Internationales TEAMS-Katastrophentraining von humedica

Mobiles Hilfscamp auf der Flohwiese

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Die internationalen Beobachter von anderen Organisationen waren durch grau-weiße Westen mit der Aufschrift OBSERVER gekennzeichnet.
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Noch kann er lachen: An Humedica-Mitarbeiter Damian Marion, der diese Rolle bereits vor einem Jahr gespielt hatte, wird der Komplettverlust des rechten Armes modelliert.
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Jetzt sieht die Verletzung an Humedica-Mitarbeiter Damian Marion schon ernster aus und es lacht nur noch Mario Henke von der „Notfalldarstellung Ostallgäu“ (links).
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Mit Theaterschminke, Schaumstoff und viel Kunstblut werden erschreckend echt wirkende Verletzungen von blauen Flecken über Abschürfungen bis hin zu offenen Knochenbrüchen und ganzen abgerissenen Gliedmaßen geschminkt.
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Auf der Flohwiese in Pforzen wurde ein Zelt-Camp wie in einem Katastrophengebiet errichtet.
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Ein Humedica-Helfer kümmert sich um den jungen Mann mit Gesichtsabschürfungen.
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Diese junge Frau mit der blutenden Stirnwunde erhielt bei der Triage ein gelbes Armband mit der Aufschrift „urgent“ für „schwer, aber nicht lebensbedrohend verletzt“.
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Die Statisten spielten ihre Rollen äußerst glaubhaft und schrien und stöhnten erbarmungswürdig.

Pforzen – International, mit Beobachtern aus sieben Nationen, probten am vergangenen Mittwoch Einsatzkräfte von humedica in Pforzen für den Ernstfall.

Meist finden Katastrophen unter deutlich weniger angenehmen Umständen statt – sehr viel heißer oder sehr viel kälter oder sehr viel stürmischer und nässer – als das internationale Training für den Ernstfall, welches humedica am vergangenen Mittwoch auf den Flohwiesen in Pforzen abgehalten hat. Dennoch wurde das Trainings-Szenario so katastrophengerecht wie möglich gestaltet.

Im Rahmen des dreitägigen TEAMS-Trainings wurde zunächst ein fast authentisches Zelt-Camp errichtet, wobei allerdings einige der Mannschafts-Einrichtungen nur durch Fotos angedeutet waren: Im ersten Zelt erfolgt die Registrierung der Patienten, das nächste Zelt dient der Allgemeinmedizin, in einem weiteren Zelt können kleinere Chirurgische Eingriffe vorgenommen werden, danach kommt das Zelt für Notfälle und Geburtshilfe. Etwas abseits steht das Isolations-Zelt für ansteckende Krankheiten. Außerdem gibt es ein Pharmaziezelt mit Kühlmöglichkeit, ein Aufenthaltszelt für die Einsatzkräfte, Schlaf-Iglus, portable Duschen und Toiletten, Beleuchtungsmasten, Generatoren, Müllverbrennung, Handwaschbecken und eine Wasseraufbereitungs-Anlage. „Damit können völlig autark für rund 14 Tage etwa 100 Patienten täglich ambulant versorgt werden“, erklärt humedica-Geschäftsführer Johannes Peter.

Das medizinische Einsatzteam umfasst rund 17 Menschen: Ärzte, Schwestern und Pfleger, Logistiker sowie Koordinatoren. Die Ausrüstung eines Einsatzteams entspricht etwa der Kapazität einer Ambulanz zur Erstversorgung und Stabilisierung vor dem Abtransport in Krankenhäuser.

Erschreckend echt

Die weltweite Einsatzsprache ist Englisch, oftmals finden die Katastrophen aber in Ländern mit unbekannten Sprachen statt. So auch im fiktiven „Montyland“, wo sich das Szenario des Trainings abspielt - ein Erdbeben der Stärke 7,5 auf der Richterskala mit vielen Toten und Verletzten. 42 Statisten wurden durch ein Team von der „Notfalldarstellung Ostallgäu“ des Jugendrotkreuzes unter der Leitung von Mario Henke als Katastrophenopfer hergerichtet. Mit Theaterschminke, Schaumstoff und viel Kunstblut erhielten sie erschreckend echt wirkende Verletzungen von blauen Flecken über Abschürfungen bis hin zu offenen Knochenbrüchen und komplett abgerissenen Gliedmaßen.

Humedica-Trainerin Laura Butler wies die Statisten in ihre Rollen ein. Da diese zwar optisch mit Verletzungen hergerichtet waren, aber natürlich nicht die zugehörigen Symptome aufwiesen, erhielten sie Schilder umgehängt, welchen das Einsatzteam die virtuellen Vitalzeichen entnehmen und so die erforderlichen Maßnahmen ergreifen konnten. Die „Verletzten“ wiederum bewerteten im Anschluss, ob die ihnen vorher mitgeteilte richtige Behandlung in der richtigen Zeit erfolgt ist.

Bei humedica finden zwei- bis dreimal im Jahr Standardtrainings und Schulungen statt. Das TEAMS-Training dagegen ist ein von einem internationalen Konsortium - unter anderen Humedica - initiiertes und von der EU gefördertes Forschungsprojekt. Es wurde gestartet, um die Hilfe der EMT-zertifizierten Organisationen an Standards auszurichten und noch besser zu koordinieren. Humedica wurde 2018 durch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) als „Emergency Medical Team Type 1“ (EMT) zertifiziert.

Alle humedica-Einsatzteams arbeiten komplett ehrenamtlich und opfern für den Dienst am Nächsten ihre Freizeit, ihr Wissen und Können, oftmals sogar ihren Urlaub. Zudem sind die Einsätze nicht immer ganz ungefährlich. Die Finanzierung der weltweiten Katastrophenhilfe ist fast völlig von Spenden abhängig.

Von Ingrid Zasche

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