Ein Häuslein steht im Wege

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Buchloes Stadtbaumeister Herbert Wagner hat große Pläne. An dieser Stelle kurz vor den Karwendelwerken soll die neue Straßentrasse gebaut werden und an den Gleisen entlang laufen.

Buchloe – Geht es nach den Plänen der Stadt, könnten schon in drei Jahren Autofahrer auf einer neuen Trasse der Karwendelstraße fahren. Die würde direkt an den Bahngleisen entlang führen. Stadtbaumeister Herbert Wagner hat die Entwurfspläne fertig auf dem Tisch liegen.

Als nächstes soll das Plangenehmigungsverfahren erfolgen, an dem auch die Öffentlichkeit beteiligt wird. Kostenträger wird der Landkreis sein, da es sich bei der Karwendelstraße um eine Kreisstraße handelt. 

Buchloes Bürgermeister Josef Schweinberger ist ein weitsichtiger und vorausdenkender Mann. An der Karwendelstraße haben bekanntlich die Karwendelwerke ihren Sitz. Für die Stadt ist dieser international agierende Nahrungsmittelkonzern von eminenter Bedeutung für Arbeitsplätze, Steuern und Image. 

Beim heutigen Straßenverlauf haben die Karwendelwerke, bekannt vor allem durch ihre Marke „Exquisa“, jedoch keine Erweiterungsmöglichkeit. Daraus entstand die Idee, Platz durch eine Verlegung der Straße zu schaffen. Die Flächen hat die Stadt zwischenzeitlich auch von der Bahn erworben und sie könnten bei Bedarf jederzeit an die Karwendelwerke verkauft werden. 

Eigentlich steht dem Projekt im wahrsten Sinne des Wortes nur noch ein Haus im Wege. „Mit dem Eigentümer sind wir in Verhandlung“, sagte Stadtbaumeister Herbert Wagner unserer Zeitung. Die Signale für eine Verlegung seien seitens des Eigentümers positiv. Bereits im Jahre 2009 hatte der Stadtrat grundsätzlich einer Verlegung der Karwendelstraße parallel zu den Bahngleisen zugestimmt. 

Neben der Erweiterungsmöglichkeit für die Karwendelwerke gab es aber auch eine Reihe von anderen Gründen, die für die Verlegung von Bedeutung sind. Durch die Verlängerung der Bahnhofsunterführung unter die neue Straßentrasse steige für Fußgänger und Radfahrer die Verkehrssicherheit, betonte der Stadtbaumeister. In der Maisitzung des Stadtrates hatte Rathauschef Josef Schweinberger zudem auf ein neues Bodengutachten verwiesen. Demnach entspreche der Straßenuntergrund nicht mehr den aktuellen Anforderungen. 

Wichtig sei auch, dass die Kosten der Straßenverlegung und des Baus einer Unterführung für die Radfahrer und Fußgänger eine Angelegenheit des Landkreises sei. Ferner sei durch die Bündelung der Verkehrswege von Schiene und Straße erreicht, dass Lärmquellen zusammengefasst würden. 

Erste Reaktionen gibt es inzwischen auch. Schweinberger konnte in der Stadtratssitzung auf den Kreisausschuss verweisen, der die Verlegung der Karwendelstraße in das Investitionsprogramm 2017 aufgenommen habe. Auch von den Karwendelwerken habe es Zustimmung gegeben. Die Werke wünschen sich eine zeitnahe Verlegung. 

Auf einer Länge von 650 Metern soll die neue Trasse verlaufen, beginnend am Kreisverkehr der Mindelheimer Straße. Am Ende der P+R-Parkplatzes wird die neue Straße wieder auf die alte Trasse kommen. Der Hochstattweg wird verlängert und an die neue Trasse angebunden. Die Pläne sehen vor, den Ladehof an die zukünftige neue Karwendelstraße zu verlegen. Einige Parkplätze des P+R-Platzes werden entfallen. Allerdings gibt es Überlegungen, an der Stelle des P+R-Platzes ein Parkdeck zu errichten, das auch als Lärmschutzwand genutzt werden kann. 

Die Gesamtkosten sollen sich nach den ersten Schätzungen auf rund 1,3 Millionen Euro belaufen. Auf die Stadt kämen für den Fuß- und Radweg etwa 150.000 Euro und nochmals 150.000 Euro für den Anschluss des Hochstattweges zu. Die Kosten für die Verlegung des Ladehofes werden ebenfalls auf rund 150.000 Euro geschätzt. 

Stadtbaumeister Herbert Wagner hofft, in diesem Jahr noch die Planungsgenehmigung zu bekommen. 2016 könne man dann in die Ausführungsplanung einsteigen und die Zuschussunterlagen einreichen. Baubeginn wäre, wenn alles planmäßig läuft, das Jahr 2017, Fertigstellung 2018. 

Auf Gegenliebe stieß der Vorschlag jedoch nicht bei allen Stadträten. Evi Klein (Grüne) votierte klar gegen eine Verlegung. Monika Strohmayer (parteilos) äußerte bei allem Verständnis für die Karwendelwerke Bedenken gegen die derzeitigen Planung und der damit verbundenen Kosten. Maximilian Hartleitner, inzwischen aus der CSU ausgetreten, sah keine Notwendigkeit für eine Verlegung der Straße an die Gleise, egal aus welchem Haushalt sie finanziert würden. Gegen ein Parkdeck wehrte sich Franz Lang. Es sei nicht Aufgabe der Stadt, für die Bahnkunden ein Parkdeck zu bauen.

von Siegfried Spörer

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