Großartige Mitmach-Ausstellung: „Macht und Millionen – Heute regiere ICH“

Pädagogisch wertvolle Spielhalle im Stadtmuseum Kaufbeuren

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Die Band „Quergestreift“ mit Maria und Rupert Schmauch sowie Erik Urbschat (links) sorgte für die musikalische Umrahmung der Vernissage. Markenzeichen: Ringelstrümpfe und -hemden.
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Museumsleiterin Petra Weber (rechts) führte zusammen mit Susanne Sagner, die maßgeblich für den Aufbau verantwortlich war, in die Ausstellung ein.
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Jeder Besucher erhält ein Säckchen mit elf 1-Million-Münzen Spielgeld.
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Jeder Besucher erhält ein Säckchen mit elf 1-Mio-Münzen Spielgeld, hier verteilt von Anja Hölzle (rechts) und „BuFDine“* Hannah Kirchdorf.
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Wer noch Münzen übrig hat, darf sie in „Kultur-Delikatessen“ investieren.
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Achtung: Diese kleine Feuerspritze löscht gerne - auch, wenn’s gar nicht brennt...
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In einem verdunkelten Raum wird mit Licht gesprayt - die Kunstwerke verlöschen allerdings fast sofort wieder...
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Hier hat sich das Jakob-Brucker-Gymnasium verewigt, life für ca. 20 Sekunden, per Handy-Bild etwas länger.

Kaufbeuren – Eine ungewöhnlich große Anzahl von Amtsträgern der Stadt konnte Bürgermeister Gerhard Bucher im Stadtmuseum begrüßen. Bucher hatte stellvertretend für den Hausherrn Oberbürgermeister Stefan Bosse und begleitet von der Band „Quergestreift“ (Maria und Rupert Schmauch sowie Erik Urbschat) die neue Sonderausstellung „Macht und Millionen – Heute regiere ICH“ eröffnet. Das große Interesse der Stadtverwaltung führte Bucher darauf zurück, dass – während sich andere Ausstellungen im Museum meist mit der geschichtlichen Vergangenheit oder mit Kunst und Kultur beschäftigen – „diese Ausstellung das tägliche Brot eines (Ober-)Bürgermeisters (und natürlich auch der Stadtverwaltung) behandelt“.

In der vom Stadtmuseum Tübingen konzipierten und auf Kaufbeuren übertragenen Mitmach-Ausstellung ist jedem Haushaltsposten der Stadt ein interaktiver Automat zugeordnet, mit dem in das jeweilige Thema „investiert“ werden kann. Am Eingang erhalten die Besucher ein Säckchen mit elf 1-Million-Münzen Spielgeld. Damit dürfen sie nun – auf der Basis der echten Kaufbeurer Haushaltszahlen von 2018 – festlegen, ob sie zum Beispiel die jährlichen Ausgaben von 17,8 Millionen für die 20 Schulen in Kaufbeuren erhöhen, beibehalten oder reduzieren wollen. Ähnliches gilt für die Freiwillige Feuerwehr, die pro Jahr 1,5 Millionen kostet. Eine Berufsfeuerwehr würde gut das Doppelte kosten. Am billigsten – jedoch auch am wenigsten effektiv – wäre es, wenn die Bürger wie im Mittelalter selbst löschen würden.

Die Ausstellung bringt „anschaulich, aber mit Augenzwinkern den großen und kleinen Besuchern städtische Politik nahe“, sagte Museumsleiterin Petra Weber in ihrer Einführung. Szenarien zeigen zugespitzt, „was wäre, wenn“, wobei die „Optionen fürs Regieren“ oft provokativ formuliert sind: „Die Schlaglöcher sollen bleiben, so wird die Stadt von selbst autofrei“ heißt es beispielsweise als Begründung für eine 0-Euro-Investition in den Straßenbau (Beim Formulieren der Optionen dürften die Macher einen Heidenspaß gehabt haben). Auf einer Parkbank sind Interviews mit der Hospitalstiftung zur Seniorenarbeit zu hören. Im Bereich Stadtpflege muss sich der Besucher entscheiden, ob er für eine seiner Münzen durch die linke Tür gehen will oder kostenfrei durch die rechte. Links kommt er in eine gepflegte Parkanlage, rechts auf eine mit Unrat übersäte Straße zwischen beschmierten Betonwänden. Großer Beliebtheit erfreute sich auch die Möglichkeit, eigene Ideen und Projekte zu entwickeln und diese im Haushalt zu berücksichtigen. Die an die Pinnwand „Mein Projekt“ gehefteten Ideen und Wünsche sollen nach der Ausstellung gesammelt an den OB übergeben werden.

Überall stehen leicht verständliche Anleitungen, zusätzliche interessante Fakten aus Kaufbeurens Geschichte und Gegenwart sowie ausführliche Informationen über den entsprechenden Haushaltsposten. Jeder der pfiffigen Automaten spricht den menschlichen Spieltrieb anders an: Wer bei der Feuerwehr eine Münze einwirft, lässt eine kleine Feuerspritze löschen. In einem verdunkelten Raum dürfen sich Graffiti-Künstler mit Lichtsprays versuchen – die Kunstwerke verlöschen allerdings fast sofort wieder. Um die Sportförderung so richtig anzukurbeln, muss man an den Kurbeln sogar echte Schweißtropfen vergießen. Mit Geschick und ein bisschen Glück kann man bei der Wirtschaftsförderung ein paar Münzen zusätzlich gewinnen. Wem das Spielgeld ausgegangen ist, der hat an der „Geldspritze“ die Möglichkeit – diesmal für einen echten Euro – weitere drei Millionen-Münzen zu tanken. An den „Hebeln der Macht“ kann man seine Investitionen noch einmal in einer Übersichtsgrafik überprüfen, eventuell korrigieren und schließlich ausdrucken lassen. Wer dann noch Münzen übrig hat, darf sie in „Kultur-Delikatessen“ investieren.

Zusammenfassend sei gesagt: Diesen lehrreichen Spaß sollte sich – bis zum 11. August – absolut niemand in Kaufbeu­ren und Umgebung entgehen lassen! Weitere Informationen, auch zum umfangreichen Begleitprogramm für Erwachsene und Kinder unter www.stadtmuseum-kaufbeuren.de.

von Ingrid Zasche

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