Planen, bevor Bagger kommen

Grüne: Flächenverbrauch beim geplanten Ausbau der B12 kritisiert

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Grünen-Spitzenkandidat Ludwig Hartmann (li.) stellt sich in Hirschzell den Fragen der Landwirte zum Flächenverbrauch beim geplanten B12-Ausbau.

Kaufbeuren – Bündnis 90/Die Grünen hatten am vergangenen Mittwoch interessierte Bürger und betroffene Landwirte eingeladen, um mit dem bayerischen Spitzenkandidaten der Grünen, Ludwig Hartmann, zum Thema „Flächenverbrauch“ beim geplanten vierspurigen Ausbau der B12 zu diskutieren.

Landtagsdirektkandidat Dr. Günter Räder und die Listenkandidatin für den Landtag Ulrike Seifert, hatten Ludwig Hartmann direkt an die B12 in Hirschzell eingeladen, damit betroffene Landwirte ihre Bedenken und Forderungen zum Thema Flächenverbrauch unmittelbar vortragen konnten.

Michael Haußer, selbst betroffener Landwirt aus Weinhausen, bemängelte den hohen Flächenverbrauch von 70 bis 100 Hektar für den gesamten Ausbau unter Anwendung des Regelquerschnitts RQ28 (28 Meter Breite für autobahnähnliche Straßen mit einer Kapazität von bis zu 30.000 Fahrzeugen pro Tag, gerechnet ohne Lärmschutzmaßnahmen, Anm. d. Red.). „Mich ärgert hier ein Mittelstreifen von vier Metern Breite, den es sonst nirgends gibt“, meinte Haußer. Nach Aussage des zuständigen Bauamtes in Kempten müssen diese Richtlinien für die Anlage von Autobahnen (kurz RAA) für den Ausbau angewendet werden. Seine Forderung sei ein sparsamerer Ausbau der B12, wie es beispielsweise an der B19 geschehen sei. Den Grund und Boden, die er abgeben solle, stellen etwa zehn Prozent seiner Landwirtschaftlichen Fläche dar und er erhalte keine Ersatzflächen. Besonders ärgere Haußer auch, der grundsätzlich nicht gegen den Ausbau der B12 sei, dass die betroffenen Landwirte vom Bauamt nicht in die Planungen mit eingebunden würden und das Stichwort sparsamer Flächenverbrauch dort eher ungläubiges Staunen auslöse.

Andere Teilnehmer forderten Geschwindigkeitsreduzierungen, damit auch der Lärmschutz reduziert werden könne und die Pflege der Ausgleichsflächen als neues Betätigungsfeld für Landwirte.

Hartmann nahm die Forderungen gerne auf und bezeichnete den Ausbau, falls sich der Regelquerschnitt bestätigen würde, als „Luxusvariante“ eines Ausbaus. Zum Thema Flächenverbrauch fügte er hinzu, dass erfahrungsgemäß überall dort, wo neue Autobahnabfahrten entstünden, nach kurzer Zeit auch Gewerbegebiete entstünden. Er erinnerte an aktuell 11.000 Hektar ausgewiesene Gewerbegebiete in Bayern, ohne dass diese Flächen auch verkauft wären. Er verwies auf das von den Grünen gestartete, aber inzwischen gestoppte, Bürgerbegehren zum sparsamen Flächenverbrauch. Auch Dr. Räder bestätigte: „Wir haben in den letzten 15 Jahren im Ostallgäu etwa 2.000 Hektar Fläche verloren, im Unterallgäu und Oberallgäu genauso“.

Hartmann forderte auch ein überregionales Umdenken und nannte als Beispiel Gauting in der Nähe von München, das er letzte Woche besucht hatte. „Keine Arbeitskräfte vorhanden, Schreinerwerkstätten suchen Lehrlinge, Weltkonzerne suchen Mitarbeiter, Kinderkrippen sind nicht vorhanden, die Grundschulen sind voll, Wohnungen sind nicht mehr bezahlbar. Die Infrastruktur ist am Anschlag.“ Nun weise Gauting in einem Wald ein 50 Hektar großes, neues Gewerbegebiet aus, um neue Firmen anzulocken, was die Grünen für falsch hielten. Man wolle keine „Überhitzung der Ballungsgebiete“, sondern ein Umdenken. Man könne beispielsweise durch sinnvolles Bauen in die Tiefe oder in die Höhe Neuausweisungen auf einem Drittel der Fläche realisieren. Für die bessere Nutzung von Flächen forderte Hartmann auch, Baurecht mit Bauzwang zu schaffen, um Spekulanten Einhalt zu gebieten, sowie in den Städten Leerstandsmanager einzurichten.

Abschließend forderte Michael Haußer, der auch im Kreisvorstand des Bayerischen Bauernverbandes BBV ist, persönlich von Hartmann, sich für eine „verbale Abrüstung“ bei den Grünen einzusetzen, da in der Diskussion um artgerechte Viehhaltung, Schädlingsbekämpfung und Lebensmittelsicherheit allzu oft die Wertschätzung für die Landwirtschaft und deren Einsatz für eine nachhaltige Lebensmittelversorgung fehlen würde: „Kein Landwirt steht morgens auf, um seine Tiere zu quälen oder seine Erzeugnisse zu vergiften“.

von Wolfgang Krusche

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