Landwirte ziehen bei Erntepressefahrt ins nördliche Ostallgäu Bilanz

Kein Spitzenjahr

Männer auf Feld
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Daniel Dörfler (links) und Michael Kistler vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten vermittelten auch bei der diesjährigen Erntepressefahrt wieder viele wertvolle Informationen – wie hier auf unserem Foto – über die erwartete Weizenernte.
  • VonKai Lorenz
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Weicht – „Das Jahr 2021 wird bei uns Landwirten nicht als Spitzenjahr in Erinnerung bleiben. Aber wenn nichts mehr dazwischenkommt, als ein gutes Jahr“, so der Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbandes Josef Nadler zum Abschluss der diesjährigen Erntepressefahrt ins nördliche Ostallgäu. 

„Es ist etwas anders als sonst, trotzdem können wir mit den Ernteaussichten auch in diesem Jahr zufrieden sein“, erklärte Landwirt Andreas Schmid bei der diesjährigen Erntepressefahrt, zu der die Geschäftsstelle des Bayerischen Bauernverbandes (BBV) eingeladen hatte. Schmid, aus dem Jengener Ortsteil Weicht, hatte sich wieder zur Verfügung gestellt und führte seine Gäste durch die heimischen Fluren. BBV-Geschäftsführer Thomas Kölbl hatte mit Daniel Dörfler und Michael Kistler vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) wieder zwei kompetente Fachleute mitgebracht, die mit ihrem Wissen und gesammelten Erfahrungen zum Gelingen dieser Infofahrt beitrugen.

Die beiden Fachleute vom AELF demonstrierten dabei eindrucksvoll, wie sich der Kalk auf den Ertrag und die Beschaffenheit des Bodens auswirkt. In zwei Messbechern war die selbe Menge mit Ackerboden und Wasser befüllt. In einen Becher wurde Kalk hinzugegeben. Das Ergebnis war in kürzester Zeit sichtbar. Kalk ließ das Volumen des Bodens schwammartig anwachsen, während die Probe ohne Kalk zusammensackte. Ackerpflanzen und Grünland würden sich in einem mit Kalk behandelten Boden wesentlich besser entwickeln, so ­Michael Kistler. Weshalb Kalk ungemein wichtig für Acker- und Grünland wäre und deshalb auch alle drei bis vier Jahre gekalkt werden sollte.

Anschließend ging es zu den einzelnen Feldern und Anbau­flächen. Zunächst zeigte Andreas Schmid eines seiner Maisfelder. Auffallend – einige Stellen, an denen die Maispflanzen im Verhältnis zum übrigen Feld noch recht klein und dürftig dastanden. Des Rätsels Lösung erklärte Schmid damit, dass auf diesem Feld vor rund 15 Jahren eine Gasleitung verlegt wurde. Seitdem würden sich in diesem Abschnitt die Pflanzen nicht so recht entwickeln und geradezu bei Regen „absaufen“. Ende April wurde hier auf einen mit Gülle vorbereiteten Boden ausgesät. Dann kam gleichzeitig anhaltender Regen mit verhältnismäßig kühlen Temperaturen. In den folgenden drei bis vier Wochen habe sich so gut wie nichts getan. Deshalb wurde ein zweites Mal Gülle aufgebracht – und da habe der Mais, wie Schmid erklärte, einen richtigen Schub gemacht und sich entwickelt.

In diesen Zusammenhang wies Daniel Dörfler darauf hin, dass Niederschlag, Sonnenscheindauer und Temperatur wichtige Einflussfaktoren hinsichtlich Ackerbau, Ernte und Ertrag wären. Dabei habe es das Wetter heuer „in sich“. Anhand von Tabellen zeigte er die Witterungsverhältnisse in den einzelnen Vegetationsperioden. Dabei, so Dörfler, sei die Nässe laut diesen Aufzeichnungen überraschenderweise ziemlich genau im Schnitt gewesen. Von einem „Nässejahr“ könne man deshalb keineswegs sprechen. Die Verteilung der Regenmengen sei aber zum Teil ungünstig gewesen. Wenig Niederschlag von November bis April, nach der Aussaat im Mai und im Juni gab es dann zum Ausgleich aber Niederschlagsmengen, die über dem Durchschnitt lagen. Dazu sei es die meiste Zeit zu kalt gewesen, weshalb die Saat schlecht aufgegangen wäre. Krähenschwärme hätten in dieser Zeit noch das übrige dazu beigetragen, dass oftmals sogar nachgesät werden musste. Deshalb hinke der Mais in seiner Entwicklung noch etwas hinterher, wenngleich er in den letzten Tagen, bei schwülwarmer Witterung mächtig aufgeholt habe. So könne man damit rechnen, dass im Laufe der nächsten acht bis zehn Tage der Fruchtstand ansetzen werde.

