Ergebnisse falsch dargestellt

Panne bei der Stadtratswahl in Kaufbeuren: Webportal kaum bis nicht erreichbar

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Diese Grafik ist nun korrekt mit 40 vergebenen Sitzen im Kaufbeurer Stadtrat.

Kaufbeuren – Mit Spannung wurde am vergangenen Sonntagabend das Wahlergebnis erwartet – und was geschah auf der Homepage der Stadt Kaufbeuren? So gut wie nichts. Fehlermeldungen, die Seite war im Laufe des Wahlabends kaum erreichbar und die Wahlergebnisse online nicht einsehbar. Wie konnte das passieren? Eines vorweg: Die Mitarbeiter im Rathaus trifft keine Schuld.

Dies stellte Jürgen Wittek, Leiter der Abteilung für Informations- und Kommunikationstechnologien und städtischer Informationssicherheitsbeauftragter, in der Sitzung des Verwaltungsausschusses am vergangenen Dienstag klar. Er sprach von einem „Wahl-Desaster“, meinte dabei aber natürlich nicht den Ausgang der Kommunalwahl, sondern das technische Versagen. Vor wenigen Jahren hat die Stadt Kaufbeuren, wie viele andere Kommunen auch, die Stimmauszählung an die Anstalt für Kommunale Datenverarbeitung in Bayern (AKDB) outgesourct. Laut Wittek seien der Stadt damals ein hochleistungsfähiges Rechnungszentrum und leistungsstarke Server versprochen worden. 

Am Sonntagabend sah die Sache anders aus. Das Webportal für die Anzeigen der Wahlergebnisse ist zeitweise komplett ausgefallen, zudem wurden 41 vergebene Stadtratssitze angezeigt, doch der Stadtrat hat nur 40 Sitze. Darüber hinaus war die Darstellung der gewählten Kandidaten unübersichtlich nach Listenplatz angezeigt und nicht nach der Anzahl der erhaltenen Stimmen, was ja viel interessanter gewesen wäre. 

Finde den Fehler. In der Grafik wurden 41 Sitze angezeigt. Der Kaufbeurer Stadtrat verfügt jedoch nur über 40 Sitze. Bei der Anstalt für Kommunale Datenverarbeitung in Bayern, die für die Darstellung der Wahlergebnisse auf der Homepage der Stadt Kaufbeuren zuständig ist, traten am Wahlabend technische Probleme auf.

Laut Wittek sei es allen anderen Kunden der AKDB ebenfalls so gegangen. Mittlerweile habe sich diese Anstalt des öffentlichen Rechts auf eine E-Mail der Stadt hin für die technische Panne im System entschuldigt. Die AKDB habe die Zugriffszahlen unterschätzt, was wohl zu einer Überlastung des Systems geführt hat. „Wir werden unsere Konsequenzen daraus ziehen“, sagte Wittek in der Sitzung. Er sprach von Kündigung. „Das war wirklich erbärmlich“, ergänzte Rechtsreferent Thomas Zeh. „Nicht einmal wir vom Wahlamt kannten die Zahlen.“ Zusätzlich zur Kündigung zieht er auch eine Schadenersatzforderung in Erwägung.

„Sowas Peinliches“, kommentierte anschließend Grünen-Stadtrat Oliver Schill. Ihm war es wichtig zu betonen, dass die Stadt nichts dafür kann. „Im Gegenteil: Ich danke allen Wahlhelferinnen und Wahlhelfer, die sich bis spät in die Nacht hinein dafür engagiert haben, dass wir so schnell wie möglich ein Endergebnis zu sehen bekommen.“ In einer Stellungnahme, die er kurz vor der Sitzung per E-Mail verschickt hatte, kritisierte er die „Nicht-Leistung“ der ­AKDB scharf und bezeichnete sie als völlig inakzeptabel. Einem zertifizierten Rechenzentrum, das sich selbst als Partner für modernes E-Govern­ment anpreise, sollte es doch heutzutage kein Problem mehr bereiten, ausreichend Kapazitäten bereitzustellen. „Man muss sich fremdschämen, dass bei uns in Bayern eine Anstalt öffentlichen Rechts bei einem planbaren und wichtigen Ereignis wie einer Wahl so eine Leistung abliefert“, schrieb Schill in der Stellungnahme.

von Martina Staudinger

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