Grüner Sack, wohin gehst Du?

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Auf den 45 Wertstoffhöfen im Landkreis werden rund 30 verschiedene Wertstoffe gesammelt und dem Recycling zugeführt.

Ostallgäu – Joghurtbecher, Shampooflasche, Nudeltüte – einmal leer wandert alles in den grünen Sack und später auf den Wertstoffhof. Wie in ganz Deutschland finden es auch die Ostallgäuer grundsätzlich sinnvoll, Wertstoffe getrennt vom sonstigen Abfall zu sammeln, um sie dem Recycling zuzuführen.

Laut einer repräsentativen Verbraucherumfrage des Bielefelder Marktforschungsinstituts Valid Research trennen 94 Prozent der Verbraucher Verpackungen aus Kunststoff oder Metall „meistens“ vom Restmüll. Bei Glas liegt die Mitmachbereitschaft sogar bei 95 Prozent. Was aber passiert mit den so genannten Leichtstoffverpackungen, die Tag um Tag im sorgsam getrennten grünen Beutel landen? 

2.871 Tonnen Plastikmüll waren es insgesamt im Ostallgäu im Jahr 2013 (neuere Zahlen liegen leider nicht vor), das sind umgerechnet 21,3 Kilogramm, die jeder Ostallgäuer Bürger im Jahr an Verpackungsmüll produziert. Die Gesamtzahl an Abfällen (Glas, Papier, Metall, sonstige Wertstoffe, Grüngut, Biomüll etc.), die private Haushalte und kleingewerbliche Betriebe im Landkreis 2013 entsorgten, summiert sich auf stattliche 50.657 Tonnen (376,5 Kilogramm pro Einwohner). Die Frage nach deren Verbleib drängt sich also auf. 

Das Landratsamt informiert auf seiner Website zur Abfallwirtschaft, dass die in den 45 Wertstoffhöfen des Landkreises gesammelten Wertstoffe in speziellen Anlagen getrennt, aufbereitet und einem Recycling zugeführt werden: Kunststoffe würden geschreddert, geschmolzen und zu einem Kunststoffgranulat verarbeitet, aus dem wieder neue Kunststoffprodukte hergestellt werden. 

Das, so geht aus einer Studie von 2013 hervor, gilt aber nur für rund 41 Prozent der zu Abfall gewordenen Kunststoffe. Offiziell liegt die Kunststoffverwertungsquote zwar bei 99 Prozent, allerdings werden davon rund 57 Prozent energetisch verwertet, sprich verbrannt. Nicht zufrieden zeigt sich damit Dr. Thomas Probst, Kunststoffexperte beim Bundes- verband Sekundärrohstoffe und Entsorgung (bvse), der die Verbrennung von Kunststoffabfällen als eine ganz erhebliche Ressourcenverschwendung brandmarkt und eine stoffliche Verwertungsquote von 60 Prozent fordert. Er plädiert dafür, die Erfassungsquote zu steigern, Wirtschaft und Privathaushalte zu sensibilisieren.

Mit der bayernweiten Entscheidung, Leichtverpackungen via grüner Sack bei den Wertstoffhöfen abzugeben (Bringsystem), sei das Ostallgäu bisher gut gefahren, erklärt Klaus Rosenthal von der Abteilung Abfallwirtschaft im Landratsamt. Die so genannte Fehlwurfquote sei vergleichsweise gering. Heißt: Die Ostallgäuer trennen meist sortenrein und vorbildlich. 

Reinhard Mayer, Geschäftsführer von Hubert Schmid Recycling in Marktoberdorf, ist es wichtig, in diesem Zusammenhang zwei Gerüchte rund um die Abfallentsorgung aus dem Weg zu räumen: „Weder werden alle grünen Säcke unsortiert der Müllverbrennungs- anlage zugeführt, noch werfen wir das farblich getrennte Glas in unseren Containern einfach zusammen“, so Mayer. 

Die Hubert Schmid Recycling und Umweltschutz GmbH ist im Landkreis Ostallgäu für die Erfassung und Sammlung der Leichtverpackungen, für Glas und Papier verantwortlich. Die Sortierung und Verwertung übernehmen allerdings wieder andere Firmen, die wie die Firma Hubert Schmid im Auftrag der Dualen Systeme Deutschlands handeln. 

Mittlerweile gibt es deren zehn, bald elf Lizenzteilnehmer, die mit vierteljährlich festgelegten Mengenanteilen an der Entsorgung der Wertstoffe in Deutschland beteiligt sind. Hintergrund ist, wie Rosenthal erklärt, die Verpackungsverordnung von 1991, die Hersteller erstmals verpflichtete, ihre Verpackungen nach Gebrauch wieder zurückzunehmen und dem Produktkreislauf wieder zuzuführen. 

Die neue Gesetzgebung veranlasste die Industrie, einen Verbund zu gründen, der die Verpflichtungen der Verpackungsverordnung bündelte. Daraus entstand das duale System, das unter diesem Namen mittlerweile zehn privatwirtschaftliche Anbieter und Systembetreiber beherbergt. 

Beim Dualen System Deutschland – Der grüne Punkt nachgefragt, wohin unser Joghurtbecher in den blauen Lastwägen der Firma Hubert Schmid transportiert wird, ist man offen: „Der von uns übernommene Anteil an Leichtverpackungen aus Ihrem Landkreis wird zunächst bei der Firma Wurzer-Umwelt in Eitting sortiert“, erklärt Norbert Völl, der Pressesprecher. „Die danach erzeugten verschiedenen Wertstofffraktionen werden in speziellen Betrieben weiter aufbereitet beziehungsweise recycelt.“ 

Wo die Verpackungen recycelt werden, hänge vom Material ab, so Föll weiter. „Plastikverpackungen gehen zum Teil zur Systec Plastics Eisfeld, die zum Grünen Punkt gehört. Getränkekartons werden von der Firma Mondi verwertet, Aluminium-Verpackungen zum Beispiel von Alunova in Bad Säckingen.” Wer hier welche Aufgaben übernimmt, das entscheidet grundsätzlich die Clearingsstelle der Dualen Systeme. 

Der Landkreis, so Rosenthal, hat da wenig Einfluss. Er sei ebenfalls Auftragnehmer des Dualen Systems und verpflichtet, für die Entgegennahme und Sammlung der Leichtverpackungen auf den Wertstoffhöfen zu sorgen. Für diese Leistung werde der Landkreis auch bezahlt. Dafür sind mindestens drei Logistikbetriebe unterwegs. Der Landkreis sei aber nicht für die Verwertung von Verpackungen verantwortlich und könne auch keine Angaben zu den Verwertungsquoten machen. 

Joghurtbecher, wo bist Du geblieben? Wir können also nur feststellen, dass er mit Sicherheit außerhalb des Ostallgäus in einer großen Sortieranlage aussortiert wurde. Danach bleibt sein Schicksal ungewiss: die Wahrscheinlichkeit ist größer, dass er verbrannt wurde, beispielsweise als Ersatzbrennstoff für industrielle Feuerungsanlagen. Möglicherweise erhält er aber auch ein zweites Leben als Pflanzgefäß, Plastikeimer oder Transportbox.

von Angelika Hirschberg

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