Freie Wähler in Kaufbeuren fordern den versprochenen Bahnhofsausbau

Per Petition den Druck erhöhen

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Bernhard Pohl (FW).

Kaufbeuren – Mit einer Petition an den bayerischen Landtag will sich der Landtagsabgeordnete Bernhard Pohl (FW) gegen das Gebaren der DB wehren. Die hatte versprochen, den Kaufbeurer Bahnhof zu ertüchtigen, sprang aber vor Kurzem ab. Die Petition unterstützen auch Politiker anderer Parteien.

Der Kaufbeurer Landtagsabgeordnete Bernhard Pohl (FW) reagiert verärgert auf die „Weihnachtsbotschaft“ der Deutschen Bahn (DB), die, wie kürzlich im Kreisboten berichtet, nicht nur von der geplanten Neuerrichtung des Empfangsgebäudes in der Wertachstadt Abstand genommen hat, sondern auch von einem baldigen barrierefreien Ausbau des sogenannten „Verkehrsbereichs“. Und weil braves Abwarten nicht die Art von Bernhard Pohl ist, hat er eine Petition ins Leben gerufen, bei der die Bürger die Möglichkeit haben, sich formell für den geplatzten Ausbau einzusetzen. Ins Boot ge- holt hat der Abgeordnete der Freien Wähler dabei parteiübergreifend OB Stefan Bosse (CSU), Landrat Johann Fleschhut (FW) und die SPD-Bezirkstagskandidatin und Behinder- tenbeauftragte des Landkreises Waltraud Joa. 

Am vergangenen Donnerstag startete die Unterschriftenaktion offiziell im Sitzungssaal des Kaufbeurer Rathauses. Außer dem Landrat, der sich aus „Termingründen“ entschuldigen ließ, waren die oben genannten Unterstützer erschienen und setzten ihre Unterschrift unter die Petition. Pohl betonte noch einmal: „Es ist unheimlich wichtig, dass in dieser Sache etwas passiert“. Denn nicht nur die Bahn kommt nach Ansicht des Landtagsmitglieds hier schlecht weg – auch die bis September 2013 amtierende Bayerische Staatsregierung unter Wirtschaftsminister Martin Zeil habe für den Ausbauplan der Jahre 2013 bis 2018 den Bahnhof in Kaufbeuren nicht vorgesehen. „Es ist schon mehr als ärgerlich, wie Bahn und Staatsregierung mit unseren Bemühungen, einen schnellen barrierefreien Ausbau des Bahnhofs Kaufbeuren zu realisieren, umgegangen sind. Trotz mehrfacher Aufforderung, das Verfahren zur Auswahl der umzurüstenden Bahnhöfe öffentlich zu machen, haben Staatsregierung und Bahn alles unter Verschluss gehalten“, argumentiert Pohl. Im Sommer habe er dann „unter der Hand erfahren, dass 26 Bahnhöfe in Bayern barrierefrei ertüchtigt werden, darunter 13 im S-Bahn-Bereich München und Nürnberg“. Nach den Plänen der Bahn sollte auch Kaufbeuren realisiert werden. 

Aber der Kaufbeurer Abgeordnete hält nichts davon, Standorte gegeneinander auszuspielen: „Es geht nicht darum, den Ausbaubedarf anderer Standorte anzuzweifeln. Aber wenn Ballungsräumen der Vorzug gegeben wird, wo sowieso schon große Teile der Haltestellen barrierefrei ausgebaut sind, stellt sich schon die Frage nach der Priorisierung“. Waltraud Joa ergänzte, Barrierefreiheit sei mit nichten nur ein Anliegen von Menschen mit Behinderung: Im Rahmen des demografischen Wandels seien immer mehr Senioren davon betroffen. „Jeder, der schweres Gepäck befördern muss oder mit einem Kinderwagen unterwegs ist, weiß, wie problematisch das Einsteigen in einen Zug werden kann“, ergänzte OB Bosse. 

Alles Gründe für Pohl, sich nicht damit zufrieden zu geben, dass Kaufbeuren „erst 2020 oder gar noch später“ zum Zug komme, daher die Idee, eine Massenpetition an den bayerischen Landtag zu richten. „Ich möchte nicht nur alle politisch Verantwortlichen, sondern insbesondere auch die Bürger von Kaufbeuren, dem Ostallgäu und wenn möglich auch darüber hinaus dazu bewegen, diese Petition an den Landtag zu unterzeichnen. Es sei zwar durchaus ungewöhnlich, wenn ein Abgeordneter zum Mittel der Petition greife, gibt Pohl zu. Jedoch: „So können wir am eindrucksvollsten unter Beweis stellen, wie wichtig dieses Anliegen ist. Es ist auch ein Zeichen, dass Mitmach-Demokratie funktionieren kann“. 

Seit dem „Startschuss“ am Donnerstag kann die Petition im Abgeordnetenbüro von Bernhard Pohl (werktags 9-11 Uhr) sowie in den Bürgerbüros der Stadt Kaufbeuren zu den regulären Öffnungszeiten unterzeichnet werden. Laut Pohl ist geplant, auch entsprechende Infostände zu organisieren. Die Behindertenbeauftragte Waltraud Joa plant zudem, im Internet eine Möglichkeit zu schaffen, die Petition zu unterstützen. Weitere Infos folgen. von Michaela Frisch

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