Der Altersdurchschnitt steigt

Pflegebedarf: Ostallgäuer Kommunen sollen aktiv werden

Altenpflege
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  • vonSelma Höfer
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Landkreis – Im vergangenen Jahr präsentierte Maximilian Bogner, Sachbereichsleiter Soziale Entwicklung im Landrats­amt, das Ergebnis der „Pflegebedarfsermittlung 2020“ im Ausschuss für Soziales vor (wir berichteten mehrfach). Bei der dritten Bürgermeisterbesprechung vergangene Woche informierte Bogner die Rathaus­chefs der Ostallgäuer Kommunen darüber, wie sich die Bevölkerung des Landkreises entwickeln wird und welchen Beitrag am Pflegebedarf in den Städten, Märkten und Gemeinden geleistet werden sollte.

Der Landkreis müsse sich wappnen, mahnte Bogner. Die Bevölkerung wachse in den kommenden 13 Jahren zwar an und die Geburtenrate sei erfreulich, aber das ändere nichts an der zu erwartenden Ungleichgewicht in der demographischen Entwicklung. Während die Anzahl der älteren (+ 30 Prozent) und der hochbetagten (+ 46 Prozent) Menschen stark ansteigen wird, ist bei den Kindern und Jugendlichen nur ein leichter Anstieg zu erwarten (+ fünf Prozent). Bei Personen im erwerbsfähigen Alter wird sogar ein deutlicher Rückgang prognostiziert. Rund zehn Prozent weniger Erwachsene im Alter von 20 bis 60 Jahren sind zu erwarten.

„Das sind diejenigen, die helfend, stützend und pflegend tätig sind,“ mahnte Bogner. Nun sei es auch an den Städten, Märkten und Gemeinden dafür zu sorgen, dass das „demographische Gleichgewicht nicht aus dem Ruder“ gerate. Dabei unterstützt der Landkreis die einzelnen Kommunen. So wurde unter anderem die Errichtung eines Pflegestützpunktes beschlossen und der „Ausbildungsverbund Pflege Ostallgäu-Kaufbeuren“ auf den Weg gebracht.

Der größte Teil an Unterstützung im Alter komme aus dem privaten Bereich, berichtete Bogner. Dieses soziale Umfeld und ehrenamtliches Engagement müsse mehr Wertschätzung erfahren und stärker gefördert werden. Nachbarschaftshilfen und ehrenamtliches Engagement seien Unterstützungsmöglichkeiten jenseits der pflegerischen Versorgung und von großer Wichtigkeit. Die Kommunen sollten das vorhandene Angebot kennen, ernst nehmen und fördern, betonte der Fachbereichsleiter. „Die Gemeinden könnten Anreize für mehr Angebote schaffen!“

Aufgabe der Kommunen

Wie die Situation in den einzelnen Gemeinden und Verwaltungsgemeinschaften aussieht, ist laut Bogner nicht an allen Orten gleich. „Je größer eine Kommune, desto mehr Pflegebedürftige werden dort sein“, sagte der Sachbereichsleiter. Themen wie die örtliche Infrastruktur (Gesundheitsversorgung, Barrierefreiheit, Verkehr, Wohnen) beträfen unmittelbar die Kommunen. Das Vorhandensein und die Entstehung von unterschiedlichen (altersgerechten) Wohnmöglichkeiten seien wichtige Voraussetzungen, um die Kommunen als attraktive und lebenswerte Orte für alle Generationen zu erhalten. Insbesondere die kleineren Gemeinden seien hier gefragt.Für alle stelle sich die Aufgabe und die Chance sich weiter zu entwickeln.

In allen 45 Gemeinden gibt es Seniorenbeauftragte. Diese „müssen benannt und erreichbar sein“, so Bogner. „Sie sind ein wichtiges Bindeglied zwischen den Senioren und den Gemeinden.“ Wichtig sei es, die Seniorenbeauftragten in Gemeinde- und Stadträten miteinzubeziehen. Ebenso wäre es wichtig, dass sich Gemeinden aktiv bei der Entwicklung und Umsetzung alters- und alternsfreundlicher Gemeindeentwicklungskonzepte engagieren.

„Die Aufgaben werden in Zukunft bleiben“, sagte Ostallgäus Landrätin Maria Rita Zinnecker. Es sei deutlich, dass mehr Tages- und Kurzzeitpflegeplätze benötigt werden. „Wir brauchen aber auch die Kommunen mit Initiativen vor Ort“, so Zinnecker.

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