"Platz sparen hilft!"

Das Wasser gefriert in der Blumenvase auf dem Altar, die Toilettenanlage ist gut im Untergeschoss versteckt und „wir richten ganz schön viele Schwellen ein für Leute, die zu uns kommen wollen“, beschreibt Pfarrer Christoph Grötzner von der Christuskirche in Neugablonz die schlechten Verhältnisse. Doch Pläne für den Umbau der Kirche zu einem richtigen Begegnungszentrum liegen bereits vor und die Finanzierung steht - steht fast. Denn mit einer besonderen Aktion greift die Gemeinde sich selbst unter die Arme und zwar mit der Aktion „Platz schaffen hilft!“.

Egal, ob alte Radios, Fotoapparate, Fahrräder, Musikinstrumente, Blechspielzeug oder auch Markenporzellan, „alle Sachen, die noch gut sind, aber nicht mehr gebraucht werden“, können dieser besonderen Aktion gespendet werden, erklärt Pfarrer Wolfgang Krikkay. Die Evangelisch-Lutherische Chris- tuskirche in Neugablonz hat sich mit der Firma „Goodsellers“ zusammen getan, die sich auf den Verkauf über das Internet-Aktionshaus „eBay“ spezialisiert hat. Bereits für mehrere Kirchengemeinden hat die Firma solche Aktionen durchgeführt. Rund 70 bis 80 Prozent des Erlöses gehen an die Kirchengemeinde, so Krikkay. Denn wer auch kein Geld spende, könne mit dieser Aktion „mit all den Dingen helfen, die den Dachboden voll machen“. Die Besonderheit sei, dass sich jeder direkt mit der Firma in Verbindung setzen könne und diese holt die Gegenstände von zu Hause ab. 1955 wurden die Kirche und das angrenzende Gemeindezentrum in Neugablonz gebaut. 54 Jahre später bröckelt der Putz, in der Kirche ist es kalt und die Gottesdienstbänke stoßen direkt an die kalte Wand. Fest im Blick hat die Gemeinde mit den Pfarrern Grötzner und Krikkay dabei auch den Wandel. Denn wer weiß schon, wie groß die Gemeinde in 30 Jahren sein wird. Denn prognostiziert wird ein Rückgang bei den Gemeindemitgliedern. Deshalb sei bei dem Bau entscheidend, dass das Gemeindezentrum im Falle eines Falles abgestoßen werden könne und die Kirche alle Funktionen übernimmt. Ganz nach dem Motto „Alle(s) unter einem Dach - Begegnungszentrum Christusgemeinde“. Neu ist mit dem Umbau dann auch die Kooperation mit dem Stadtjugendring, der im Untergeschoss einen Raum nutzen soll für eine Art Spielplatz, der für Kinder vom Grundschulalter bis zwölf Jahre gedacht ist. Foyer, der Begegnung Geplant ist, das Untergeschoss mit der Kirche zu verbinden. Die Küche, die Toilettenanlage sowie das behindertengerechte WC sollen auch für die Kirchen- ebene nutzbar sein. Die Verbindung wird durch ein Treppenhaus sowie einen Aufzug hergestellt. Barrierefreiheit ist ebenfalls ein großes Thema. Denn zu den Gottesdiensten oder Veranstaltungen sollen ältere Menschen mit Rollator, Väter und Mütter mit Kinderwägen sowie Rollstuhlfahrer bequem über eine Rampe ins Gotteshaus gelangen. Auf Seiten der Falkenstraße soll der Eingang mit Foyerbereich entstehen. Dort kann sich vor dem Gottesdienst und danach ausgetauscht und begegnet werden. Eine Erweiterung erfährt der komplette Kirchenraum, der mit einer Holzpellets-Heizung beheizt wird. Rund zwei Meter kommen bei der Kirche dazu. Im Inneren wird der Al- tarbereich auf die gegenüberliegende Seite verlegt. Die Bänke werden mehr in die Mitte gerückt, so dass sie nicht mehr an die Wand stoßen. Rund 1,8 Millionen Euro sollen alle Maßnahmen kosten. 15000 Euro gibt es von der Heinzelmannschen Stiftung, 700000 Euro von der evange- lischen Landeskirche. Des weiteren erhält die Gemeinde ein „ausgesprochen günstiges“ Darlehen in Höhe von 300000 Euro, so Grötzner. Zusätzlich hat die Gemeinde ein Haus und eine Wohnung verkauft. Auch die Stadt Kaufbeuren wird der Kirche unter die Arme greifen. 200000 Euro, die erneut die Landeskirche als Leihgabe gibt, müssen von der Gemeinde erwirtschaftet werden, beispielsweise durch „Platz schaffen hilft“. Baubeginn soll im Herbst 2010 sein, die Einweihung ist für Weihnachten 2011 geplant. Mehr zu „Platz schaffen hilft“ auf www. christuskirche-kaufbeuren-neugablonz.de.

Auch interessant

Meistgelesen

Festzug mit Hindernissen
Festzug mit Hindernissen
Stadt in festlichem Gewand
Stadt in festlichem Gewand
Silikon entzündet sich
Silikon entzündet sich
Drei Tote bei Autounfall bei Kaltental
Drei Tote bei Autounfall bei Kaltental

Kommentare