Erster „Fußgänger“ der Menschheitsgeschichte

„Udo“ präsentiert sich der Öffentlichkeit: Zwei Ausstellungen im ehemaligen Pforzener Feuerwehrhaus

Udo-Ausstellung Pforzen
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„Hauptperson“ der beiden Ausstellungen ist ohne Zweifel ein Modell von „Danuvius guggenmosi“ – bekannt und geradezu berühmt geworden als „Udo“.

Pforzen – Die Nachricht schlug ein wie eine Bombe, als die Gemeinde Pforzen vor knapp einem Jahr durch den Sensationsfund „Udo“ in der Tongrube Hammerschmiede über Nacht zu einem Hotspot für die Evolutionsforschung wurde. Bald meldeten sich im November vorigen Jahres Zeitungsredaktionen und Fernsehanstalten aus dem In- und Ausland. Politiker wie Bayerns Ministerpräsident Markus Söder und Wissenschaftsminister Bernd Sibler kamen persönlich. Der erste aufrecht gehende Menschenaffe „Danuvius guggenmosi“ war in aller Munde. Nun ist es höchste Zeit, um sozusagen zum „Jahrestag“ der Bekanntmachung in Pforzen eine Ausstellung zu starten, die sich mit den Überresten dieses zwölf Millionen Jahre alten Menschenaffen beschäftigt. 

Eine Gemeinde – zwei Ausstellungen

Da die Tongrube bei der Hammerschmiede auch Fundort weiterer fossiler Objekte von bisher 117 verschiedenen Spezies ist – was sie zu einer der reichsten fossilen Wirbeltier-Fundstellen weltweit macht –, entschloss man sich in Pforzen zwei Ausstellungen der Öffentlichkeit zu präsentieren. Unter dem Titel „Udo und die Sensation Evolution: Eine Gemeinde zwei Ausstellungen“ können sich die Besucher in zwei höchst interessanten Ausstellungen über die zwischenzeitlich zutage getretenen Spuren der Urmenschen im Ostallgäu und über die Grabungen in der Hammerschmiede informieren. In einer Kooperation der Gemeinde Pforzen und dem Landkreis Ostallgäu wurde eine Wanderausstellung konzipiert, die vom 24. Oktober bis zum 22. November im ehemaligen Pforzener Feuerwehrhaus gezeigt wird und anschließend Anfang nächsten Jahres im Landratsamt Marktoberdorf Station macht. Parallel wird in Pforzen eine zweite Ausstellung namens „Ein Allgäuer namens Udo – der lange Weg vom Affen zum Ich“ präsentiert. Dabei erhalten die Besucher hautnahe Einblicke und detaillierte Informationen zur Evolution und den Grabungsarbeiten. Lebensnahe Dioramen der wichtigsten Stationen der menschlichen Evolution ermöglichen eine Reise durch Zeit und Raum.

Feuerwehrhalle wird zu urweltlichem Tropenwald

Im Rahmen eines Pressegespräches konnten erste Eindrücke gesammelt werden. So werkeln, putzen und pinseln schon seit geraumer Zeit ehrenamtliche Helfer zusammen mit Freunden des Arbeitskreises „Hammerschmiede“ in der leerstehenden Fahrzeughalle der ehemaligen Pforzener Feuerwehrwache. Arbeitskreis-Sprecher Günter Wolf dankte bei dieser Gelegenheit der Pforzener Bevölkerung für deren Mithilfe. Mittlerweile hat auch die mit der Evolutions-Ausstellung beauftragte Firma Expo-Fauna aus Tussenhausen mit ihrem Chef und Inhaber Dieter Luksch die Dekorationsarbeiten in der Halle aufgenommen. So ganz allmählich verwandelt sich diese in einen geheimnisvollen urweltlichen Tropenwald. Wie Luksch beim Pressetermin erklärte, hätten ihn „Udo“ und dessen Geschichte von Anfang an gefesselt und gereizt. Originalgetreu angefertigte Modelle von „Danuvius guggenmosi“ und einer Säbelzahnkatze, die ebenfalls in der Pforzener Tongrube gefunden wurde, werden mit Sicherheit Anziehungspunkte für die Ausstellungsbesucher sein.

