Eine neue Alternative beim Ticketkauf in Kaufbeuren

Parken voll digital mit Handy-App

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Jürgen Olszewski (v. li.) vom städtischen Ordnungsamt, Oberbürgermeister Stefan Bosse und Jean-Pierre Brasseler von der Easyparkgroup bei der Eröffnung des Handyparkens in Kaufbeuren am vergangenen Freitag.

Kaufbeuren – Ab sofort kann jeder Autofahrer an sieben Parkautomaten der Altstadt und am Friedhof sein Parkticket einfach mit dem Smartphone buchen. Die neue Technik bringt Vorteile und bietet zudem ungewöhnliche Möglichkeiten, die bei der Eröffnung am vergangenen Freitag diskutiert wurden – allerdings nicht alle wirklich ernsthaft.

Mit der App EasyPark können Smartphone-Nutzer jetzt ihr Parkticket in Kaufbeuren bequem vom Auto aus lösen. Die App ist nach einmaliger Installation mit wenigen Klicks einsatzbereit. Die sieben entsprechend gekennzeichneten Parkautomaten des Systems befinden sich in zwei Parkzonen der Stadt Kaufbeuren, der Innenstadt und am Parkplatz Friedhof. Diese werden bei der GPS-Aktivierung direkt in der App angezeigt. Nach Eingabe seines Kennzeichens muss der Nutzer nur noch die Parkzone anwählen.

Ein Fingerdruck auf dem Smartphone startet dann den Parkvorgang – der Gang zum Parkscheinautomaten einschließlich der Eingabe von Geld entfällt komplett. Außerdem lässt sich die Parkzeit mit dem Smartphone innerhalb der Höchstparkdauer von jedem beliebigen Standort aus verlängern. Die App warnt zudem mit einer Push-Nachricht, wenn der Parkschein bald abläuft. Der digitale Parkschein kann aber auch noch vor der angegebenen Parkdauer gelöscht werden – damit fallen weniger Kosten an, falls die restliche Parkzeit nicht mehr benötigt wird.

„Wir wollen dem Autofahrer das Lösen eines Parktickets entschieden erleichtern und zudem einen weiteren Beitrag zur Digitalisierung leisten“, bemerkte dazu Oberbürgermeister Stefan Bosse. „Die gewählte technische Lösung bietet zudem den Vorteil, dass an den Parkautomaten keine Umbauten, etwa zur Einführung von Kreditkarten, notwendig waren. Alles wurde durch Erweiterungen der Software kostengünstig und witterungsbeständig gelöst.“

Die Bezahlung erfolgt in der App über Lastschrift, Kreditkarte, PayPal oder Apple Pay. Für jeden Parkvorgang gibt es eine digitale Quittung. Die Transaktion wird direkt von EasyPark, dem Betreiber des Systems, abgewickelt. Pro Parkvorgang fallen dabei 15 Prozent Servicegebühr für den Nutzer an.

Das System bietet aber auch denjenigen Autofahrern Vorteile, die kein Smartphone mitführen oder überhaupt besitzen. Denn nach der Registrierung unter www.easypark.de kann ein Parkschein auch durch einen Anruf oder eine SMS gelöst werden. Nach erfolgter Registrierung ist es zudem möglich, in anderen Städten wie Leutkirch, Schongau und Lindau, in denen die App bereits eingeführt wurde, mit dem Handy zu parken.

Im Alltag überprüfen die Verkehrsüberwacher der Stadt Kaufbeuren nunmehr mithilfe einer Datenbank an ihren mitgeführten Tablets, für welches Autokennzeichen digital ein Parkticket gelöst wurde. Kennzeichnungen am Auto gibt es dann nicht mehr. Jürgen Ol­szewski, der als Mitarbeiter des Ordnungsamtes diese Kontrollen durchführen wird, sieht hier etwas Mehrarbeit auf sich zukommen. „Wir müssen jedes Mal das Kennzeichen eingeben, sehen nicht mehr auf den ersten Blick, ob ordnungsgemäß geparkt wurde oder nicht. Aber dieser Zusatzaufwand ist gering im Vergleich zu den Vorteilen des Systems für die Autofahrer und der genauen Datenlage, die wir gewinnen. Zudem ist in Zukunft wohl auch vorgesehen, dass wir die Kennzeichen scannen können“, so seine Einschätzung.

Die Darstellung und Nutzung der Daten in einem solchen modernen digitalen System war bei der Eröffnung auch Thema für einige interessante Überlegungen der Teilnehmer. Jean-Pierre Brasseler von EasyPark etwa erläuterte, dass der Anschluss an dieses System, das bereits in 185 deutschen Städten und weltweit im Einsatz ist, exotische Lösungen ermöglicht. „So können Sie auch Ihren Freund in den USA bitten, ein Parkticket zu lösen, falls Sie nur ein normales Telefon zur Verfügung haben“, erläuterte er. Und OB Bosse erwog sogar, ab und zu einmal aus dem Rathausfenster zu schauen und Parktickets für Autos zu lösen, die wahrscheinlich ohne Registrierung abgestellt wurden. Der Besitzer merkt das dann zwar nicht unbedingt, aber er entgeht möglichen Strafen. „So kann ich vom Rathaus aus noch etwas mehr Freundlichkeit in die Stadt bringen“, meinte er mit einem Augenzwinkern.

Übrigens lässt sich auch die beliebte „Semmeltaste“ – 15 Minuten kostenloses Parken – via App drücken. Die neue Technik bietet zudem die Möglichkeit, schneller ein Ticket zu lösen, sollte das kurzfristig doch noch notwendig werden. Und im Herbst will die Aktionsgemeinschaft Kaufbeuren Sanduhren anbieten, die mit 15 Minuten Laufzeit sichtbar im Auto angebracht werden. Das wird dann die romantisch-nostalgische Ergänzung zur Digitalisierung.

von Ingo Busch

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