Ostallgäuer wegen Nachstellung vor Gericht

„Ich wollte nur, dass sie das liest“

Justitia figur
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Kaufbeuren – Zur Verhandlung vor dem Amtsgericht Kaufbeuren stand am Dienstag ein Fall einer Nachstellung. Doch nachdem sich die Nebenklägerin zunächst nicht blicken ließ und dann ihre Aussage verweigerte, wurde das Verfahren gegen Zahlung einer Geldauflage eingestellt.

Der Angeklagte habe, um emotional mit seiner Beziehung zur Nebenklägerin abschließen zu können, versucht Antworten zu bekommen. Auch habe er der Frau Geld geliehen. Anrufe musste er unterlassen, nachdem die Frau eine Anzeige zum Gewaltschutz erstattet hatte. Insgesamt acht Gegenstände, davon ging die Anklage aus, habe er am Wohnhaus der Frau abgelegt „um seine Liebe zu beteuern“, wie es die Staatsanwaltin verlas. Hauptsächlich schriftliche Nachrichten, einige auf großen Plakaten und Papp-Aufstellern und Blumen.

„Niemals war ich acht Mal vor dem Haus. Und Blumen habe ich nie abgelegt“, wollte der Mann klar stellen. Auch lagen dafür keine Beweise vor. Die besagten Schriftstücke bestritt er jedoch nicht: „Ich wollte nur, dass sie das liest. Um ihr zu sagen: ‚Wir gehen im Guten auseinander‘“. Sie schulde ihm rund 1000 Euro, vor allem jedoch habe sie mit seinen Gefühlen gespielt. Große Liebe habe er empfunden und immer wieder Hoffnungen entwickelt. Damit wollte er somit abschließen und eine Zivilklage wegen des Geldes vermeiden. Auch ihr Sohn habe ihm sehr am Herzen gelegen. Unter den hinterlassenen Gegenständen sei entsprechend auch Lego für diesen: „Als Geschenk zur Einschulung“, sagte der Angeklagte.

Widersprüchliches Verhalten

Immer wieder habe die Frau Kontakt zu ihm aufgenommen, nachdem sie ihn zuvor im Handy blockiert und sogar angezeigt hatte. Die erste Anzeige nahm sie zurück, eine zweite wurde vom Gericht fallen gelassen. Bei einem Telefonat habe sie ihm zum Abschied gesagt: „Ich liebe dich. Du bist mein.“ Um dann eine dritte Anzeige zu starten. Damals gab sie bei Gericht an, traumatisiert zu sein. Doch konnte der Angeklagte Screenshots aus dieser Zeit vorlegen, welche ein aktives Profil auf einer bekannten Dating-App zeigten. Für ihn sei die emotionale Berg- und Talfahrt extrem belastend. Seit Mai sei er deshalb krankgeschrieben: „Ich habe sie nicht bedroht. Im Gegenteil, sie macht mir das Leben zur Hölle.“ Weitere Screenshots belegten, dass die Klägerin selbst den Kontakt zu ihm suchte. „Das offenbart ihr widersprüchliches Verhalten“, bemerkte entsprechend sein Anwalt.

Verweigert Aussage

Obwohl der Mann auf ihre Vorwürfe hin vor Gericht saß und sie sich als Nebenklägerin eintragen ließ, erschien die Frau nicht zum anberaumten Termin. Nachdem die Polizei sie auf richterliche Anordnung geholt hatte, verweigerte sie zunächst den Raum zu betreten und weiterhin ihre Aussage. Selbst auf einfache Fragen gab sie keine Antwort oder sagte, das wisse sie nicht mehr. „Wir sitzen wegen ihrer Anzeige hier. Sie müssen aussagen,“ mahnte die Richterin.

Er habe sie „immer wieder erpresst“, gab die Frau an. Die Aufforderung Sachverhalte zu erklären, verweigerte sie wiederum. Die Form der angeblichen Erpressung erläuterte sie auch nicht. „Es geht mir darum, dass mich jeder nur in Ruhe lässt“, sagte die Frau, mit den Screenshots konfrontiert. „Statt mir zu antworten beschimpfen sie den Angeklagten“, stellte dessen Anwalt fest. Für die angeblichen Blumen und häufigen Annäherungen an ihre Wohnung konnte sie ebenfalls keine Beweise vorlegen.

Auch wenn der Mann das Geld nicht einklagen wollte und noch immer Gefühle für die Frau hegte, waren seine Textbotschaften und Geschenke nicht der richtige Weg, so die Auffassung des Gerichts. Da es „skurrile Aktionen“ waren, so die Staatsanwältin, einigten sich alle Beteiligten auf die Einstellung des Verfahrens gegen Auflage einer Zahlung von 1200 Euro. Das Geld geht an die Stiftung „Bunter Kreis“.

Selma Höfer

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