Landrätin Maria Rita Zinnecker verzichtet auf traditionelle Jahresabschlussrede

Es gilt das geschriebene Wort

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Sie kann‘s ja (hier ein Bild aus dem Jahr 2014). Dennoch verzichtete Landrätin Zinnecker auf ihre traditionelle Rede zum Jahresende vor dem Kreistag.

Marktoberdorf/Ostallgäu – Pünktlichkeit ist eine Tugend, eine in unseren Breitengraden hoch geschätzte sogar. Und so kam es, dass Landrätin Maria Rita Zinnecker lieber auf ihre obligatorische Rede zum Jahresabschluss vor dem Kreistag verzichtete, als das Essen kalt werden zu lassen. Die Sitzung war nämlich wegen außerplanmäßiger Punkte auf der Tagesordnung in Zeitverzug geraten, und das alljährliche, gemeinsame Weihnachtsessen für Landrätin und Kreisräte bereits angeliefert.

So kam es, dass die Landrätin nicht vor Publikum, öffentlich und persönlich den 60 ehrenamtlichen Mitgliedern des Kreistags für ihren Einsatz im Jahr 2017 dankte. Deshalb sprach sie auch nicht von den Ereignissen und Weichenstellungen, die im Jahr 2017 gemeinsam getroffen wurden. Sie zog auch kein Resümee eines insgesamt erfolgreichen Jahres wirtschaftlichen Aufschwungs. Sie setzte keine persönlichen Schwerpunkte und wagte schon gar keinen Ausblick in die Zukunft. So hatte sie es zwar in guter Tradition und Absicht vorgehabt (was ihr Redeprotokoll zweifelsfrei belegt). Doch – wie bereits gesagt – die Vorspeise wartete. Es gelte in diesem Jahr eben „das geschriebene Wort“.

Ihre Rede sei ohnehin nachzulesen, so die Landrätin. Für die Kreisräte im Online-Sitzungsportal und für die Bürger des Ostallgäus in der Zeitung. Denn der Presse wurde das achtseitige Manuskript kurz vor Ende der Sitzung zur Veröffentlichung weitergereicht. Interessant dabei das Motto, unter das die Landrätin ihre nicht gehaltenen Jahresabschlussrede stellte. „Die Zeit vergeht nicht schneller als früher, aber wir laufen eiliger an ihr vorbei“, wird darin George Orwell zitiert. Maria Rita Zinnecker warnt gleich auf Seite eins eindringlich, sich nicht von der Geschwindigkeit der Welt treiben zu lassen. Und sich auf die wirklich wichtigen Dinge zu konzentrieren. Pünktlich zum Mittagessen zu erscheinen, möchte man meinen.

So schnell holt einen dann doch die Wirklichkeit ein. Alles in allem, so hatte Landrätin Maria Rita Zinnecker in bester Absicht sagen wollen, „war 2017 ein wirklich gutes Jahr für unseren Landkreis.“

Auszüge aus der Jahresabschlussrede der Landrätin:

" Wirtschaft: „Um für die Zukunft gewappnet zu sein, haben wir in diesem Jahr mit der ‚Zukunftsvision 2036‘ einen wichtigen Grundstein gelegt. Diese Vision des Wirtschaftsbeirats hat das große, übergeordnete Ziel, das Ostallgäu zu einer der begehrtesten, ländlichen Wirtschaftsregionen zu machen.“

" Infrastruktur: Für Zukunftsfähigkeit der Region soll neben dem Ausbau der B12 auch die Beteiligung am Flächenankauf beim Allgäu Airport sorgen. „Ein wichtiges Signal für die Region!“

" Bildung/Schulen: „In Füssen steht der Abschluss der millionenschweren Generalsanierung an, in Obergünzburg legen wir im kommenden Jahr los. (...) Alle Maßnahmen sind ein großes Bekenntnis des Landkreises und auch des Kreistags zur Bildung und zur Landwirtschaft.“

" Bevölkerungsprognose: „Wir verstehen uns als Servicedienstleister für Bürger und Kommunen.“

" Tourismusreform: „Wir haben mit dem Tourismusforum wichtige Player aus dem Ostallgäuer Tourismus vernetzt. Ziel ist die Erhöhung der Wertschöpfung aus dem Tourismus.“

" Neues Besucher-Leitsystem: „Wegweisend ist auch das neue Besucherleitsystem im Landratsamt. Es ist nicht nur barrierefrei und dafür vom Freistaat ausgezeichnet, es ist vor allem umfassend.“

" Natur & Umwelt: „Wir im Landkreis haben im Sinne der Artenvielfalt bei Pflanzen und Tieren gehandelt und unser Projekt ,Wiese x 16‘ gestartet.“

" Klimaschutz: „Gerade in Zeiten eines wild gewordenen US-Präsidenten ist es wichtig, dass wir lokal und im Kleinen Dinge voranbringen. 2017 waren das der Start des Projekts ‚Energiezukunft Unternehmen‘, die Fortführung des ‚Energiesparclubs‘ an Grundschulen, die Neuauflage der ‚Bau- und Energietage‘ sowie die ersten Schritte beim Klimaanpassungskonzept.“

" Asyl/Integration: „Derzeit leben 1702 Flüchtlinge im Landkreis und zahlreiche Integrationsmaßnahmen sind im vollen Gange. (...) Wir sind auf einem guten Weg, die ersten Maßnahmen tragen Früchte. Insgesamt hat das Jobcenter Ostallgäu im Landkreis seit Jahresbeginn 145 Flüchtlinge in Arbeit vermittelt.“

" Haushalt: „Ich denke, wir sind uns hier fast alle einig, dass wir als Kreistag für 2017 nicht nur einen Rekordhaushalt, sondern vor allem einen sehr guten Haushalt aufgestellt haben. Durch die Senkung der Kreisumlage um 1,6 Prozentpunkte wurden neue finanzielle Möglichkeiten und Entlastungen geschaffen.“

von Angelika Hirschberg

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