"Hetze in reinster Form"

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Viele Gewerbetreibende fanden solche orange-farbene Plakate am Montagmorgen an ihren Geschäften vor.

Marktoberdorf – Orangefarbene Plakate klebten am Montagmorgen unerlaubt an einigen Stellen in Marktoberdorf. Die Schriften thematisieren angebliche Vergewaltigungen und richten sich gegen Asylbewerber und die Medien. Wer die Blätter verfasst und verteilt hat, war bis Dienstagmittag noch unklar. Die Kriminalpolizei Kempten hat noch am Montag die Ermittlungen aufgenommen.

Die Plakate prangten an Geschäften, Banken, am Rathaus und am Landratsamt und tragen den Titel „Wacht auf!!“. Der oder die Verfasser monieren, dass man nicht über „Vergewaltigungen in Markt­oberdorf“ informiert würde und kritisieren hierbei die Medien und Polizeiarbeit.

Obwohl die Worte Asylbewerber oder Flüchtling nicht vorkommen, wird nicht zuletzt durch den Satz „Merkel steh zu deinen Fehlentscheidungen“ deutlich, dass der Urheber dieses Thema angeht. Inhaltlich sei das aus dem Gesamtkontext ersichtlich, bestätigte ein Sprecher des Polizeipräsidiums Schwaben Süd/West. Allerdings gibt der Verfasser seine Identität auf den Plakaten nicht preis.

Auch an dem Geschäft des zweiten Bürgermeisters Wolfgang Hannig klebte ein Plakat. „Das sind Aussagen, die null Wahrheitsgehalt haben. Das ist nichts anderes, als dass die Leute verunsichert werden – Hetze in reinster Form“, sagte Hannig. Dass der Text anonym verfasst und verteilt wurde, stehe nicht im Konsens mit der Botschaft der Schriften. Der Text fordert nämlich den Leser auf, „deine Meinung laut zu sagen. Es ist dein Recht, es steht dir zu, nicht nur unter Freunden, auch vor anderen“. „Dann sollen sie sich hinstellen und dann redet man auch mit ihnen“, sagte Hannig.

Es sei laut Hannig überhaupt nichts darüber bekannt, dass Vergewaltigungen durch Asylbewerber in Marktoberdorf stattgefunden hätten. Das bestätigt auch die Pressestelle des Polizeipräsidiums Schwaben Süd/West. Viemehr würde der Verfasser laut Polizeisprecher hier zwei Dinge vermischen – auf der einen Seite die Flüchtlingsthematik und auf der anderen Seite sexuelle Übergriffe, die es in Marktoberdorf zwar vereinzelt gebe, jedoch keine durch Asylbewerber.

Nun prüft die Staatsanwaltschaft, ob der Inhalt strafrechtlich relevant ist, so der Polizeisprecher. Erst wenn sich der Tatbestand einer Straftat bestätige, würden Spuren an den Plakaten, wie beispielsweise Fingerabdrücke ausgewertet.

Die Polizei bittet Zeugen, die den Urheber der Plakate kennen, oder gesehen haben, wer die Plakate verteilt hat, sich bei der Polizeiinspektion Marktoberdorf unter Tel. 08342/96040 zu melden.

von Martina Staudinger

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