Danach ging es weiter zu einen benachbarten Feld, auf dem Landwirt Johann Heiß vor ein paar Jahren die „Durchwachsene Silphie“ angebaut hat. Dabei handelt es sich um einen Korbblütler, der als Maisersatz beispielsweise im Biogasbereich zum Einsatz kommt. Die Aussaat erfolgt Ende Mai/Anfang Juni. Geerntet wird von Ende August bis in den September hinein. In diese Zeit fällt auch die Hauptblütezeit, weshalb diese Pflanzen aufgrund der langen Blühdauer auch eine wertvolle Bienenweide darstellen.

Im weiteren Verlauf zeigte Andreas Schmid weitere eigene Anbauflächen und führte zu einem Weizenfeld. Hier sei das feuchte und kühle Wetter vorteilhaft gewesen und so könne man – wenn nichts dazwischen kommt – eine gute Ernte erwarten. Derzeit hinke man noch zwei Wochen hinterher. Mitte August dürfte aber die Weizen­ernte beginnen.

Nächste Station war ein Feld mit Wintergerste, die als Futterpflanze genutzt wird. Es könne mit keinem Spitzenertrag gerechnet werden, aber – wie Schmid beurteilte – sei in diesem Jahr mit rund acht Tonnen pro Hektar zu rechnen.

In diesem Zusammenhang wurde in einer kurzen Diskussion das Thema „Pflanzenschutz“ angesprochen. Hier gab Schmid, unterstützt von Josef Nadler zu bedenken, dass er als Landwirt von seinen Feldern und seinen Tieren leben und dabei auch noch Geld verdienen müsse. Energisch wehrten sich beide dagegen, immer wieder den Vorwurf zu hören, die Landwirtschaft versprühe zu viel an Pflanzenschutzmitteln und Gift. Da diese Mittel recht teuer wären, gehe man zumeist sehr sparsam mit derartigen Chemikalien um. Das Ergebnis konnten die Teilnehmer bei einem Nachbarfeld deutlich sehen. Hier wurde auf Spritzmittel nahezu völlig verzichtet. Der Ertrag falle dementsprechend gering aus.

Die Landwirtschaft sei vielfältiger geworden und biete mehr Zwischenfrüchte, erklärte Dr. Paul Dosch vom AELF. Ein gutes Beispiel dafür sei die Luzerne, die Schmid als die „Königin“ unter den Futterpflanzen bezeichnete. Sie liefere gute Nährstoffe fürs Vieh und sei ein Anziehungspunkt für Bienen und Insekten. „Die meisten Pflanzen blühen im Frühjahr“, wie Michael Kistler meinte, „willkommene Nahrung für unsere Bienen. Die Luzerne blüht später und liefert dadurch zu einem späteren Zeitpunkt ein weiteres Angebot für Insekten“.

Der Raps, eine weitere wichtige Blütenpflanze für Insekten, ist in diesem Jahr schwächer als üblich gewachsen. Das Frühjahr sei zu kalt und zu nass gewesen. Deshalb waren auch zu wenig Insekten zur Bestäubung unterwegs und das mache sich jetzt bemerkbar. In zwei Wochen könne der Raps geerntet werden.

Zurück beim Anwesen von Familie Schmid gab es dann ausreichend Gelegenheit zur Fachsimpelei. Kreisobmann Josef Nadler wies in seiner Abschlussrede eindringlich darauf hin, dass die Landwirtschaft aufs Engste mit der Natur verknüpft ist. Zusätzlich habe der Landwirt durch die Politik mit neuen Vorgaben und Verordnungen zu kämpfen. Das wisse die Allgemeinheit kaum zu würdigen.

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