„Kommune heißt zusammen“

Podiumsdiskussion über Integration in Kaufbeuren

Diskussionsrunde
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In der von Integrationslotsin Cornelia Paulus (li.) moderierten Diskussionsrunde tauschten sich Traumatherapeutin Dr. Andrea Mucha (v. li.), Referatsleiter Alfred Riermeier, Expertin für Migrationssoziologie Dr. Necla Kelek, Pflegefachmann Ersan Sharku und Sprecher des AK Asyl, Günter Kamleiter, darüber aus, wie Integration gelingen kann.
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Kaufbeuren – Wie gelingt Integration in Kaufbeuren und wo gibt es Probleme? Diese Frage stellten sich die Teilnehmer der Podiumsdiskussion, die im Rahmen des Fachtags zu Flucht und Integration in Kaufbeuren im Stadtsaal stattfand. Die Veranstaltung wurde anlässlich des 30. Geburtstags vom Arbeitskreis Asyl im Jahr 2020 nun nachgeholt.

Von den Aufs und Abs seiner Arbeit, berührenden Einzelschicksalen, von Ohnmacht und Rückschlägen ebenso wie menschlichen Erfolgen erzählte Günter Kamleiter als Sprecher des AK Asyl. Grundlegend geändert habe sich in den letzten Jahren die Zusammenarbeit mit den Behörden; der Kontakt sei wohlwollender, Gespräche fänden auf Augenhöhe statt, so Kamleiter. Was sich nicht verändert habe, sei laut Kamleiter die „Aufnahmebereitschaft der Kaufbeurer Bürger“. Referatsleiter Alfred Riermeier hob in diesem Sinne den gegenwärtig stattfindenden Diskurs über Diversität und Vielfalt lobend hervor. „Da sind wir gegenüber anderen Kommunen schon weiter“, so Riermeier über die Diskussion, die seiner Meinung nach längst überfällig gewesen sei. Schließlich gehe es um Zusammenhalt: „Kommune heißt zusammen“, bekräftigte Riermeier. Politische Bildung sei hier der Schlüssel; ein „Versäumnis“, das es nachzuholen gelte, „denn die ganze Community braucht politische Bildung“, so der Appell des Referatsleiters.

Dass die geflüchteten Menschen „nicht aus Spaß nach Deutschland kommen“, stellte Ersan Sharku klar. Als ehemaliger Flüchtling aus dem Kosovo möchte er als ein gutes Beispiel für gelungene Integration vorangehen. Sharku hat eine Ausbildung zum Pflegefachmann absolviert und ist gut in seine Gemeinschaft eingebunden.

Menschen nicht alleine lassen

„Menschenrechte sind nicht verhandelbar“, betonte indes Traumatherapeutin Dr. Andrea Mucha. Mucha sah die Notwendigkeit, auch hier eine Diskussion anzuregen, um ein Umdenken zu bewirken. Viele der Geflüchteten würden unter posttraumatischen Störungen leiden und bräuchten dringend Hilfe. Hier gelte es, Sicherheit zu schaffen und ihnen durch Arbeitserlaubnis und Ausbildungsduldung zu ermöglichen, „ihr Leben konstruktiv in die Hand zu nehmen“, statt ihnen „Steine in den Weg zu legen“. Die Wichtigkeit, sich „nicht nur um Rahmenbedingungen, sondern um den Menschen zu kümmern“, hob auch Dr. Necla Kelek, Islamkritikerin und Expertin für Migrationssoziologie und Familienstrukturen in muslimischen Familien, hervor. Um die Menschen nicht allein zu lassen, brauche es Begegnung mit anderen und eine sinnvolle Beschäftigung. Kelek ermutigte insbesondere zur Aufnahme einer ehrenamtlichen Tätigkeit.

Demokratische Werte näherbringen

Wichtig sei auch, den Kontakt mit den jungen Menschen zu suchen, sich mit ihrem Weltbild auseinanderzusetzen, um ihnen dann zu vermitteln, was eine Bürgergesellschaft ist, was gelebte Demokratie bedeutet. So verringere sich laut Kelek auch die Gefahr, dass junge Leute anfällig für extreme Ansichten werden. „Wir müssen entsprechende Angebote machen, ihnen unsere demokratischen Werte näherbringen – und mit Schärfe gegen all jene vorgehen, die gegen sie verstoßen. Wir dürfen nicht wegschauen und müssen den Menschen sehen, nicht seinen Status“, so Riermeier, der sich insofern eine „positiv besetzte Weltoffenheit“ wünschte. „Schulen sollen Agenturen für Freiheit sein, auch für Migrantentöchter und -söhne“, so die Vision Keleks. Auch Kamleiter appellierte daran, dass „alle erkennen, was Vielfalt für eine Bereicherung sein kann“.

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