Landrätin und OB zum Kampf gegen Covid-19

Ostallgäu und Kaufbeuren: Das Ziel ist Schulschließungen zu vermeiden

Landrätin Maria Rita Zinnecker und Soldaten
+
Soldaten aus der Füssener Kaserne unterstützen die Mitarbeiter des Gesundheitsamtes bei der Verfolgung von Infektionsketten. Oberfeldwebel J. (v. li.), Gruppenführer vor Ort, Oberstleutnant Michael Bertram und Oberstleutnant Edmund Weiß, Leiter des Kreisverbindungskommandos Ostallgäu besuchen deshalb Landrätin Maria Rita Zinnecker.

Marktoberdorf/Landkreis – „Ich muss jetzt auch mal ganz klar sagen, dass im Ostallgäu noch keine Schule auf Weisung des Landratsamtes schließen musste.“ Landrätin Maria Rita Zinnecker (CSU) begann die Kreisausschusssitzung am Freitag vergangener Woche mit einer emotionalen Erklärung zur aktuellen Lage und den Corona-Maßnahmen der Bayerischen Regierung.

Die rasant steigende Anzahl der mit Covid-19 infizierten Personen in den vergangenen Wochen sei dramatisch gewesen. „Wir im Ostallgäu waren wieder einmal unter den Ersten. Mit dem Inzidenzwert 35, dann 50 und schließlich mit dem Wert 100“, sagte Zinnecker. Dabei seien die Schulen der Region besonders betroffen. „Fast die Hälfte der Kontaktpersonen, die sich aktuell in Quarantäne befinden, betreffen unsere Schulfamilien“, sagte die Landrätin.

Das Infektionsgeschehen sei zu erwarten gewesen, aber „dass es so schnell und stark geht, damit hat keiner gerechnet.“ Im Gesundheitsamt, fuhr Zinnecker fort, arbeiten aktuell insgesamt 100 Mitarbeiter. Neun Soldaten seien im Haus, „die uns sehr unterstützen und helfen“. Ebenso fünf Polizeibeamte aus verschiedenen Inspektionen. Allein 32 Mitarbeiter wurden aus anderen Ressorts der Behörde für die Corona-Bearbeitung abgestellt, zwei weitere von der Stadt Kaufbeuren und acht aus anderen Geschäftsstellen. Und dennoch habe das Landrats­amt weitere Kräfte bei der Regierung von Schwaben angefordert.

Seit die Corona-Ampel auf rot gesprungen ist, gilt die Maskenpflicht auch an Schulen und für alle Jahrgangsstufen. Zinnecker wisse, dass das ein großer Diskussionspunkt ist. „Wir nehmen das ernst“, betonte Zinnecker. „Wir bewerten die Situation im Landkreis täglich mit unseren Experten. Seit 14 Tagen befinden wir uns permanent im Krisenmodus.“ Das Ziel sei, die Schulen und Kindergärten offen zu halten.

In Anbetracht der vielen Fälle in den landkreiseigenenen Schulen bittet die Landrätin um Verständnis für die Maskenpflicht. „Wenn ich mir die Entwicklungen anschaue, insbesondere im Schulbereich, dann ist es nur verantwortungsvoll zu sagen: ‚Nach Möglichkeit mit Maske in der Schule‘. Um den Schulbetrieb aufrecht zu halten, so lange es irgendwie geht“.

Alles für die Bürger

„Wir nehmen die Sorgen der Eltern absolut ernst“, betonte Zinnecker. Es gehe dabei um den Schutz der Familien, der Lehrer und Mitschüler. Die Tage im Landratsamt bestünden derzeit vor allem aus Besprechungen, tägliche Aktualisierungen der Zahlen und der Abstimmung mit den Schulen und der Regierung. „Wir müssen Abwägungen und schnelle Entscheidungen treffen,“ gab Zinnecker einen Einblick in das Arbeitspensum der zahlreichen Mitarbeiter. „Wir tun alles für unsere Bürger! Das war mir jetzt wichtig zu sagen“, schloss die Landrätin ihre Ansprache.

