Geraten Kosten aus dem Ruder?

Planungen der Grundschule St. Martin in Marktoberdorf gehen in die nächste Runde

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Die Visualisierung des Wettbewerbsentwurfs zeigt deutlich das moderne Antlitz der Grundschule St. Martin, in die im Herbst 2024 die ersten Schüler einziehen sollen. Der Stadtrat befürwortete die nächsten Planungsschritte, nahm die aktuelle Kostensteigerung allerdings zähneknirschend zur Kenntnis.

Marktoberdorf – Wird der Neubau der Grundschule St. Martin angesichts einer krisengeschüttelten Haushaltslage zum Luxusprojekt? Manch einer der 24 Stadträte musste deutlich schlucken, als Fedor Kusmierz, Architekt und Planer des mit dem Bauvorhaben betrauten Büros, die qualifizierte Kostenschätzung des Neubaus vorstellte.

Aktuell gehen Planer und Verwaltung von Baukosten für Schule, Hort und Turnhalle in einer Gesamthöhe von 27,94 Millionen Euro aus. Das sind rund 4,34 Millionen Euro (rund 18 Prozent) mehr als die erste Kostenschätzung im Januar 2018 ergeben hatte.

Außerdem, so Bauamtsleiter Ralf Baur, sei davon auszugehen, dass die Kosten bis zur anvisierten Fertigstellung im Jahr 2024 jährlich um mindestens fünf Prozent steigen würden. Im vorgestellten Kostenrahmen sei daher eine Risikoreserve für Unvorhergesehenes und Preissteigerung von zusätzlich 4,89 Millionen Euro vorgesehen. 32,8 Millionen Euro gesamt also – diese Zahl verursachte bei zahlreichen Stadträten Bauchgrimmen und Zähneknirschen.

Lob aus dem Gremium

Dabei mochte der Entwurf des polygonalen Raumkörpers, wie ihn Architekt Kusmierz vorstellte, durchaus gefallen. Seit dem Wettbewerbsentwurf wurde lediglich die Fassade überarbeitet, die nun kleinteiliger und weniger streng erscheint, und der Haus­technik wurde mehr Platz im Untergeschoss gewidmet. Auf die angedachte Tiefgarage, die auch der Öffentlichkeit zur Verfügung hätte stehen sollen, wurde aus Gründen der Wirtschaftlichkeit verzichtet. So erntete die Gestaltung erneut viel Lob aus dem Gremium. Wären da nicht die Kosten, deren größte Positionen mit der Errichtung des Bauwerks (rund 15,25 Millionen Euro), den Baunebenkosten (rund 5,59 Millionen Euro) und den technischen Anlagen (etwa 4,16 Millionen Euro) zu nennen sind.

„Eine sportliche Aufgabe“

„Bestimmt kein Schnäppchen“, urteilte beispielsweise Wolfgang Hannig (SPD), der jedoch auch mahnte, nicht noch mehr teure Zeit mit Verhandlungen zu verlieren. „Wir sollten jetzt endlich anfangen.“ Carl Singer (Freie Wähler) und Werner Moll (Stadtteile aktiv) schlugen in dieselbe Kerbe, indem sie die gefällige Planung zwar lobten, jedoch einen Finanzierungsplan forderten, der auch die erwartbaren Fördersummen und die engen Maßgaben des städtischen Haushalts berücksichtige. Singer forderte die Verwaltung auf, die Kosten gerade im Innenausbau im Blick zu behalten. Und Werner Moll stellte die geplante Tartanbahn auf dem Turnhallendach infrage, wenn der Platz doch nicht ausreiche, um dort Bundesjugendspiele auszutragen. Auch Veronika Diepolder (CSU) mahnte, dass „eine Schule für rund 33 Millionen Euro in Zeiten des Wirtschaftseinbruchs eine sportliche Aufgabe sei“. Sie forderte die Stadtverwaltung auf, sich noch vor Baubeginn günstige Finanzierungshilfen zu sichern.

Zeit verschenkt?

Und auch die alte Frage nach dem geeigneten Standort der Schule kochte wieder auf. Walter Breiner (Freie Wähler) gab zu bedenken, dass viel Zeit verschenkt wurde. „Hätten wir 2009 schon gebaut, wäre die Schule nur halb so teuer.“ Peter Grotz (Freie Wähler) blies angesichts der Hanglage und eines schwierigen Baugrunds ins selbe Horn: „Wäre die Schule auf der grünen Wiese nicht günstiger und schneller zu realisieren gewesen?“, fragte er den Architekten. Ralf Baur verwies hier allerdings darauf, dass die Planung maßgeschneidert sei und nicht beliebig an einen anderen Ort verlegt werden könnte.

Auch Andrea Weinhart (Freie Wähler), Arno Jauchmann (CSU), Thorsten Krebs (CSU) und Stefan Elmer (SPD) zeigten sich ob der Kostensteigerung nicht glücklich, plädierten aber dennoch dafür, die Planungen „für unsere Kinder“ weiter zu betreiben. „Diese Schule wird ihre Kosten wert sein“, verbreitete Krebs Zuversicht.

„Uns laufen die Kosten aus dem Ruder“

Auch Eduard Gapp warb für das Bauvorhaben: „Der Blick auf die Kostensteigerung verschleiert, dass wir das Projekt Martinsschule seit zwölf Jahren vor uns herschieben und seither auch nichts in unsere Grundschule investiert haben.“ Für Andreas Wachter (CSU) kein Argument: „Uns laufen die Kosten aus dem Ruder“, mahnte er zum wiederholten Mal. Wachter beantragte daher, das projektierte Bauvorhaben nach Abbruch und Aushub an ein Generalunternehmen zu vergeben, um Kostenkontrolle zu behalten. Die Mehrheit der Stadträte lehnte diesen Weg jedoch ab.

Nach rund zweistündiger Beratung beauftragte der Stadtrat die Verwaltung, nächste Schritte einzuleiten und den Förder- sowie den Bauantrag vorzubereiten. Der Umzug der Schüler und Lehrer in eine Art Behelfsschule am Modeon soll im Herbst 2021 erfolgen, Baubeginn des Neubaus 2022 und die Übergabe der neu errichteten St. Martin Grundschule zum Schuljahresbeginn 2024.

Angelika Hirschberg

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