Nichts geht mehr

Patt-Situation im Stadtrat Marktoberdorf bringt Zeitplan für Martinsschule in Gefahr

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An den steigenden Kosten für ein Ausweichquartier der Martinsschule entbrannte eine heftige Diskussion. Nun steht das Projekt erst einmal still.

Marktoberdorf – Es sei zu spät für eine Rolle rückwärts, mahnte CSU-Stadtrat Andreas Grieser, als die Debatte noch in vollem Gange war. Und doch steht das Projekt Neubau der Grundschule St. Martin nun zunächst still.

Im Stadtrat hatte sich keine Mehrheit für die Pläne der Stadtverwaltung gefunden, die Realisierung des Ausweichquartiers östlich des Modeons umgehend auf den Weg zu bringen.

Zwölf Stadträte stimmten für, zwölf gegen den Beschlussvorschlag. Eine Patt-Situation, die nun nicht nur den Zeitplan für das Ausweichquartier gefährdet, sondern insbesondere auch die Fertigstellung des Neubaus um mindestens ein Jahr verzögert und Mehrkosten in siebenstelliger Höhe verursacht.

Die Diskussion entbrannte nicht am geplanten Standort der Ausweichschule, auch nicht am Grundriss des dreigeschossigen, rechteckigen Gebäudes. Die Kosten waren es, beziehungsweise deren Verdopplung innerhalb weniger Wochen, die für die Hälfte der Ratsmitglieder nicht mehr tragbar schienen. „Irgendwann muss auch mal der Deckel drauf“, sagte Carl Singer (Freie Wähler). Denn Ende April sollte der auf drei bis vier Jahre angelegte, provisorische Bau laut Kostenschätzung der Stadt noch rund 2,8 Millionen Euro kosten. 

Entwurfsplan vorgelegt

Am vergangenen Montag legte nun der mit der Ausweichschule beauftragte Architekt David Meuer eine Entwurfsplanung vor, die die Baukosten auf etwa 5,9 Millionen Euro beziffert, inklusive Auf- und Rückbau des Gebäudes. Carl Singer fehlte es daher zumindest an Kreativität, eine kostengünstigere Lösung oder ein sinnvolles Nachnutzungskonzept zu finden.

Diesem Gedanken entsprach auch der Eilantrag der Fraktion der Freien Wähler, die die Verwaltung aufforderten zu prüfen, ob die Mittelschule Marktoberdorf die Klassen der St. Martinsschule komplett oder teilweise unter Zuhilfenahme von Containern beherbergen könne. Ihren Antrag begründeten die Freien Wähler mit der Konsolidierung der Stadtfinanzen. Rupert Filser, Hauptamtsleiter der Stadt, stellte jedoch klar, dass die Mittelschule dem Raumbedarf der dreizügigen Grundschule nicht entsprechen könne. Auch eine Containerlösung sei aus Platzmangel und Brandschutzgründen in unmittelbarer Nähe der Mittelschule nicht möglich, so Marion Schmid vom Bauamt. So scheiterte auch der Antrag der Freien Wähler an der erforderlichen Mehrheit (12:12 Stimmen).

Vorerst Stillstand

Wie es nun weiter gehe, kann auch Bürgermeister Dr. Wolfgang Hell aktuell nicht sagen. Denn der Stadtrat startet nun erst einmal in die Sommerpause. Gespräche mit den Fraktionen würden zeigen, wann eine erneute Stadtratssitzung sinnvoll sei, bemerkte Hell vorsichtig gegenüber dem Kreisbote. „Das Projekt steht vorerst still.“ Das aber hat weit reichende Auswirkungen auf den Zeitplan und damit auch auf den Gesamtkostenrahmen, wie Bauamtsleiter Ralf Baur deutlich machte. „Eine Verschiebung der Entscheidung um nur vier Wochen lässt den Zeitplan für die Ausweichschule und damit auch für den Neubau platzen.“ Angedacht war ursprünglich, den Umzug der Martinsschüler in ein komplett fertiggestelltes Ausweichgebäude während der Sommerferien 2021 zu bewerkstelligen. Dafür würde die Zeit nun denkbar knapp, denn auch ein Containerbau benötige Minimum zwölf Monate Bauzeit, erklärte Planer David Meuer. 

„So verzögert sich die Fertigstellung der Martinsschule um ein Jahr.“

Keine Ausweichschule zur rechten Zeit bedeute aber auch, dass mit Abriss und Neubau der Grundschule am alten Standort nicht gestartet werden könne. Bauamtsleiter Baur mahnte eindringlich: „So verzögert sich die Fertigstellung der Martinsschule um ein Jahr.“ Nicht nur, dass die Stadt eine eigentlich marode Schule weiter über Wasser halten müsse, auch die Baukosten würden so über die jährliche Baupreissteigerung um rund 1,5 Millionen Euro anwachsen.

Thorsten Krebs und Andreas Grieser (beide CSU) hatten für eine Zustimmung zu den Plänen der Ausweichschule geworben. Grieser betonte, dass die Kosten des Gesamtprojekts durchaus vergleichbar mit Schulprojekten anderer Städte wären. In Landshut würde beispielsweise eine ebenfalls dreizügige Grundschule für 32,5 Millionen Euro geplant, in Füssen soll die Sanierung der Grund- und Mittelschule über 50 Millionen Euro kosten. Aktuell rechnet Marktoberdorf mit rund 33 Millionen Euro Gesamtkosten für den Neubau der Martinsschule mit Turnhalle und Hort. Auch Stadtrat und Schulleiter Jörg Schneider (Die Grünen) sprach sich dafür aus, die Planung der Grundschule zügig fortzuschreiben und so nicht noch mehr Geld zu verbraten. Andrea Weinhart (Freie Wähler) konnte dies nicht so stehen lassen. Sie fragte, ob es gerechtfertigt sei, den Kindern, die in diese neue Schule gingen, „so einen Haufen Schulden“ zu hinterlassen.

Angelika Hirschberg

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