Klimabeiräte sollen Diskussionen begleiten und in der Förderpolitik beraten

Klimaneutral bis 2030

Kräuter kübel
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Auch innen grün: Das Ostallgäuer Landratsamt hat einen Mini-Kräutergarten im Innenhof.
  • Felix Gattinger
    VonFelix Gattinger
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Marktoberdorf – In der jüngsten Sitzung des Ausschusses für Kreis­entwicklung und Umwelt wurden Hubert Kaufmann von der CSU und Hubert Endhardt (Grüne) als politische Vertreter in den Klimabeirat des Landkreises gewählt. Als ihre Stellvertreter wurden Heike Eggensberger (Grüne) und Martin Wachter (Freie Wähler) bestimmt. 

Der Klimabeirat ist ein derzeit 25-köpfiges ehrenamtliches Beratungsgremium aus verschiedenen Fachrichtungen, das den Ausschuss bei der Vergabe von Projektförderungen durch den Allgäuer Klimafonds berät. Im Klimabeirat sitzen Vertreter aus der Politik, Mitglieder der Bau- und Energiewirtschaft, aber auch Land- und Forstwirte sowie Vertreter von Industrie und Handwerk.

Vorgestellt wurden die Aufgaben des Klimabeirates von Johannes Fischer vom Sachgebiet der Kreisentwicklung. Die Beiräte, erklärte Fischer, seien zunächst mit der fachlichen Vorbereitung betraut, sollten die Diskussionen im Ausschuss durch ihre Beiträge bereichern und interne wie externe Akteure miteinander vernetzen. Laufende Projekte sollten die Beiräte kritisch begleiten und auch an Workshops zur Fortschreibung des Masterplans Klimaschutz teilnehmen.

Weniger Emissionen

Der Klimafonds Allgäu ist ein Fördertopf für regionale, klimafreundliche Projekte, in den die Mitglieder des “Bündnisses klimaneutrales Ostallgäu 2030” einzahlen. Das Bündnis besteht derzeit aus 78 Mitgliedern, der Kreis Ostallgäu ist seit 2019 dabei. Erklärtes Ziel aller Mitglieder ist es, bis zum Jahr 2030 klimaneutral zu werden. Zu den Bündnismitgliedern zählen Privatunternehmen sowie Kommunen. Oberstes Prinzip soll die Reduktion des Energiebedarfs und der Emissionen sein, beispielsweise durch die energetische Sanierung von Gebäuden, den vermehrten Einsatz von Photovoltaik-Anlagen, durch Umstellung des Fuhrparks auf Elektromobilität, aber auch durch die Reduktion beziehungsweise Vermeidung von nicht zwingend notwendiger Mobilität.

Landrätin Maria Rita Zinnecker erläuterte dies zusammen mit ihrem Referenten Johannes Fischer am Beispiel des Landratsamts, für das bereits eine Analyse erfolgt ist. Eingegangen waren aber nur Verbrauchswerte der Kernverwaltung zusammen mit der Verwaltung Füssen und den Teilen der Verwaltung im Marktoberdorfer Ärztehaus Medicum. 78 Prozent der errechneten CO2-Emissionen von insgesamt 712 Tonnen jährlich entstünden auf den Arbeitswegen der Mitarbeiter, berichtete Zinnecker, deswegen habe man jetzt die Anreise mit dem Fahrrad durch Radparkplätze und interne Duschmöglichkeiten attraktiver gemacht. Zehn Prozent der Emissionen kämen durch Geschäftsreisen zustande, weswegen man überlege beim Fuhrpark verstärkt auf E-Autos zu setzen. Unter den derzeit 15 Fahrzeugen gibt es drei elektrische und ein Hybridmodell. Allerdings gab Fischer auch zu, dass es derzeit Lücken in der Bestandsaufnahme gebe. Aufgrund von Erfassungsproblemen seien viele Faktoren wie Gebäudetechnik und die Ausstattung der Räumlichkeiten nicht in die Bilanz eingegangen. Dazu komme, so Fischer weiter, dass nach aktuellem Kenntnisstand die Möglichkeiten der Emissionsreduzierung weitgehend ausgeschöpft seien.

Die Ausschussmitglieder Robert Pöschl (CSU) und Dr. Paul Wengert (SPD) sprachen sich für eine Erweiterung der CO2-Bilanzierung aus. So plädierte Pöschl dafür, Schulen in die Bilanzierung mit hineinzunehmen. Gerade die junge Generation dort sei sehr empfänglich für die Thematik; für Pöschl ganz klar ein Potenzial, das kreativ nach Einsparungsmöglichkeiten suchen werde. Wengert sprach sich dafür aus, die Bevölkerung über Bürgerversammlungen für das Thema zu sensibilisieren, besonders aber auch die Vereine, die viele Liegenschaften mit Einsparpotential besäßen. Aber auch in der Organisation des Vereinslebens könnte man sicher noch viele Emissionen einsparen. Als Beispiel führte Wengert das hohe KFZ-Aufkommen bei Vereinsturnieren an, wo teilweise Leute nebeneinander parkten, die daheim in derselben Straße wohnten. Speziell bei öffentlichen Haushalten und Unternehmen schlug Wengert vor, auch den E-Mailverkehr im Hinblick auf Strom- und Energieverbrauch unter die Lupe zu nehmen. Hier könne man einiges an irrelevanter Korrespondenz stark reduzieren. Auch google-Anfragen sollten künftig bewusster getätigt werden. Die sind immer gleich der Daten-Vollwaschgang”, fügte Wengert hinzu.

Das werde in jedem Fall noch erfolgen, versprach Landrätin Zinnecker. „Da sind wir noch am Anfang.” Momentan, so Zinnecker weiter, gebe es im Landratsamt circa 10.000 Mailvorgänge am Tag.

International kompensieren – regional fördern

Ist das Ende der Einsparungs- und Reduktionsmöglichkeiten erreicht, sieht das Bündnis Klimaneutrales Ostallgäu 2030 ein weiteres In­strument vor: die Kompensation. Alle Restemissionen, also das, was man selber nicht einsparen kann, soll durch das Finanzieren von CO2-freundlichen Projekten anderenorts kompensiert werden. Solche Projekte werden in der Regel in Entwicklungsländern verwirklicht, also dort wo, wie Zinnecker es ausdrückte, „das Geld wirkungsvoller ist als bei uns”. Als Beispiele für solche Projekte wurden ein Solarkraftwerk in Indien und ein Trinkwasserbrunnen in Ruanda aufgeführt.

Im selben Zug jedoch soll der Klimafonds Allgäu klimafreundliche Projekte in der Region fördern. Im Topf befinden sich derzeit rund 50.000 Euro an Fördergeldern. Die Ausschreibung läuft noch bis zum 31. Juli 2021. Bis dahin können sich Unternehmen, Privatpersonen, Vereine, Schulen und Kommunen mit Projektanträgen um eine Förderung bewerben.

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