Slalom statt Schussfahrt

Planungen des Hochwasserschutzprojekts „Witzelgraben“ werden konkreter

Manche nennen den „Witzelgraben“ bereits einen „Canyon”. Die Ausschwemmungen während der letzten fünf Jahre waren beträchtlich und nehmen weiter zu.
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Manche nennen den „Witzelgraben“ bereits einen „Canyon”. Die Ausschwemmungen während der letzten fünf Jahre waren beträchtlich und nehmen weiter zu.

Aitrang – Der Gemeinderat Aitrang hat in Zusammenarbeit mit dem Biessenhofener Ingenieurbüro Mühlegg und Weiskopf ein schrittweises Voranschreiten beim Landschaftsbauprojekt „Witzelgraben“ beschlossen. Der Witzelgraben ist ein Entwässerungskanal unterhalb des Aitranger Ortsteils Neuenried, der sich aus dem Überlauf der Neuenrieder Wasserversorgung und der Oberflächenentwässerung des Ortsteils speist.

Da der Graben nicht nur einen schnurgeraden Verlauf, sondern auch ein starkes Gefälle aufweist, war es gerade in den vergangenen Jahren zu starken Ausschwemmungen gekommen, die den Grabenverlauf nicht nur zerklüftet haben, sondern dort auch, wie es der Bauingenieur Bernhard Mühlegg in seinem Vortrag ausdrückte, „richtige Krater” entstehen lassen. Das ausgeschwemmte Erdreich sammle sich am Talgrund an, was immer wieder Räumarbeiten zur Folge gehabt habe, fügte Aitrangs Bürgermeister Michael Hailand hinzu.

Geplant ist seit Jahren eine Verlegung des Gewässerverlaufs in Richtung Talgrund sowie eine damit verbundene Renaturierung des neuen Bachverlaufs. Es gilt die Fließgeschwindigkeit des Wassers zu verringern, indem man seinen Weg wie bei einem Ski-Slalom kurvenreich verlängert, und mäandrierenden lässt. Gleichzeitig nimmt man in den Scheitelpunkten der Kurven, wo die Strömung am stärksten ist, eine Befestigung der Prall­ufer durch sogenannte Weidenspreitlagen vor. Das sind nach Informationen der Bundesanstalt für Wasserbau „bodendeckende Lagen aus austriebsfähigen, elastischen Weidenästen, die auf der Uferböschung verlegt und mit Pflöcken, Riegelhölzern und Drahtverspannungen flächig fest auf dem Boden verankert werden”. Zusätzlich verstärkt wird die Uferbefestigung durch Wasserbausteine.

Ursprünglich, legte Mühlegg dar, habe man den Graben vierzig Zentimeter breit und einen Meter tief ausheben wollen. Bei Bodenuntersuchungen habe sich jedoch herausgestellt, dass das in diesem Bereich fast nur aus Humus bestehende Bachbett in jedem Fall weiter ausgeschwemmt würde. Um das zu verhindern, müsse man die Grabung zwanzig Zentimeter tiefer machen, so Mühlegg weiter, und dann mit bindigem Kies verfüllen. Darin eingebunden würden zugleich „Sohlschwellen”, quer zum Strömungsverlauf, die eine Tiefenerosion zusätzlich vermindern sollten.

Für die Baumaßnahme, die sich bei drei Metern Breite über eine Strecke von 440 Meter Länge erstreckt, veranschlagt das Ingenieurbüro derzeit gut 200.000 Euro. Die Realisierung der Maßnahme hängt laut Bürgermeister Michael Hailand von der Zusage einer „Förderung für naturnahen Ausbau” des Wasserwirtschaftsamtes in Kempten ab. Die angestrebte Förderung beträfe 75 Prozent der Baukosten. Ausgenommen davon seien weitere Bepflanzungen, die aus dem Budget der Gemeinde Aitrang zu erfolgen hätten. Als Ausgleich für das 12.400 Quadratmeter große Baugebiet „Hofmannsfeld” müsse die Gemeinde nämlich eine Fläche von 4.700 Quadratmetern nach ökologischen Richtlinien bepflanzen, erklärte Bürgermeister Hailand. Hier rechne man mit Kosten von rund 10.000 Euro.

Der Förderantrag muss bis Mai 2021 gestellt werden, und ein Wasserrechtliches Genehmigungsverfahren dauert in der Regel drei Monate. Zur weiteren Planung und Vorbereitung beschloss der Gemeinderat daher eine sogenannte Stufenbeauftragung, die abhängig von den Förderzusagen und Genehmigungen Zug um Zug ausgeweitet werden kann.

Felix Gattinger

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