Widerstand regt sich

Parkstadionverlagerung: Sportvereine und Sportbeauftrager dagegen – Pohl und Bucher dafür

Parkstadion Kaufbeuren
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In der Diskussion: Das Parkstadion soll verlegt und an dessen Stelle eine zentraler Campus für die Finanzhochschule errichtet werden.

Kaufbeuren – Das Thema nimmt Fahrt auf. Die Rede ist von einer möglichen Verlagerung des Parkstadions am Jordanpark, damit an dieser Stelle ein kompletter Campus für die Studierenden der Hochschule für den öffentlichen Dienst in Bayern (Außenstelle Fachbereich Finanzwesen) entstehen kann. Nun haben sich mehrere Kaufbeurer Sportvereine an OB Stefan Bosse und die Stadtratsfraktionen gewandt und äußern ihre Bedenken gegen eine Verlagerung der gegenwärtig zentral liegenden Anlage für Fußball und Leichtathletik. Dabei werden sie von Pascal Lechler als Sportbeauftragten des Stadtrates unterstützt. Die Stadtratsmitglieder Bernhard Pohl (FW) und Gerhard Bucher (CSU) positionieren sich für ein gänzlich neues Stadion am Rande der Stadt. Doch auch in der Bevölkerung mehren sich Stimmen gegen den Campus neben dem Eisstadion. Die Stadt lädt nun zu einem Gespräch hinter verschlossenen Türen ein.

In ihrem offenen Brief wegen eines geplanten Verkaufs des Parkstadions zeigen sich die Vorstände von TV 1858 Kaufbeuren (TVK, Reinhard Willemsen), Spielvereinigung Kaufbeuren (SVK, Wolfgang Ressel) und der Kaufbeurer Leichtathletik-Cub (KLC, Jürgen Felker) bezüglich der kurzfristigen Pläne zum Verkauf des Stadiongeländes durch die Stadt Anfang Mai „geschockt, enttäuscht und auch verärgert“ und bieten ein klärendes Gespräch an. Im Mai 2020 habe es zwar eine Informationsveranstaltung zu diesem Thema gegeben, hier sei es jedoch bei „Gedankenspielen“ um mehrere Standorte gegangen, bei denen das Parkstadion „nicht von der Stadt präferiert“ gewesen sei und das Campus-Projekt auch keine hohe Priorität gehabt habe.

Um für 300 bis 400 Studenten eine verbesserte Bleibe zu schaffen, so im Schreiben, sollen mehrere Sportvereine der Stadt mit insgesamt fast 3000 Mitgliedern, davon rund zwei Drittel Kinder und Jugendliche, „aus der Mitte Kaufbeurens an den äußersten Rand vertrieben werden“. Die als Ausweichstandorte benannten Plätze im Haken und in der Turnerstraße in Neugablonz halten sie für ungeeignet, insbesondere auch, weil in Neugablonz bereits eine intensive Nutzung durch ansässige Vereine erfolge. Das Parkstadion werde zudem auch von zahlreichen Schulen sowie der Lebenshilfe genutzt, sei es zum „normalen“ Sportunterricht oder für Großveranstaltungen wie die Bundesjugendspiele.

Im Übrigen, so argumentieren die Vorstände, gebe es einen Aspekt, der alle Kaufbeurer Bürger betreffe: Das Parkstadion mit dem Jordanpark, der Eissporthalle sowie dem Frei- und Hallenschwimmbad bilde ein einzigartiges historisches Ensemble. Dieses jetzt für einen Campus zu zerreißen und zuzubetonieren, „scheint uns nicht von vorausschauendem Engagement zu zeugen“. In erster Linie sei es ihnen wichtig, dass das Parkstadion erhalten bleibt. Mindestens müsse aber sichergestellt werden, dass vor einem Beschluss zum Verkauf des Areals des Parkstadions ein adäquater Ersatz verbindlich auf den Weg gebracht werde.

Hochschule ja, aber an anderer Stelle

Rückendeckung erhalten die Vereine durch den Sportbeauftragten des Stadtrats, Pascal Lechler (SPD), der nach seinen Worten in den letzten Wochen „viele Gespräche mit den nutzenden Vereinen des Parkstadions und vielen Bürgerinnen und Bürgern geführt“ hatte. Als Ergebnis stelle er fest: „Ich bin für einen Neubau der Hochschule in Kaufbeuren. Dieser Neubau soll aber nicht anstelle des Parkstadions erfolgen“. Bezüglich der Zentralität sehe er das Gelände der ehemaligen Kunstanstalten, ehemaliges Gasthaus Bad und ehemaliges Eisstadion als sehr geeignet für einen Neubau der Hochschule an. Auch private Grundstückseigentümer von Flächen sollten „an die Verpflichtung des Eigentums zum Gemeinwohl (Artikel 14 Abs. 2 Grundgesetz), den positiven Einfluss auf die Stadtentwicklung und Verantwortung für die Stadt“ erinnert werden. Weiterhin lasse die Haushaltslage der Stadt Kaufbeuren einen Stadionneubau für mehrere Millionen Euro nicht zu. Er sehe zudem zusätzliche Probleme für die Ökologie des Jordanparks, aufgrund der dann nahen und dichteren Bebauung, und gegebenenfalls den Luftaustausch in der Stadt, als wahrscheinlich an.