Die als Wanderausstellung konzipierte Präsentation der entdeckten Überreste von „Udo“ und den damit verbundenen plötzlich aufgetretenen neuen Erkenntnissen über die Zweibeinigkeit und Evolution der großen Menschenaffen und des Menschen stehen im Mittelpunkt dieser Ausstellung. Schließlich wurde durch diesen Fund das bisherige Wissen über den aufrechten Gang grundlegend in Frage und auf den Kopf gestellt. Die in Marktoberdorf ansässige Firma Design-gruppe Koop ist für diese Ausstellung zuständig, die mit Holzkisten und Aluboxen gestaltet ist.

40.000 Euro Kosten und Machbarkeitsstudie

Wie Landrätin Maria-Rita Zinnecker und Pforzens Bürgermeister Herbert Hofer erklärten wird dieses Projekt 40.000 Euro kosten. Der Landkreis Ostallgäu beteiligt sich mit 10.000 Euro. Sponsoren aus der Region stifteten weitere 10.000 Euro. Die restlichen 20.000 Euro trägt die Gemeinde Pforzen. Für den Ort ist diese Ausstellung etwas ganz Besonderes und eine dementsprechende Herausforderung, betonte Pforzens Gemeindeoberhaupt. Das Thema sei aber bei der Bevölkerung „gut angekommen“ und finde entsprechende Beachtung. Und so hofft Hofer, dass weitere Gemeinden, aber auch größere Städte Interesse an diesem Ausstellungsprojekt finden. Laut der Landrätin will der Landkreis „dranbleiben“, schließlich biete Udo die große Chance, dass auch der nördliche Landkreis eine touristische Attraktion anzubieten habe. Eine in Auftrag gegebene und 25.000 Euro kostende Machbarkeitsstudie soll Hinweise erbringen, wie „Udo“ Gäste aus Nah und Fern in seine Ostallgäuer Heimat in ein entsprechend ausgebautes Informationszentrum locken könne. Ein Ziel, das Kommune und Landkreis weiter verfolgen werden.

Mit einer Auftaktveranstaltung für geladene Gäste am Freitag, 23. Oktober wird das Ganze eröffnet. Die Ausstellung dauert vom 24. Oktober bis 22. November und kann zu folgenden Öffnungszeiten besucht werden: Donnerstag von 17 bis 19 Uhr, Freitag von 15 bis 19 Uhr sowie Samstag und Sonntag von 10 bis 17 Uhr. Der Eintritt ist kostenlos.

Aufgrund der Hygiene- und Infektionsschutzmaßnahmen wegen Corona können nur jeweils 18 Personen gleichzeitig eingelassen werden. Daher kann es gegebenenfalls zu Wartezeiten kommen. Für Gruppen ab zehn Personen bietet der Arbeitskreis „Hammerschmiede“ auch außerhalb der regulären Öffnungszeiten Ausstellungsbesuche an. Entsprechende Terminanfragen können an Josef Freuding per E-Mail an j.freuding@live.de oder telefonisch unter 08346/560 gestellt werden.

Vortrag von Prof. Böhme

Wegen des großen Interesses im vergangenen Jahr und der aktuell gerade laufenden Grabungen in der Tongrube Hammerschmiede halten die Grabungsverantwortlichen Prof. Madelaine Böhme und Thomas Lechner erneut einen Vortrag über den Sensationsfund „Danuvius guggenmosi“ und die diesjährige Grabungssaison. Zur Vortragsveranstaltung am Samstag, 24. Oktober um 10 Uhr in der Veranstaltungshalle auf der Flohwiese in Pforzen sind alle Interessenten eingeladen. Aufgrund der aktuellen Situation ist eine Teilnahme jedoch nur mit vorheriger Anmeldung bei der Gemeinde Pforzen unter Tel. 08346/9209-0 oder per E-Mail an udo@pforzen.­bayern.de möglich. Der Eintritt zur Vortragsveranstaltung beträgt fünf Euro pro Person.

von Klaus-Dieter Körber

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