„Gemeinsam! Für den Wald“

Waldbegehung am Moosberg: Der Wald leidet wie nie zuvor

Personen bei Waldbegehung nahe Pforzen
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Revierförster Andreas Zettler zeigte Lösungsmöglichkeiten zum Fortbestand und Erhalt des Waldes auf.

Pforzen – Auf Initiative des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft fanden kürzlich in Partnerschaft mit dem Deutschen Forstwirtschaftsrat bundesweit zum dritten Mal die „Deutschen Waldtage“ statt. Unter der Schirmherrschaft von Bundesland- und Forstwirtschaftsministerin Julia Klöckner wurden insgesamt mehr als 550 lokale Veranstaltungen und Mitmachaktionen durchgeführt. Auch der Pforzener Aktionskreis „Biodiversität“ unter Leitung seines Natur- und Umweltschutzbeauftragten Josef Freuding hatte aus diesem Anlass zu einer Waldbegehung am Moosberg in Zusammenarbeit mit der Forstbetriebsgemeinschaft Kaufbeuren eingeladen. Dabei wurden Lösungsmöglichkeiten zum Fortbestand und Erhalt des Waldes von Revierförster Andreas Zettler im Verlauf eines rund zweistündigen Rundgangs aufgezeigt.

Selbst für den Laien wurde dabei immer wieder sichtbar: der heimische Wald leidet und braucht Hilfe. Die aufgetretenen Schäden durch Trockenheit, Krankheiten, Käferbefall und dem fortschreitenden Klimawandel sind mittlerweile unübersehbar. Pforzens Bürgermeister Herbert Hofer brachte es in seiner Ansprache auf den Punkt, als er den zahlreich erschienenen Zuhörern ans Herz legte: „Wir haben zwar die Pflege unserer gemeindeeigenen Wälder als Mitglied der Forstbetriebsgemeinschaft Kaufbeuren in erfahrene und professionelle Hände gelegt, trotzdem müssen Sie alle verantwortungsvoll mit dazu beitragen, dass unser Wald als grüne und lebendige Insel erhalten bleibt“.

Diese mahnenden Worte von Pforzens Gemeindeoberhaupt standen ganz im Sinne dieser Veranstaltung. Schließlich ist eine gemeinsame Verantwortung aller nötig, um den Wald für den Klimaschutz, die Artenvielfalt und Erholung sowie für nachfolgende Generationen zu erhalten. „Gemeinsam! Für den Wald“ war das Motto der diesjährigen „Deutschen Waldtage“, wobei gezielte Maßnahmen zum Schutz der Wälder im Mittelpunkt standen.

Revierförster Andreas Zettler von der Forstbetriebsgemeinschaft Kaufbeuren verstand es ausgezeichnet, die anzusprechenden Themen dieser Infoveranstaltung lebendig zu präsentieren und dabei eindringlich auf die aktuelle Waldsituation aufmerksam zu machen. Schließlich gab es bei diesem Spaziergang durch das circa 8,2 Hektar große Waldrevier am Moosberg genügend Hinweise für aufgetretene Schäden, wobei diese aber weitaus geringer sind als in verschiedenen Waldgebieten außerhalb des Allgäus. Durch geeignete Maßnahmen sollen jedoch diese Schäden minimiert und nach Möglichkeit ganz vermieden werden.

So soll beispielsweise künftig der bisher dominierende Fichtenbestand reduziert und durch Tannen und Laubholz ergänzt werden. Dieser sogenannte Zukunftswald soll sich dementsprechend zu einem typischen Mischwald entwickeln, der dann weniger anfällig ist. Trotzdem wird aber auch weiterhin die schnell sich zur Hiebreife entwickelnde Fichte bei einem Bestockungsziel mit 70 Prozent Fichten, 20 Prozent Tannen und zehn Prozent Laubholz an erster Stelle stehen.

Zu insgesamt fünf Stationen führte die Waldbegehung. Dabei konnte Zettler jeweils am Ort des Geschehens auf die einzelnen Probleme und auf entsprechende zu ergreifende Gegenmaßnahmen näher eingehen. So erklärte der Forstmann seinen interessierten Zuhörern die eingeleitete Anpflanzung von Rot­erlen auf einer entstandenen Schadfläche, oder die Jungbestandspflege im Übergang zur Jungdurchforstung.

Fazit dieser lehrreichen Veranstaltung: Der Klimawandel ist auch in unseren Wäldern unübersehbar und verlange ein striktes Umdenken, um den Wald zu retten. Josef Freuding, unermüdlicher Mahner für den Umwelt- und Naturschutz, wies bei dieser Gelegenheit auf die immer stärker in den Vordergrund rückende Biodiversität hin. Die Gemeinde Pforzen leiste auf diesem Gebiet bereits beachtliches. Blühstreifen und blühende Wiesen wurden geschaffen und zeigen erste Erfolge. Der Wald dürfe bei all diesen Bemühungen aber nicht außer Acht gelassen werden. Sogenannte Baumpatenschaften könnten hier wertvolle Dienste zum Erhalt einer intakten und lebenswerten Natur leisten.

Aus Gesprächen mit Teilnehmern dieses Waldtages war zu entnehmen, dass dieser zweistündige Rundgang mit Sicherheit das öffentliche Bewusstsein und das Interesse am Thema „Wald“ fördern und vertiefen konnte. Gleichzeitig bekam jeder Einzelne einen Einblick, was alles zu tun ist, um „unseren Wald“ am Leben zu erhalten.

von Klaus-Dieter Körber

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