Es sei ein emotionaler Bericht gewesen, der zeige, dass es um die Gesundheit der Bevölkerung gehe, sagte Dr. Alois Kling (CSU). Er sei sehr dankbar dafür, dass es am Landratsamt so viele Helfer gibt. „Die Situation ist sehr dramatisch und fast nicht in den Griff zu bekommen.“ Dass es dabei auch noch Gegenwehr aus der Bevölkerung gibt, sei die besondere Schwierigkeit in der aktuellen Lage, so Kling. Auch möchte er daher allen danken, die sich aktiv dagegen stellen und sich für den Kampf gegen Corona einsetzen.

Kreisrat Dr. Günter Räder (Grüne) meinte: „Wir müssen den Menschen die Maßnahmen erklären“. Er selbst habe in Rahmen einer Demo am Vortag „nicht nur nette“ Rückmeldungen erhalten, nachdem sich die Grünen bei einer Gegendemo formiert hatten. „Ob jede einzelne Maßnahme stimmig ist, ist fragwürdig. Doch die Richtung ist klar und die Partei trägt sie mit“, sprach auch Räder im Namen seiner Fraktion ausdrücklichen Dank an alle Helfer und Mitarbeiter und die Bemühungen der Behörde aus.

Die Spitze des Eisbergs

„Ich glaube, dass die Bevölkerung nur an der Spitze mitbekommt, was hier im Landratsamt geleistet werden muss“, schloss sich Matthias Fack (FWO) dem Dank der Kreisräte an. „Ich verstehe die Äußerungen, die die Maske in Frage stellen nicht, dass will ich in aller Deutlichkeit sagen. Abstand und Maske sind das Gebot der Stunde“, da wir uns in einer„extremen Lage befinden“. Die Schulen offen zu halten sei auch deshalb sehr wichtig, weil aus dem ersten Lockdown bekannt sei, wie schwierig die Situation zu Hause für viele Kinder und Jugendliche sei. Deshalb dürfe die Schulschließung nur ganz am Ende der Maßnahmen stehen.

„Ich danke ebenfalls allen Mitarbeitern und Helfern. Auch der Bundeswehr und Polizei und allen anderen externen“, so Wolfgang Hannig (SPD). „Weil sich alle weit über das normale Maß hinaus engagieren.“

OB Bosse denkt ähnlich

Kaufbeurens Oberbürgermeister Stefan Bosse (CSU) möchte ebenfalls Schul- und Kita-Schließungen vermeiden. Wie er dem Kreisbote mitteilte, sei derzeit lediglich der Montessori-Kindergarten am Sonneneck nicht geöffnet. Welche Schulen in der kommenden Woche, also nach den Herbstferien offen oder geschlossen sind, müsse kurzfristig entschieden werden. (Siehe hierzu auch Titelseite.)

„Der Lockdown hat das Ziel, die Anzahl der Kontakte zu beschränken. Das ist sicher sinnvoll“, sagte Bosse. Seiner Einschätzung nach dürften zuletzt private Zusammenkünfte aller Art Treiber des Infektionsgeschehens in Kaufbeuren gewesen sein. „Insofern hätte ich den Schwerpunkt der Maßnahmen eher in diesem Bereich und weniger dort gesehen, wo Hygienekonzepte umgesetzt werden und eine ausreichende Sozialkontrolle vorhanden ist“, betonte der OB. Detaillierte Analysen zum Infektionsgeschehen könne die Stadt jedoch nicht ausarbeiten, da die notwendigen Informationen ausschließlich im Gesundheitsamt beim Landratsamt zusammenlaufen würden.

von Selma Höfer

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Geschäfte in Marktoberdorf bieten eine Woche tolle Rabatte!
Geschäfte in Marktoberdorf bieten eine Woche tolle Rabatte!
Kaufbeuren: Größter echter Adventskranz der Welt steht
Kaufbeuren: Größter echter Adventskranz der Welt steht
Kaufbeurer Weihnachtsweg lädt zum Spaziergang ein
Kaufbeurer Weihnachtsweg lädt zum Spaziergang ein
„Lockdown Lager“ gegen die Durststrecke mit Karikatur des Ministerpräsidenten
„Lockdown Lager“ gegen die Durststrecke mit Karikatur des Ministerpräsidenten

Kommentare