Podiumsredner begeben sich in einen kontroversen Austausch

Diskussion zur Flüchtlingsfrage

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Im Podium äußerten sich die Redner (v. li.) Selah Okul (Integrationsbeauftragter), Claudia Kuss (Helferkreis Asyl), Dr. Thomas Jahn (CSU), Moderator Ernst Mader, Diakon Ralf Eger und Richard Drexl (Freie Wähler) zur Flüchtlingspolitik.

Kaufbeuren – Zu einer Podiumsdiskussion zum Thema „Die Flüchtlinge sind da. Und jetzt?“ lud das Bündnis für Flüchtlinge vergangene Woche ins Podium ein.

Die Flüchtlingspolitik wurde aus verschiedenen Perspektiven, und mit der ein oder anderen provokanten Aussage von den Gesprächsteilnehmern Richard Drexl (Stadtrat Kaufbeuren, Freie Wähler), Ralf Eger (Diakon, Flüchtlingsbeauftragter der Diözese Augsburg), Dr. Thomas Jahn (Stadtrat Kaufbeuren, CSU), Claudia Kuss (Ehrenamtliche im Helferkreis Asyl Obergünzburg) und Selah Okul (Integrations- und Ausländerbeauftragter der Stadt Marktoberdorf) beleuchtet. Ernst Mader übernahm die Moderation der Gesprächsrunde.

Humanität und Menschenwürde, so Drexls Standpunkt in der Flüchtlingsfrage, seien „urchristliche Prinzipien“. Auch im Sinne der Flüchtlinge und der Bearbeitungsdauer ihrer Asylanträge, die „auf ein Minimum reduziert“ werden müsse, sprach sich Drexl gegen die Öffnung der Grenzen aus.

Kuss berichtet von den Flüchtlingen, die sie im Helferkreis mit betreut, von den 50 Afghanen, die mit der Hoffnung auf eine bessere Zukunft nach Deutschland gekommen seien und den Suizidgedanken, die sie aufgrund der hohen Ablehnungsquote und aus Angst vor einer Abschiebung plagen. Man müsse schneller zu einer Entscheidung kommen und dürfe diese Menschen nicht ständig in Unsicherheit lassen. Außerdem forderte Kuss einen Arbeitsplatz für die Asylsuchenden ein; dies würde auch zur Stärkung unserer Wirtschaft beitragen, und sie könnten bei der Rückkehr in ihr Heimatland das Wissen sinnvoll nutzen, dort Perspektiven schaffen.

Integrationsbeauftragter und Berufsschullehrer Selah Okul stimmte dem zu („Warum erschwert man es diesen Menschen so, eine Ausbildung zu machen?“), und auch Diakon Eger bekräftigte, dass Arbeit dem Menschen „Struktur, Würde und Selbstbewusstsein“ gebe.

Eger äußerte sich zu der Haltung der Bürger und ermutigte sie zu mehr Eigeninitiative und aktiver Anteilnahme: „Abschottung klingt verlockend, wird die Probleme aber nicht lösen“. Es gebe so viele Menschen, die eine Perspektiven suchen und wir seien für ihre Lage mit verantwortlich, denn, so Eger weiter, „unser Wohlstand wird auf dem Rücken der Ärmsten der Welt getragen“.

Dr. Jahn vertrat die Meinung, dass es klare Obergrenzen geben müsse und zitierte hierzu nach Milton Friedman, dass ein Staat „entweder Sozialstaat oder Einwanderungsstaat sein kann, nicht beides“. Die Kosten dürften darüber hinaus nicht den Steuerzahlern aufgebürdet werden und – so die Forderung Jahns, die unter den Anwesenden für ungläubiges Staunen sorgte – wer keine Einwanderung befürworte, müsse auch weniger Steuern zahlen, wer dagegen für eine Aufnahme und Integration sei, folglich mehr. Eger entgegnete, sichtlich über Jahns Aussage amüsiert, dass das Solidarprinzip „so aber nicht funktioniert“ und das Recht auf Asyl im deutschen Grundgesetz verankert sei, worauf er Beifall aus dem Publikums erntete. Einer der Gäste konterte Jahns Vorschlag mit einer augenzwinkernden Gegenfrage: „Als Steuerzahler will ich auch keine Steuern an Arbeitslose oder bestimmte Politiker zahlen; wäre das denn umsetzbar?“, der Jahn ein Schmunzeln entgegnete, aber weiter an seinem „vernünftigen Gedanken“ festhielt.

Zudem wünschte sich Jahn mehr Einsatz von den Flüchtlingen; als Ausländer in einem anderen Land müsse man selbstständig Bemühungen aufbringen, um in der Fremde zurechtzukommen. „Also ganz nach dem Motto: ‚Reinlassen und sich selbst überlassen‘“, fasste Moderator Mader scherzhaft zusammen.

Einigkeit herrschte bei den Rednern weitestgehend im Hinblick auf das Ziel, Fluchtursachen zu bekämpfen. Drexl machte in seiner Position deutlich, dass wir momentan in die falsche Richtung arbeiten und diesem Vorhaben entgegenwirken würden: Durch Waffenexporte und Ausbeutung der afrikanischen Textilindustrie, so seine Aussage, die vom Applaus des Publikums bekräftigt wurde, „schaffen wir Fluchtursachen, statt sie zu bekämpfen“. Und das müsse sich nach einhelliger Meinung ändern.

Von Mahi Kola

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