1. kreisbote-de
  2. Lokales
  3. Kaufbeuren

Veteranen- und Soldatenkameradschaft feiert 150-jähriges Jubiläum

Erstellt:

Von: Klaus-Dieter Körber

Kommentare

Veteranen- und Soldatenkameradschaft Festgottesdienst zum Gedenken an die Gefallenen
Gesenkte Fahnen beim Festgottesdienst zum Gedenken an die Gefallenen. © Körber

Pforzen - Vergangene Woche wurde mit einem Festgottesdienst, einem anschließenden Festakt und einem geselligen Kameradschafts­treffen im Rahmen eines bunten Nachmittagsprogrammes dieser 150. Geburtstag gebührend gefeiert.

Es war im Jahre 1872 gewesen – der Deutsch-Französische Krieg 1870/71 war gerade erst überstanden – da hatten 17 Männer, die Gottlob aus dem Krieg wieder in ihre Allgäuer Heimat zurückgekehrt waren, am 26. April den Veteranenverein Pforzen-Leinau gegründet. Aus Dankbarkeit, dass alle ihre Heimatgemeinden wiedersehen durften, hatten sie eine Friedenslinde auf dem Burgenstadl gepflanzt. Es folgten leider weitere Kriege, die dann ihre Opfer forderten. Aus dem 1. Weltkrieg kehrten 33 Soldaten aus der Gemeinde nicht mehr zurück, im 2. Weltkrieg nochmals 48 Männer, Väter und Söhne, die ihre Allgäuer Heimat nicht mehr wiedersehen durften. Diesen tapferen gefallenen Kameraden in Ehrfurcht zu gedenken, ist nun die vornehmste Aufgabe der Kameradschaft, die in ihrem 150-jährigen Bestehen auf eine recht bewegte Vergangenheit zurückblicken kann.

150 Jahre später jedoch stand bei all der Freude über des Jubiläum das Erinnern und Gedenken an die vielen Kriegsopfer stets im Mittelpunkt. Ebenso die Erkenntnis, angesichts des zur Zeit wütenden Krieges in der Ukraine, welch wertvolles und kostbares Gut ein Frieden in Freiheit bedeutet.

Insgesamt 25 Fahnenabordnungen von Krieger-, Soldaten- und örtlichen Vereinen zogen von der Pforzener Flohwiese zur Pfarrkirche St. Valentin, nachdem die Pforzener Böllerschützen den „Startschuss“ abgefeuert hatten. Ursprünglich war ein Feldgottesdienst am Burgenstadl geplant, aber wegen der unsicheren Witterung hatten sich die Organisatoren kurzfristig dazu entschlossen, den Festgottesdienst in die Kirche zu verlegen.

Neben den Abordnungen der befreundeten Vereine, waren auch viele Gläubige gekommen, um an diesem besonderen Gottesdienst teilzunehmen.

Pfarrer Dr. Pius Benson erinnerte in seiner Predigt an die vielen Gefallenen, an die Frauen und Kinder, die auf väterlichen Schutz und Geborgenheit fortan verzichten mussten und lobte, dass auch heute noch – und das schon 150 Jahre lang – das Andenken und die Ehrerbietung an diese fürs Vaterland Gefallenen bewahrt bleibe. Gleichzeitig forderte der Pfarrherr dazu auf, alles dafür zu tun, dass wieder mehr Frieden in diesen aktuell kriegerischen Zeiten einziehen möge. Zum Höhepunkt des Gottesdienstes und zu den Klängen des Liedes „Ich hatt` einen Kameraden“ senkten sich die prachtvollen Fahnen im Altarraum und erinnerten so an die Gefallenen aller Kriege.

Anschließend ging es zurück in den Großen Saal der „Blöschhalle“, wo im Beisein zahlreicher Ehrengäste „Geburtstag gefeiert“ wurde, wobei Vorsitzender Willi Schmid gleich zu Beginn einschränkend erklärte, dass der Begriff „feiern“ angesichts des augenblicklichen Ukrainekrieges einen gewissen bitteren Beigeschmack habe. Und so wolle man würdevoll diesen Festtag begehen.

Bürgermeister Herbert Hofer ging in seinem Grußwort auf die Gründerzeit des hiesigen Vereins etwas näher ein und überbrachte vonseiten der Gemeinde die besten Glückwünsche zum Vereinsjubiläum und erklärte abschließend, dass die Gefallenen und Toten es verdient hätten, dass sich auch die jetzige und folgende Generationen an sie würdevoll erinnerten.

Die beiden Landtagsabgeordneten Franz Josef Pschierer (CSU) und Bernhard Pohl (Freie Wähler) unterstrichen in ihren Grußworten die Bedeutung und die Aufgaben der Vereine, die sich heute im Gedenken ihrer einstigen Kameraden verpflichtet fühlen und als Mahner für Frieden und Freiheit ihre Hauptaufgaben sehen.

Günter Groth von der benachbarten Soldatenkameradschaft Kaufbeuren gratulierte im Namen der Arbeitsgemeinschaft der Soldaten- und Veteranenvereine des nördlichen Landkreises Ostallgäu und dankte den Fahnenabordnungen für ihr Erscheinen.

Auch Kaufbeurens Oberbürgermeister Stefan Bosse hatte es sich nicht nehmen lassen, an dieser Festveranstaltung teilzunehmen und würdigte die gute Zusammenarbeit und Wichtigkeit aller aktiven Veteranen- und Soldatenvereine in Stadt und Land und wies darauf hin, dass diese Kameradschaften unbedingt erhalten werden müssten. Mit Worten der Hoffnung auf einen baldigen Frieden in Europa schloss Kaufbeurens Stadtoberhaupt diese recht besinnlichen Grußworte.

Willi Schmid, Vorsitzender der augenblicklich 355 Mitglieder zählenden Kameradschaft, konnte abschließend von zahlreichen nachhaltigen Erinnerungen und vielfältigen Ereignissen aus 150 Jahren Vereinsgeschichte berichten und verlieh der Hoffnung Ausdruck, dass die Veteranen- und Soldatenkameradschaft Pforzen-Leinau auch weiterhin als wichtiger Bestandteil des Gemeindelebens in Erscheinung treten könne.

Geselligkeit und Austausch von Erinnerungen mit Kameraden und auch Kameradinnen (denn mittlerweile nehmen neben jungen Menschen auch vermehrt Damen als Vereinsmitglieder an derartigen Veranstaltungen teil) standen nach einem gemeinsamen Mittagessen sowie Kaffee und Kuchen am Nachmittag und unter der musikalischen Begleitung des Musikvereins „Harmonie Pforzen“ im Mittelpunkt der Feierlichkeiten zum 150-jährigen Jubiläum.

Auch interessant

Kommentare