„An der Belastungsgrenze“

Pflegepersonal auf Covid-Station des Kaufbeurer Klinikums ist seit Monaten besonders gefordert

Das Pflegeteam der Isolationsstation des Klinikums hat eine hohe Arbeitsbelastung
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Das Pflegeteam der Isolationsstation des Klinikums hat eine hohe Arbeitsbelastung.

Kaufbeuren – Seit Ausbruch der ersten Welle versorgen die Kliniken Ostallgäu-Kaufbeuren zahlreiche Corona-Patienten. Nicht nur auf der Intensivstation, auch auf der Covid-Station (Isolationsstation) ist das Personal seit Monaten besonders gefordert. Das Klinikum Kaufbeuren gibt einen Einblick über notwendigen Schutz und was es für die isolierten Patienten leistet.

„Seit Monaten arbeitet das Personal von Intensiv-, Isolationsstation, Notaufnahme und vielen mehr in einem konstanten Ausnahmezustand – körperlich und psychisch“, beschreibt Pflegedienstleiterin Andrea Lehmann die aktuelle Situation. „Und sie stellen sich nicht in den Fokus, sie sind unsere stillen Helden. Wir sind dankbar und stolz auf sie“ Gerade die Isolationsstation stehe seit Beginn des Jahres wegen Corona vor neuen Herausforderungen und einem besonderen Arbeitsalltag. Aktuell schulen die Mitarbeiter zudem andere Normal-Stationen, die aufgrund der aktuellen Situation in Covid-Stationen umgewandelt werden müssen.

Viel dazugelernt

„Wir kommen ganz normal täglich zur Arbeit und haben keine Angst vor der Situation oder dem Umgang mit den Covid-positiven-Patienten. Schließlich ist unser Team ja schon immer erfahren im Umgang mit diversen, infektiösen Krankheiten“, sagt Andrea Dunkel, Leiterin der Isolationsstation. Seit dem ersten Corona-Patienten Anfang des Jahres wurde die Station zur Covid-Station und seitdem pflegen sie und ihr Team Covid-19-Patienten. „Wir haben die letzten Monate sehr viel gelernt. So brauchen die Corona-Patienten zum Beispiel eine viel engmaschigere Kontrolle als normale Patienten.“ Der pflegerische Aufwand sei viel höher, um eine rasche Verschlechterung des Gesundheitszustands der Patienten schnell bemerken zu können. „Aktuell haben wir zudem deutlich mehr Covid-19-Patienten mit schwereren Verläufen als im Frühjahr“, sagt Dunkel. Problematisch stelle sich vor allem die Behandlung alter Menschen mit vielen Vorerkrankungen dar, die covid-positiv sind, da sie bisweilen drei bis vier Wochen behandelt werden müssen, bis sie entlassen werden können, sagte der Pandemiebeauftragte am Klinikum, Prof. Helmut Diepolder, dem Kreisbote.

Enorme Belastung

Alle Mitarbeiter der Isolations­station müssen sich penibel an die hygienischen Vorschriften halten. Zum Alltag gehört das zeitintensive An- und wieder Ablegen der persönlichen Schutzausrüstung inklusive FFP-Maske, Schutzhaube, Vollvisier, Kittel, Plastikschürze, Handschuhen und Überschuhen. „Temperaturgefühle haben wir keine mehr, egal ob Sommer oder Winter. Auch Ausschlag oder Druckstellen an Nase und Ohren sowie Heiserkeit gehören nun mal seit Monaten dazu, daran haben wir uns gewöhnt“, erzählt die Stationsleiterin. Gerade mit älteren Patienten müsse man lauter sprechen, da sie durch Maske und Visier auch nicht mehr von den Lippen lesen können. „Dabei versuchen wir trotzdem einfühlsam mit den Patienten umzugehen, die natürlich verunsichert sind und sich alleine fühlen. Wir erklären ihnen deshalb genau, worauf wir achten, was mit ihnen passiert und dass ihnen immer geholfen wird, falls sich der Zustand verschlechtert.“

Die Patienten auf der Covid-Station zu versorgen, das heißt, Symptome wie Atemnot, Schmerzen, Husten und Durchfall zu lindern und den Krankheitsverlauf genau zu beobachten, um rechtzeitig reagieren zu können. Wenn sich beispielsweise eine Verschlechterung ankündigt, kann der Patient rasch auf die Intensivstation verlegt werden. All das bringe das Pflegepersonal physisch oft an seine Belastungsgrenze, vor allem weil die Atemschutzmaske bei körperlicher Anstrengung die Atmung erschwert. „Sie leisten nicht nur harte körperliche Arbeit, dazu kommt auch die psychische Belastung“, sagt Lehmann. Das Pflegepersonal der Isolations­station sei es gewohnt Schwerstkranke zu versorgen und komme mit hoher Arbeitsbelastung zurecht. „Zudem hatten sie schon immer Erfahrung mit Infektionskrankheiten, aber durch die Besonderheiten der Covid-Versorgung nimmt das alles eine neue Dimension an. Seit Anfang des Jahres arbeiten sie unter Dauerstress und dem persönlichen Druck, trotzdem den Patienten das zu geben, was sie benötigten. Auch haben wir vermehrt Patienten, die relativ schnell versterben. Das ist für alle belastend.“ Trotz des Dauerstresses herrschen Zusammenhalt und Kollegialität im Pflegeteam.

Lösungen finden

Am Anfang der Pandemie musste daran gearbeitet werden, neue Lösungen zu finden. „Wir haben damals zu Beginn zum Beispiel unsere Visiere selbst gebastelt. Vieles wäre so nicht möglich gewesen, wenn das Team nicht so hochmotiviert, kollegial und flexibel wäre. Wir geben alles, halten zusammen, achten aufeinander, kommen aber auch an unsere Grenzen“, erzählt die Stationsleiterin. „Trotz all der aktuellen Anstrengung könnte ich mir aber keinen anderen Job vorstellen. Es ist ein erfüllender und wichtiger Beruf, Patienten zu versorgen und man bekommt auch viel zurück.“

Die aktuellen Zahlen, die Situation an den Kliniken und deren Stationen würden das Pflegepersonal nicht zur Ruhe kommen lassen. „Wir wollen der Bevölkerung einen Einblick geben und auch um Solidarität bitten. Es ist nicht schwer, das Infektionsgeschehen mit zu beeinflussen, aber das geht nur wenn alle zusammenhalten“, erklärt Pflegedirektor Axel Wagner. „Wir appellieren an die Bevölkerung, sich an die Regeln zu halten, Maske zu tragen und Kontakte drastisch zu reduzieren.“

kb

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