Bebauungsplan ist verpflichtend

Was passiert mit dem "Bergmann-Haus"?

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Südansicht des "Café Bergmann" (zuletzt "AHA") mit Blick auf die St.-Martins-Kirche.

Marktoberdorf – Mitten in Marktoberdorf steht eine Veränderung des Ortsbildes an: Das altehrwürdige "Bergmann-Gebäude" soll abgerissen werden. Die Pläne eines Investors gingen den Mitgliedern des Stadtentwicklungsausschusses aber zu weit. 

Mitten in der Innenstadt von Marktoberdorf soll das altehrwürdige Bergmann-Haus abgerissen werden. Die Baufirma Ernst Höbel plant an dieser Stelle den Neubau eines zwei- beziehungsweise dreigeschossigen Gebäudes mit einer Tiefgarage. Diese Pläne sehen auch eine teilweise Bebauung des bis jetzt freien Platzes auf der Rückseite des alten Gebäudes vor. Die Überprüfung der eingereichten Bauvoranfrage hat aber nun ergeben, dass die vorgesehene Bauausführung nicht dem Bebauungsplan entspricht. Bekannt wurde dies auf der jüngsten Sitzung des Stadtentwicklungs- und Umweltausschuss der Stadt Marktoberdorf.

Einig war sich das Gremium mit den anwesenden Städteplanern, dass „etwas mit dem Gebäude passieren muss“. Des- halb begrüßten sie grundsätzlich die Initiative des Investors. Nach Meinung von Professor Martin Schirmer vom gleichnamigen Würzburger Stadtplanungsbüro sei „ein leerstehendes Gebäude kein Aushängeschild für eine Stadtentwicklung“. Aber muss denn an diesem besonderen Ort ein Bauwerk dieser Dimension entstehen? Immerhin sei in dem ehemaligen Gasthaus „Zum goldenen Hufeisen“, das später das „Café Bergmann“, „Baldauf“ und „AHA“ beherbergte, die ursprüngliche Dorfstruktur erkennbar und stehe für den ursprünglich ländlichen Marktflecken Marktoberdorf, so Schirmer. Für Wolfgang Hannig (SPD) stirbt mit dem Abriss ein Teil von Marktoberdorf, ein Ort der Kommunikation und es sei „schade, dass es dort keinen Treffpunkt mehr gebe“. Die Experten und viele Ausschussmitglieder störten sich zudem vor allem an der Höhe des geplanten Hauses im rückwärtigen Bereich – die dreigeschossige Bauweise passe nicht so recht in die Umgebung. 

Auch die ebenerdigen offenen Stellplätze unter Haus zwei, die für die Höhe des Baukörpers mit verantwortlich sind, stießen auf Kritik. „Das Projekt muss ins Städtle passen“ meinte zusammenfassend Peter Fendt (BP).

Dass dieser Planungsentwurf momentan nicht passt, zeigt auch das vorläufige Prüfungsergebnis des Landratsamtes Ostallgäu: „Das Bauvorhaben ent- spricht nicht den gültigen Festsetzungen im Bebauungsplan Nr. 18 und ist auch nicht durch Befreiungen genehmigungsfähig“, heißt es in der Stellungnahme. Deshalb forderte Gerhard Küster (Grüne): „Wir sollten darauf hören, was die Experten sagen und uns im Rahmen des gültigen Bebauungsplanes bewegen“. Einige Ausschussmitglieder erinnerten auch daran, dass für den Investor nicht die städtebauliche Bedeutung, sondern die Wirtschaftlichkeit im Vordergrund stehe – um eine Wohnung verkaufen zu können, müssen Ausstattung und Standards stimmen. Deshalb scheidet für Carl Singer (FW) eine Sanierung des Bergmann-Hauses aus: „Wir sollten den Mut haben, etwas Altes komplett zu ersetzen“. 

Einstimmig begrüßte der Ausschuss, dass sich ein Investor mit der Belebung der Innenstadt und des Marktplatzes auseinandersetze und mit sieben zu fünf Stimmen sprach er sich dafür aus, weitere Verhandlungen auf der Grundlage des Bebauungsplans Nr. 18 mit der Baufirma Höbel zu führen. von Jörg-Dietmar Reinelt

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