Pfeiler der Gesellschaft

Der Bundespräsident Professor Dr. Horst Köhler habe ihn zwar nicht persönlich angerufen, dennoch liege ein „präsidialer Hauch“ in der Luft des alten Sitzungssaales im Kaufbeurer Rathaus, ließ Oberbürgermeister Stefan Bosse vergangenen Mittwoch verlauten. Anlass des Empfangs war die Verleihung der Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland an Ulrike Seifert und Friedolin Eder.

Eder und Seifert seien, wie es Bosse in seiner Laudatio beschrieb, ein „wesentlicher Pfeiler der Gesellschaft“, denn sie würden durch ihre jahrelangen, ehrenamtlichen Tätigkeiten mehr für die Allgemeinheit tun, als es ihre Pflicht sei. „Der Staat kann ein solches Engagement nicht vorschreiben, aber er kann es fördern und anerkennen“, betont Bosse bevor er die Medaillen überreicht. Friedolin Eder (70), der eigentlich aus Weiden in der Oberpfalz stammt, verschlug es durch die Bundeswehr nach Kaufbeuren. 1991 ist der ehemalige Fluglotse und Lehroffizier in den Ruhestand gegangen. Bereits 1988 trat der 70-Jährige in den Sozialverband VdK ein und seit 1990 arbeitet er ehrenamtlich in dem Verband. Seit 1993 ist Eder Vorsitzender des Ortsverbandes Kaufbeuren, seit 2002 Mitglied des Bundesausschusses des VdK Deutschland, seit 2006 Vertreter der Rentner im VdK Bundesausschuss, seit April 2007 Schriftführer des Landesverbandsvor- standes im VdK Bayern und damit nicht genug, denn diese Liste ließe sich noch um einige Punkte erweitern. Ausgezeichnet wurde Eder 1987 bereits mit dem Goldenen Ehrenkreuz der Bundeswehr und 2003 mit der Verdienstnadel des Bundeswehrverbandes in Bronze für soziales Engagement. In der Vorschlagsbegründung, die Oberbürgermeister Bosse bei der Feierstunde verlas, heißt es, dass Eder viel für den Ortsverband Kaufbeuren getan habe. „So strebte er erfolgreich danach, die Kreisgeschäftsstelle in Kaufbeuren zu belassen und setzte schließlich den Neubau eines Geschäftsstellengebäudes an der Ludwigstraße 3 durch“, heißt es weiter. Der Ortsverband zähle derzeit rund 1200 Mitglieder und der Kreisverband Ostallgäu 500. Darüber hinaus engagiere sich der 70-jährige Wahl-Kaufbeurer jährlich beim Lagerleben im Rahmen des Tänzelfestes und bei der „Lebenden Krippe“. Voll Freude nahm Eder die Auszeichnung in Empfang, bedankte sich bei seinen VdK-Kollegen sowie seiner Familie für die Unterstützung und betonte, dass „man allein die Arbeit beim VdK nicht schultern“ könne. Die gebürtige Kaufbeurerin und Stadträtin, Ulrike Seifert (53), engagiert sich seit 1974 ehrenamtlich beim Deutschen Alpenverein, beim Hauptverein München und bei der Sektion Kaufbeuren. Oberbürgermeister Bosse ist die 53-Jährige noch von der Jugendgruppe des Alpenvereins (AV) bekannt, die sie von 1974 bis 1985 leitete. Seit 1979 führt Seifert Touren für den Verein durch; sie hat die Familiengruppe nicht nur gegründet, sondern von 1990 bis 2003 geleitet. Darüber hinaus ist Seifert unter anderem seit 1999 Vorsitzende des Bundesausschusses für Familienbergsteigen und Mitglied des Verbandsrates, seit 2001 Delegierte des DAV im Bundesausschuss für Frauen beim Deutschen Olympischen Sportbund, wofür sie 2007 mit dem Alice-Profé-Preis ausgezeichnet wurde. Mitglied des Kaufbeurer Stadtrates ist Seifert seit Mai 2008 und zwar für die Partei Bündnis 90/Die Grünen, was Oberbürgermeister Bosse bedaure, da er sie lieber in seiner Partei (CSU) sehe, wie er schmunzelnd bemerkte. Seifert konterte darauf, dass bei den Grünen einfach mehr in der Frauenarbeit passieren würde. In der Vorschlagsbegründung heißt es unter anderem: „Ulrike Seifert ist Initiatorin der gesamten Bewegung zur Umsetzung des Gender Mainstreaming Gedankens im Deutschen Alpenverein und gab den Anstoß für die Verankerung des Begriffs 'Chancengleichheit der Geschlechter' im neuen Leitbild des DAV.“ Die „echte Powerfrau“, wie Bosse die 53-jährige Verdienstordenträgerin bezeichnet, betonte in ihrer Dankesrede, dass sie froh sei, dass sie so gut ihr ehrenamtliches Engagement und die Familie vereinbaren konnte und hoffe, dass der Mut gefunden wird, den Blick auf die Dinge immer mal zu wechseln.

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