Es sei den Sportlerinnen und Sportlern, Kindern und Jugendlichen nicht zuzumuten, für den Schulsport oder den Freizeitsport, mehrere Kilometer durch das gesamte Stadtgebiet nach Neugablonz oder zu einem Neubau im Norden zu fahren, zu radeln oder zu laufen. „Wir haben im Zentrum der Stadt ein Juwel für Erholung und Sport. Deshalb trete ich für den Erhalt des Parkstadions als Sportfläche für Vereine und Schulen ein“, so Lechler.

Neubau eines Stadions

Gerhard Bucher (CSU) und Bernhard Pohl (FW) setzen sich in einem gemeinsamen Antrag an den OB für eine Verlagerung des Parkstadions und als Ersatz den Neubau einer Sportanlage ein. Sie begrüßen die Pläne für einen Ankauf der Flächen des Parkstadions durch Immobilien Bayern zur Errichtung eines Campus für die Finanzhochschule. Als Ersatz soll an einem hierfür geeigneten Standort im Stadtgebiet – vorzugsweise im Kaufbeurer Norden – ein neues Sportstadion errichten werden, das den bisherigen Nutzern mindestens gleichwertige Möglichkeiten zur Sportausübung bietet. Das Parkstadion selbst sei in die Jahre gekommen und müsse sonst mit erheblichen finanziellen Mitteln aufwendig saniert werden.

Sie argumentieren mit der 100-Millionen-Investition des Freistaates, die zur Verstetigung als Hochschulstandort beitrage und die Stadt als Oberzentrum aufwerte. Die Flächen des Parkstadions seien „bahnhofs- und zentrumsnah und deshalb für dieses Vorhaben ideal geeignet“. „Mit unserem Antrag“, so Pohl und Bucher, „wollen wir auch ein klares Signal für den Sport in Kaufbeuren setzen“. Sie wollten auch in Erinnerung rufen, dass gerade die Sportvereine in Kaufbeuren „eine hervorragende Integrationsarbeit leisten und damit viel für den Zusammenhalt der Gesellschaft tun“. Dem solle auch durch den Bau zeitgemäßer Sportstätten in einer Stadt mit bald 50.000 Einwohnern Rechnung getragen werden.

In einer Presseinfo teilte die Stadt inzwischen mit, dass sie die Vereinsvertreter in Sachen Parkstadion zu einem runden Tisch am 14. Juni in den Stadtsaal einlädt, um die sportlichen Alternativen für die Vereine und die mögliche Zeitplanung des Projektes Finanzhochschule zu besprechen. Die Gespräche finden allerdings nichtöffentlich statt.

Am morgigen Dienstag soll zudem ein Treffen zwischen MdL Pohl, OB Stefan Bosse und Bayerns Finanzminister Alfred Füracker (CSU) stattfinden. Dabei geht es darum, ob der Freistaat überhaupt einen Campus in Kaufbeuren bauen will und ob das Parkstadion der geeignete Platz dafür wäre.

Wolfgang Becker

Kommentar:

Der Bürgerwille ist gefragt!

Die Interessen der Bürger einer Stadt sind so vielfältig wie die Menschen selbst. Daher ist auch für die Kaufbeurer Stadträte als Vertreter aller Bürger das Ringen um richtige Entscheidungen nicht immer einfach. Das zeigt sich gerade wieder bei der Frage der Verlagerung des Parkstadions, um an dieser Stelle einen Campus für die Finanzhochschule zu errichten. Das Interesse der Stadt ist klar: Sie will die Hochschule mit dislozierten Unterbringungen an einem zentralen Ort durch einen attraktiven Neubau etablieren und den nicht zu unterschätzenden Status als Hochschulstadt damit endgültig verstetigen. Doch was ist in diesem Fall der Bürgerwille?

Klar ist, dass die Einrichtungen des Parkstadions saniert werden müssen. Das ist sicher günstiger, als ein kompletter Neubau an anderer Stelle. Der ohnehin klamme Stadtsäckel wäre dankbar. Hinzu kommt, dass bei einer Verlagerung der große Personenkreis betroffener Nutzer – darunter auch die Schulen – weite Wege gehen müssten. Man könnte auch fragen, warum der Campus nicht am Rande der Stadt gebaut werden könnte für die ohnehin in der Masse mit eigenem Fahrzeug ankommenden Studenten? Im Haken ist ja zudem ein Bahnhalt in Planung! Ein etwa neun Hektar großes Grundstück im Kaufbeurer Süden „Im Hart“ könnte ebenfalls eine Alternative darstellen. Denn für den Freistaat spielt es sicherlich keine so entscheidende Rolle, an welcher Stelle in der Stadt er sein Geld investiert. Das Zerreißen einer Fläche von Park, und Freizeitangeboten mit Stadion ist dagegen für viele Bürger keine so gute Idee.

Ein nicht unerheblicher und geradezu unerträglicher Umstand ist allerdings auch, dass eine Gerichtsbarkeit im 21. Jahrhundert seit etlichen Jahren nicht in der Lage ist, über die Echtheit von Testamenten zu befinden und damit einen möglichen Bau auf der Moserwiese neben dem Finanzamt als Ausbildungseinrichtung blockiert. Um den wahren Bürgerwillen zu erfahren, wäre dieses Thema vielleicht auch für ein Bürgerbegehren geeignet, denn da haben die Kaufbeurer ja schon fleißig Erfahrung gesammelt!

Wolfgang Becker

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