Machbarkeitstudie für ein Urzeit-Diorama Ostallgäu – Besucherzentrum für Udo in Pforzen

Eine gebührende Bleibe für Udo

Udo
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Danuvius Guggenmosi: Udo und der aufrechte Gang.
  • VonKlaus-Dieter Körber
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Pforzen – Um die sensationellen Funde aus der Pforzener Tongrube rund um Udo bei der Hammerschmiede zu bewahren und der Öffentlichkeit publikumswirksam präsentieren zu können, gab es zwischenzeitlich zahlreiche Gespräche und Diskussionen im Pforzener Gemeinderat und im Ostallgäuer Landratsamt.

Als erstes wurde im Herbst letzten Jahres eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben, um entsprechende Aufschlüsse hinsichtlich zu erwartenden Potenzials, Attraktivität und grundsätzlicher Voraussetzungen zu erhalten. Das dazu beauftragte Würzburger Büro „Frankonzept“ legte kürzlich zunächst dem Kreistag (wir berichtigten) und anschließend auch dem Pforzener Gemeinderat die Ergebnisse ihrer Arbeit in einer umfangreichen Studie vor. Erfreulich und das Wichtigste vorab: Die Voraussetzungen und Bedingungen für ein Besucherzentrum in Pforzen sind gut.

Dr. Jochen Ramming von Frankonzept sieht dabei, in der äußerst geringen Konkurrenz, für derartige „Naturschauen“ in der hiesigen Region, eine große Chance. Sowohl Einheimische, als auch Schulklassen und vor allem Allgäutouristen dürften in erster Linie als Besuchergruppen in Frage kommen. Vorsichtig geschätzt, so der Fachmann, könne man durchschnittlich von rund 25.000 Besuchern pro Jahr ausgehen, die sich den bei Pforzen gefundenen Menschenaffen und weitere urzeitliche Fossilienfunde anschauen wollen. Ein zusätzliches Plus: Ein fertiggestelltes Besucherzentrum wäre mit Sicherheit auch ein beliebtes „Schlechtwetterziel“. Derartige wetterunabhängige Angebote, vor allem im nördlichen Landkreis, wären ein dringendes Anliegen innerhalb der Region Ostallgäu. Das Ganze könne, so Dr. Ramming, eine gewisse „Leuchtturmfunktion“ verursachen und besitze ein enormes Potenzial.

In drei Schritten zum Ziel

Die Experten sind in ihrer Machbarkeitsstudie zu dem Ergebnis gekommen, in drei Schritten dieses Ziel zu erreichen. Zunächst schlug Ramming in gut erreichbarer Lage an der B16 die Errichtung einer sogenannten Udo-Box vor. Ein gut platzierter Info-Pavillon in der Nähe des Kreisverkehrs an der Wertachbrücke solle, bis ein richtiges Besucherzentrum entstehen könne (mit einigen Jahren müsse gerechnet werden) hier frei zugänglich auf Udo, die Ausgrabungen und den Baufortschritt hingewiesen werden. Die Kosten dafür bezifferte Dr. Ramming mit circa 182.000 Euro.

In einem zweiten Schritt ist der Aufbau einer repräsentativen Aussichtsplattform geplant, von der aus ein umfassender Blick in die Tongrube, in der die ­Überreste von Udo gefunden wurden, möglich ist. Rund 200.000 Euro müssten dafür in die Hand genommen werden, da man ein möglichst auffälliges Bauwerk aufstellen müsse, um als attraktives Ausflugsziel angenommen zu werden.

Im dritten Schritt würde dann das eigentliche Besucherzentrum mit dem geplanten Urzeit Diorama, mit einer aufwändig nachempfundenen „Allgäuer Urweltkulisse“, entstehen. Des Weiteren sollte ein gewisser Freilandbereich angegliedert sein, sodass man davon ausgehen könne, eine Gesamtfläche von rund einem Hektar zu benötigen. Wobei es wichtig wäre, so der Experte, dass sich dieses Zentrum in der Nähe zur Tongrube befindet. Drei Standorte würden sich dafür anbieten: eine etwas nördlich gelegene Wiese, das Gelände des ehemaligen Golfplatzes an der B16 oder eine freie Fläche, ungefähr einen Kilometer von der Tongrube entfernt, die ursprünglich von der Gemeinde Pforzen als Gewerbegebiet eingeplant war.

Jährliches Defizit von 175.000 Euro

Für dieses Besucherzentrum dürften die Investitionskosten bei etwa 3.75 Millionen Euro liegen. Bei den Betriebskosten liegt die Schätzung bei jährlich 390.000 Euro. Dem stehen geschätzte Einnahmen von 215.000 Euro gegenüber, sodass von einem jährlichen Defizit in Höhe von 175.000 Euro auszugehen sei. Dieses müsse durch einen zu gründenden Zweckverband, dem die Gemeinde Pforzen, der Landkreis Ostallgäu, sowie weitere Sponsoren und Kommunen aus der Nachbarschaft angehören, übernommen werden.

Pforzens Bürgermeister Herbert Hofer stellte nach den Ausführungen, die alles entscheidende Frage: „Wollen wir diesen sicherlich langen und unter Umständen auch beschwerlichen Weg, bis alles verwirklicht ist, antreten und miteinander gehen? 175.000 Euro jährliches Defizit kann die Gemeinde Pforzen auf keinen Fall allein tragen. Deshalb müssen wir nach Partnern Ausschau halten und mit ins Boot holen. Der nächste Schritt müsse deshalb sein, eine stabile Basis zur Verwirklichung dieses einmaligen Projekts zu suchen. Machen wir uns deshalb möglichst gleich auf den Weg!“ Die Schritte eins und zwei könnten verhältnismäßig zügig angegangen werden. Der Weiterweg mit Grundstücksverhandlungen und der Errichtung des Besucherzentrums wäre dann der längere Weg, so Hofer.

Zweiter Bürgermeister Torsten Stöckle schloss sich der Meinung Hofers an und erklärte, dass Pforzen hier eine große und einmalige Chance habe, die unbedingt genutzt werden müsse. Deshalb sollten die aufgezeigten Schritte eins bis drei in enger Kooperation mit dem Landkreis auch gegangen werden.

Einstimmig befürwortete daraufhin das Gremium die Umsetzung des Projektes, sobald die Voraussetzungen dafür geschaffen sind.

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