Von Pappmaché bis Elfenbein

Grabmalsanierung zum 150. Geburtstag von Kruzifix-Sammler Pfarrer Richard Wiebel

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Vertreter des Stadtmuseums und des Freundeskreises nahmen das Ergebnis der Grabmalsanierung in Augenschein, rechts Petra Weber und Dr. Rainer Jehl.

Kaufbeuren – Vergangene Woche besichtigten Vertreter des Stadtmuseums Kaufbeuren und des Freundeskreises vor Ort das Ergebnis einer Grabmalsanierung: Das Grabmal von Richard Wiebel, der über 30 Jahre Pfarrer von Irsee war und den Grundstock für die bayernweit einzigartige Kruzifixsammlung des Museums gelegt hat, war gründlich aufgefrischt worden.

Dr. Rainer Jehl, der nicht nur der Vorsitzende des Freundeskreises des Stadtmuseums, sondern auch der Kulturstiftung Irsee ist, hatte vor etwa zwei Jahren bemerkt, dass das Grabmal von Pfarrer Wiebel auf dem Kaufbeurer Stadtfriedhof unter Wind und Wetter stark gelitten hatte: Der Sockel war fleckig, die Inschrift verblasst, die Vergoldungen des schmiedeeisernen Kreuzes waren abgeblättert, das Kreuz hatte Rost angesetzt und war außerdem von ungepflegten Buchsbüschen fast zugewuchert. Es wurde also ein Sponsor gesucht und gefunden und die Sanierung in Angriff genommen.

Die Steinmetzfirma Schwarz hat den Sockel gereinigt, die Kanten nachgeschärft, die Inschrift neu eingefärbt, von den Eisenteilen den Rost entfernt, die Vergoldungen erneuert und das schmiedeeiserne Kreuz frisch lackiert. Anstelle der alten Buchsbüsche waren links und rechts zwei schlanke Eiben gepflanzt worden.

Pfarrer Wiebel hatte Zeit seines Lebens Kruzifixe in allen Variationen und Materialien – Holz, Silber, Gold, Elfenbein oder auch bloß Pappmaché – gesammelt. Als er 1936 aus gesundheitlichen Gründen sein Amt niederlegen und aus dem geräumigen Irseer Pfarrhaus in eine kleinere Wohnung nach Kaufbeuren umziehen musste, hatte er keinen Platz mehr für seine inzwischen rund 100 Kruzifixe und einige Skulpturen. Daher bot er sie gegen eine Leib­rente für seine Schwester Eleonore, die ihm den Pfarrhaushalt führte, der Stadt Kaufbeuren an mit der Auflage, sie der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Zwei Jahre vorher hatte die Stadt mehrere eigenständige kleine Sammlungen im Kaisergässchen zum Stadtmuseum zusammengeführt, weil auch im Rathaus Platz benötigt wurde. Dort im Kaisergässchen sind die Kruzifixe nun nicht nur „geschlossen und würdig aufbewahrt“, sondern auch wunschgemäß zu besichtigen. Die vielseitige Kruzifixsammlung gilt inzwischen als überregionales Alleinstellungsmerkmal des Stadtmuseums. Darüber hinaus wurden die Kreuze seit der Übergabe durch Zukäufe und Stiftungen auf den derzeitigen Stand von über 300 Exponaten aus rund 900 Jahren aufgestockt. Während der umfangreichen Um- und Neubauarbeiten zwischen 2003 und 2013 wurde von der damaligen Museumsleiterin Dr. Astrid Pellengahr auch ein neues Konzept für die Präsentation der Sammlung erarbeitet. Dieses Konzept erhielt bereits vor der Neueröffnung des Museums den mit 10.000 Euro dotierten Kulturpreis „Pro Suebia“. Dank dieses Förderpreises konnte dann auch die für die Kruzifix-Sammlung geplante „Schatzkammer“ mit besonders kostbaren Objekten realisiert werden.

Dass das Grabmal von Pfarrer Wiebel (6. Mai 1889 bis 22. November 1945) jetzt gerade rechtzeitig zu dessen 150. Geburtstag in neuem Glanz erstrahlt, war, so Museumsleiterin Petra Weber, „zwar nicht direkt geplant, aber es hat sich wunderbar so ergeben.“

von Ingrid Zasche

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