Preisverleihung und Eröffnung der 39. Ostallgäuer Kunstausstellung 

Da ist alles Gold, was glänzt

+
Die diesjährigen Preisträger der 39. Ostallgäuer Kunstausstellung sind Ralf Dieter Bischoff (li.), Otto Scherer (2. v. li.) und Brigitte Guggenmos (Mitte). Anlässlich der Preisvergabe werden sie umrahmt von Rupert Filser (hinten), Kulturamtsleiter der Stadt Marktoberdorf, Kämmerer Wolfgang Guggenmos, Laudatorin und Museumsleiterin Maya Heckelmann und Bürgermeister Dr. Wolfgang Hell (re.).

Marktoberdorf – Ein Blasinstrument? Nein. Nicht einmal die Machart ist das, was es scheint. Denn der große, glänzende Trichter, der den Schall scheinbar in den Raum hinausträgt, ist nicht aus gedengeltem Blech, sondern geformte Keramik. Mit einer hauchfein aufgebrannten Schicht aus echtem Gold.

Und der Betrachter ahnt es schon: Zur Blasmusik eignet sich die Plastik nicht. Zum Kunstwerk gleichwohl. Als ein gekonntes und intelligentes Spiel mit Material und Perspektive bezeichnete die Jury der 39. Ostallgäuer Kunstausstellung den goldenen Trichter des Pürgener Künstlers Otto Scherer. Er erhielt für sein Werk mit dem Titel „Goldener Schall im Raum“ den mit 3.000 Euro dotierten Johann-Georg-Fischer-Kunstpreis 2017 der Stadt Markt­oberdorf.

Dieses Glitzern ist echt und hatte einen Preis verdient: Otto Scherer vor seinem Kunstwerk „Goldener Schall im Raum“.

Traditionell wird die Ostallgäuer Kunstausstellung im Markt­oberdorfer Künstlerhaus mit der Verleihung dreier Kunstpreise eröffnet. Drei Werke wurden auch dieses Jahr geehrt, die im Genre – Plastik, Malerei und Fotografie – nicht unterschiedlicher hätten sein können. Und dennoch sinnbildlich sind für die Vielfalt zeitgenössischer Kunst in Schwaben, deren vielleicht bedeutendster Wettbewerb jährlich in Markt­oberdorf stattfindet.

Das Spiel mit dem Assoziativem betreibt meisterhaft auch Fotografie-Künstler Ralf Dieter Bischoff aus Nürnberg, dessen Werk WEGen # 3 mit dem Familie Paul Breitkopf-Preis 2017 (dotiert mit 2.000 Euro) ausgezeichnet wurde. Es zeigt einen Ort, eine Landschaft vielleicht, irgendwo und irgendwann abgelichtet, dunkel, verschwommen, unmöglich greifbar. Diese bewusste Unschärfe, geadelt einst durch Gerhard Richter, werfe den Betrachter auf sich selbst und seine verwischten Erinnerungen an eigene Erlebnisse mit und in der Natur zurück. So machte sich die Direktorin des Künstlerhauses, Maya Heckelmann, in ihrer Laudatio an eine Annäherung an die hochformatige Fotografie von Ralf Dieter Bischoff. Sie lobte das malerische Moment, die wohltuende Ambivalenz der Unschärfe in einer von Bildern überfluteten Zeit.

Fast rückwärtsgewandt wirkt dagegen die Malerei der Kemptener Künstlerin Brigitte Guggenmos. Statt auf Erinnerungsfetzen setzt sie bewusst auf Erinnerungsanker in ihrem Werk „Alte Heimat II“, das gedeckt farbige Stillleben eines nostalgisch anmutenden Innenraums. Ein Schaukelstuhl, ein altes Telefon, die abblätternde Tapete – schnell wird dem Betrachter klar, dass auch Brigitte Guggenmos durchaus Assoziationsraum für eigene Erinnerungen lässt. Die 1951 in Marktoberdorf geborene Künstlerin erhielt den mit 2.500 Euro dotierten Sonderpreis der Franz Schmid Stiftung 2017.

Die Ostallgäuer Kunstschau genieße weit über die Region hinaus einen ausgezeichneten Ruf, sagte Bürgermeister Dr. Wolfgang Hell in seiner Begrüßung. Über 330 Werke seien in den Wettbewerb eingegangen, 48 mehr als im vergangenen Jahr. 62 Kunstwerke werden nun im Rahmen der Ausstellung zu sehen sein. Kunstwerke, die ein vielseitiges Panorama und ungewöhnliche Einblicke in das Kunstschaffen der Region eröffnen. Die 39. Ostallgäuer Kunstausstellung zeigt sich humorvoll und wütend, präzise und befremdlich. Sie gestaltet ein weiteres Mal den lebendigen Austausch über Kunst, ihre Ideen und Visionen für und in der Gesellschaft. Die 39. Ostallgäuer Kunstausstellung läuft noch bis zum 7. Januar 2018.

von Angelika Hirschberg

Auch interessant

Meistgelesen

Video
Parkettböden - Wohngefühl und Lebensqualität
Parkettböden - Wohngefühl und Lebensqualität
Heimat für begrenzte Zeit
Heimat für begrenzte Zeit
Einschränkung für Bahnfahrer
Einschränkung für Bahnfahrer
Kaufbeurer Altstadt in schönem Licht
Kaufbeurer Altstadt in schönem Licht

Kommentare