Pflegebedarfsermittlung

Pflege tut Not: Analyse empfiehlt dem Landkreis dringende Maßnahmen

+
Der Landkreis geht die Herausforderung in der Pflege mit einem unmittelbaren Maßnahmenpaket an und schafft unter anderem ab 2020 drei Hospizplätze im Ostallgäu.

Ostallgäu – Es mag keinen verwundern, doch nun haben wir es amtlich: Der Pflegebedarf im Landkreis wird in den nächsten Jahren deutlich ansteigen. So heißt es in der jüngst veröffentlichten Pflegebedarfsermittlung des Basis Instituts für soziale Planung, Beratung und Gestaltung, die der Landkreis in Auftrag gegeben hatte.

Einstimmig beschloss der Ausschuss für Familie und Soziales daher ein erstes Pflege-Maßnahmenpaket für 2020, für das im Haushalt zusätzlich 140.000 Euro bereit gestellt werden.

„Wir müssen handeln“, folgerte Landrätin Maria Rita Zinnecker aus den Ergebnissen der Studie. Diese geht von einem Anstieg der Pflege- und Betreuungsbedürftigen im Ostallgäu von heute rund 4.600 Personen auf 6.100 Menschen im Jahr 2034 aus. Hinzu komme die Überalterung der Gesellschaft, so dass sich der Anteil der Erwerbstätigen zu dem der Senioren umkehren werde. „Auf 100 Erwerbstätige werden in nur 15 Jahren 121 ältere und zum Teil pflegebedürftige Menschen kommen“, erklärte Dr. Hanspeter Buba vom Basis-Institut die Entwicklung. Er beschrieb auch einen gravierenden Anstieg der Zahl an Demenzkranken von 2.628 betroffenen Menschen im Jahr 2018 zu voraussichtlich über 3.800 Demenzkranken im Jahr 2034 (ein Plus von 48 Prozent). Buba machte dem Gremium daher einen großen Handlungsbedarf in der Palliativ- und Hospizversorgung deutlich, sowie in der Versorgung Demenzkranker. Auch sah er deutliche Defizite in der medizinischen Versorgung der ländlichen Region.

Was also ist zu tun? Auch dafür fand der Studienleiter dringende Empfehlungen. „Ohne Ehrenamt und die Stärkung der Angehörigen wird es nicht gehen“, sagte Buba. Bereits heute wird ein Großteil der häuslichen Pflege von Angehörigen geleistet. Dies werde aber aufgrund des demographischen Wandels immer schwieriger. Buba empfahl daher, in jeder einzelnen Kommune einen Sozialraumkoordinator zu benennen, der die generationenübergreifende Entwicklung verantworte. Er plädierte für den Ausbau der Beratungsstellen, der ambulanten und sozialen Dienste und die Stärkung des ehrenamtlichen Engagements. Auch barrierefreies Wohnen, die Sicherung der Mobilität und der täglichen Versorgung nahm Buba nicht aus. „Hier bedarf es einer ideenreichen Vielfalt an Wohnmodellen fürs Alter und neuer, für den ländlichen Raum geeigneter Mobilitätsmodelle, wie das Bürgermobil“, riet er. Hanspeter Buba schloss mit einem Appell: „Ich empfehle Ihnen dringend, all diese Maßnahmen in den nächsten ein bis zehn Jahren umzusetzen.“

Drei Hospiz-Plätze im Landkreis

Im Ausschuss für Familie und Soziales herrschte Übereinstimmung, die Aufgaben in der Pflege unverzüglich anzugehen. Die Mitglieder beschlossen ein Maßnahmenpaket, das folgende Punkte umfasste: Ab dem kommenden Jahr wird der Landkreis eine Palliativ-Fachkraft finanzieren, die drei Hospiz-Plätze in drei stationären Pflegeeinrichtungen im Ostallgäu versorgt. Dafür stellt der Landkreis 60.000 Euro jährlich bereit. Bisher mussten Sterbende in Hospizeinrichtungen nach Kempten oder Oberbayern ziehen. „Ein Zustand, den insbesondere Angehörige als große Belastung beschreiben“, sagte Katrin Heller-Breer, die erste Vorsitzende vom Hospizverein Südliches Ostallgäu. Sie begrüßte nachdrücklich die Einrichtung fester Hospizzimmer in Wohnortnähe. Gemeinsam mit den Hospizvereinen soll der Landkreis nun die Möglichkeiten in den Pflegeheimen ausloten.

Des Weiteren wird der Landkreis ab 2020 die Kontaktstellen Demenz bei der Ausweitung ihres Beratungsangebots unterstützen. Auch bis zu drei Gemeinden sollen bei der Entwicklung und Realisierung generationenfreundlicher Konzepte zur Quartiersentwicklung gefördert werden. Auch der Aufbau einer ambulant begleitet Wohngruppe soll einen einmaligen Zuschuss erhalten.

Eine große Aufgabe, die durch kleine Schritte und finanzielle Anreize nun angegangen werde, sagte der zuständige Abteilungsleiter im Landratsamt Stefan Mohr. Die Landrätin hatte zuvor betont, dass nun alle Bereiche der Pflege, ambulant wie stationär, und alle Lebensphasen im Alter den gleichen Stellenwert erhielten. Damit geht einher, dass die Förderung niedrigschwelliger Betreuungs- und Entlastungsangebote sowie ambulanter und teilstationärer Pflegedienste durch den Landkreis erhöht wird.

von Angelika Hirschberg

Auch interessant

Meistgelesen

Lebende Krippe im Märzenburgwald: KI spendet Erlös an Bedürftige
Lebende Krippe im Märzenburgwald: KI spendet Erlös an Bedürftige
Kaufbeuren: Oberst Dirk Niedermeier übergibt Kommando zum Jahresanfang
Kaufbeuren: Oberst Dirk Niedermeier übergibt Kommando zum Jahresanfang
Tragischer Betriebsunfall: Geschäftsführer wegen fahrlässiger Tötung verurteilt
Tragischer Betriebsunfall: Geschäftsführer wegen fahrlässiger Tötung verurteilt
Kripo Kaufbeuren fahndet mit Phantombild nach Enkeltrickbetrüger
Kripo Kaufbeuren fahndet mit Phantombild nach Enkeltrickbetrüger

Kommentare