Sensationsfund soll für die Öffentlichkeit sinnvoll erschlossen werden

Pforzen will mit „Udo“ punkten

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Die 21 Knochen des am vollständigsten erhaltenen Teil-Skelettes eines männlichen Danuvius sollen nach dem Willen der Gemeinderäte in Pforzen öffentlich gezeigt werden.

Pforzen – Seit mehr als einer Woche erscheint die kleine Gemeinde Pforzen in allen Teilen der nationalen und internationalen Presse. Ein etwa 11,6 Millionen Jahre alter Menschenaffe – Wissenschaftler bezeichnen ihn als den ältesten Hominiden mit aufrechtem Gang – lockt Journalisten und Kamerateams in Scharen in die am Ortsrand befindliche Tongrube an der Hammerschmiede. Die hochkarätige Nachricht „Knochenfunde beweisen – der älteste aufrecht gehende Primat stammt aus dem Ostallgäu“, sorgt für Schlagzeilen. Klar, dass sich auch der Pforzener Gemeinderat auf seiner jüngsten Sitzung mit „Udo“ –wie mittlerweile dieser „Ur-Allgäuer“ umgangssprachlich genannt wird – ausführlich beschäftigte.

So standen gleich mehrere Fragen im Raum: Wie kann dieser einmalige Fund für die Öffentlichkeit erschlossen werden? Wie kann und will sich die Gemeinde Pforzen hier beteiligen und mitmachen? Was kommt in diesem Zusammenhang auf die Gemeinde zu? Lässt sich dies alles auch stemmen und mit wem sollte man, allein schon wegen der überregionalen und sogar weltweiten Bedeutung, zusammenarbeiten?

Das Gremium war sich einig, dass man gleich von Anfang an zielstrebig agieren müsse. Wie ausdrücklich betont wurde, dürfe diese einmalige Chance, das nördliche Ostallgäu wenigstens einen kleinen Schritt aus dem „Dunstkreis von Schloss Neuschwanstein und dem Füssener Königswinkel“ herauszuführen, auf keinen Fall vertan werden. Wie Bürgermeister Herbert Hofer erklärte, müsse es ein Ziel für die Gemeinde sein, diesen Fund und weitere Exponate der Öffentlichkeit zu zeigen. Laut Hofer wurden im Verlauf der seit 2011 ernsthaft durchgeführten Grabungen der Uni Tübingen nicht nur die Überreste von „Danuvius guggenmosi“ (Udo), sondern auch Relikte zahlreicher Wirbeltiere, wie Nashörner, Bären, einem Baby-Elefanten, sowie von Fischen, Vögeln und Schildkröten freigelegt. Eine weltweit geradezu einmalige Vielfalt!

Partner mit ins Boot nehmen

Für die Gemeinde Pforzen sei der Bau eines Museums oder gar eines paläologischen Zentrums mit Sicherheit „eine Nummer zu groß“. Und so forderte 2. Bürgermeister Josef Freuding in diesem Zusammenhang dazu auf, die Gemeinden der Verwaltungsgemeinschaft, ferner die Städte Kaufbeuren und Bad Wörishofen, den Landkreis Ostallgäu und den Freistaat Bayern ins Boot zu holen. Auch eine Kooperation mit der Universität Tübingen, die für die Grabungen verantwortlich ist, müsse nach Meinung Hofers nachgedacht werden. Andererseits dürfe aber nichts überstürzt werden, wenngleich keine Zeit zu vergeuden sei. „Wir müssen jetzt Strukturen schaffen und ein Feuer entzünden das mehr beinhaltet, als ,unseren Udo‘ als riesengroße Gummifigur in den Kreisverkehr zu stellen“, mahnte Freuding abschließend.

Infoveranstaltung und Bürgerversammlung

Weitere Gespräche und Verhandlungen sowie eine eigene Infoveranstaltung, entsprechende Gespräche unter anderem auch mit dem Grubenbesitzer müssten nun folgen, um in einem zu erarbeitenden Grundsatzbeschluss einen klaren und auch erfolgreichen Weiterweg festzulegen. Unter anderem wird zu diesem Zweck am 23. November ab 10 Uhr im Pforzener Vereinsheim eine Infoveranstaltung mit Udo-Entdeckerin und Paläontologin Prof. Madelaine Böhme von der Uni Tübingen stattfinden. Auch bei der am 19. November um 20 Uhr anberaumten Bürgerversammlung dürfte der einstige Ur-Allgäuer eine wichtige Rolle spielen.

Auch Bayerns Ministerpräsident Markus Söder besucht am heutigen Donnerstagnachmittag Pforzen und lässt sich die Ausgrabungsstätte im Beisein der Geowissenschaftlerin und Paläontologin Böhme zeigen. Ein ausführlicher Bericht folgt in der nächsten Ausgabe.

von Klaus-Dieter Körber

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