Menschenwürdiges Sterben

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Interessante Podiumsdiskussion mit Karl-Heinz Wenzel, Dr. med. Bernd Hartmann, Angelika Lausser, MdL Stephan Stracke und Pfarrer Thomas Kretschmar.

Kaufbeuren – Immer öfter wird darüber diskutiert: Darf sich der Mensch bewusst vom Leben verabschieden und welche Möglichkeiten haben Angehörige, diesen Wunsch zu erfüllen? Was ist „menschenwürdiges Sterben” und wie geht die Allgemeinheit damit um? Diesen Fragen näherten sich die Frauenunion und der CSU-Ortsverband in einer Podiumsdiskussion im Kolpinghaus.

Die Vorsitzende des Generationenhauses, Stadträtin Angelika Lausser, fungierte als einfühlsame Moderatorin. Der Kaufbeurer Bundestagsabgeordnete Stephan Stracke, gesundheitspolitischer Sprecher der CSU-Landesgruppe im Bundestag, berichtete im Verlauf des Abends über den Stand anstehender Neuregelungen der augenblicklichen Verhandlungen in Berlin. 

Eine Entscheidung stehe voraussichtlich im November an. Diese dürfte schwierig werden, schließlich bewege man sich zwischen „alles wie bisher zu belassen”, einem rigorosen Verbot bis zu einer völligen Freigabe. Stracke lehne eine „aktive Beihilfe zum Suizid”, wie in der Schweiz als geschäftsmäßige Dienstleistung praktiziert, entschieden ab. 

Andererseits könne durch eine Verschärfung im derzeitigen Strafrecht, nicht alles komplett verboten werden, da es sich um die persönliche Gewissensentscheidung handle. Laut Stracke sagen in Deutschland 98 Prozent aller Ärzte „Nein” zu dieser Form der Sterbehilfe . 

Dr. Bernd Hartmann, Palliativmediziner am Klinikum Kaufbeuren-Ostallgäu, stellte in seinen Ausführungen klar, dass ein Arzt in erster Linie Schmerzen und Leid bestmöglich lindern müsse, und gegebenenfalls die lebenserhaltenden Therapien zurückfahren, um den Patienten in Würde aus dem Leben scheiden zu lassen. 

Hartmann sprach sich dafür aus, die Palliativmedizin schon wesentlich früher als bisher einzusetzen. Gewöhnlich komme sie erst dann in Betracht, wenn das Leben zu Ende geht. Die fachgerechte Begleitung durch Pflegepersonal und Angehörige sei schon in einem weitaus früheren Stadium sinnvoll. 

Der evangelische Stadtpfarrer Thomas Kretschmar erklärte, dass er strikt gegen „eine Tötung auf Verlangen” sei. Tür und Tor würden weit geöffnet, alte und kranke Menschen, die vielleicht zu einer gewissen Belastung geworden sind, durch entsprechenden Druck zu bewegen, „freiwillig” zu sterben. Töten auf Verlangen sei keine Lösung. 

Karl-Heinz Wenzel, Vorsitzender des Hospizvereins Kaufbeuren, vertrat die Meinung, dass Schmerzfreiheit mittlerweile möglich und dadurch sehr viel an Lebensqualität am Lebensende zu erreichen sei. Wichtig sei für Menschen in ihrer letzten Lebensphase, dass sie nicht alleine sind, was sich der Hospizverein zur Aufgabe gemacht habe. 

Zum Abschluss wurden noch Fragen aus dem Zuhörerkreis beantwortet. In diesem Zusammenhang kamen auch Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht zur Sprache. Wichtige Dokumente, um den eigenen Willen und die Wünsche unmissverständlich in schriftlicher Form festzuhalten.

von Klaus-Dieter Körber

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