Tunnelanlage, geplant sowie der Einbau des Verkehrskörpers, sprich von Straße und Gehwegen. Im Jahr 2021 soll nach der Herstellung von Signalen, Brandmeldeeinrichtungen und diverser technischer Ausrüstung der Testbetrieb des Tunnels laufen. Im selben Jahr rechnen die Verantwortlichen von Staatlichem Bauamt und Autobahndirektion auch mit der offiziellen Eröffnung und Verkehrsfreigabe des Tunnels für die Öffentlichkeit.

Nach dem Überblick über die derzeit laufenden und die im weiteren Verlauf geplanten Arbeiten standen Ralf Eisele, Ansprechpartner im Staatlichen Bauamt Kempten, Martin Zeindl und Roland Arnold den Fragen der Zuhörer Rede und Antwort. Stadtrat Werner Moll (Stadtteile aktiv) wollte wissen, ob der Tunnelaushub für den Straßenbau oder für den Bau von Lärmschutzwänden zur Verfügung stehe. Eisele antwortete verhalten, dass es noch nicht sicher sei, ob tatsächlich für den Straßenbau verwertbares Material aus dem Berg komme. Er sprach von „Manövriermasse“ für eine vielseitige Verwendung. Außerdem mahnte Moll an, den Schwerlastverkehr der Baustelle nicht über Hausen zu leiten. Eisele versprach, im Sinne der Anwohner die Siedlung zu meiden. Die Entwässerung des Hangs interessierte einen Anwohner der alten Steige. Hier antwortete Zeindl, dass in engem Kontakt mit den Wasserwirtschaftsämtern die Situation geprüft werde, dass aber zum Schutz der Tunnelarbeiter das Wasser im Berg großzügig umgeleitet werden müsse. Nach Beendigung des Tunnelbaus dürfe es dann keine Beeinträchtigung durch Wasser oder Abwasser für die Anwohner geben. Weitere Fragen betrafen den neuen Streckenverlauf der B472/B16 und den Anschluss zur vierspurig geplanten B12. Hier werde aktuell eine Übergangslösung entwickelt, die dann zum vierspurigen Ausbau der B12 hin zumindest in Teilen übernommen werden könne, sagte Eisele.

von Angelika Hirschberg

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