Politiker sehen Chancen für Bestehen des Kaufbeurer Fliegerhorstes

Die Entwicklung geht weiter

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Aufmerksame Zuhörer: Franz Pschierer (v. li.), Thomas Kreuzer und dessen Stellvertreterin Gudrun Brendel-Fischer bei der Unternehmensvorstellung durch Geschäftsführer Joachim Keck.

Kaufbeuren – Der Verbleib der Luftfahrzeugtechnischen Ausbildung am Kaufbeurer Fliegerhorst war zwar nicht Gegenstand des Besuches, ließ sich aber nicht ausklammern.

Sowohl CSU-Fraktionschef Thomas Kreuzer als auch Wirtschaftsstaatssekretär Franz Pschierer ließen am Rande eines Informationsbesuches bei der Kaufbeuren ATM Training (KAT) in Gesprächen durchaus Spielraum für ein Fortbestehen der Ausbildungseinrichtung erkennen, die erst in der letzten Woche ihr 60-jähriges Jubiläum gefeiert hatte (Bericht hierzu folgt). „Die Entwicklung geht weiter, wir werden unsere Bundeswehr wohl aufstocken müssen“, sagte Kreuzer im Gespräch mit dem Kreisbote.

Auf seiner Tour durch die bayerischen Regierungsbezirke war der Geschäftsführende Fraktionsvorstand der CSU-Fraktion im Bayerischen Landtag am vergangenen Montag in Schwaben unterwegs. Erste Station war Kaufbeuren, wo sich der Vorstand zunächst ein Bild über die KAT, einer Tochter der Deutschen Flugsicherung (DFS), machte. Das 2016 gegründete Unternehmen hat die Ausbildung der militärischen Fluglotsen Anfang des Jahres übernommen (wir berichteten).

Geschäftsführer Joachim Keck stellte in seinem Vortrag zunächst das Unternehmen mit derzeit 80 Mitarbeitern vor, das jährlich 30 Teilnehmer für die Bundeswehr mit Unterstützung von militärischen Lehrern ausbildet. Er verwies auf die von zwölf auf mittlerweile 24 Millionen Euro gestiegenen Investitionen der DFS für einen neuen Ausbildungscampus außerhalb des Fliegerhorstes, der sich als Akademie zu einem europäischen Kompetenzzentrum entwickeln soll. Nach Baubeginn im Januar nächsten Jahres ist der Start für Mitte 2019 geplant; dort können dann 80 Lehrgangsteilnehmer ausgebildet werden. Ein weiteres Geschäftsfeld könnte die Ausbildung zum sogenannten „Drohnenführerschein“ werden, zumal die Firma R. Eisenschmidt, ebenfalls DFS-Tochter, seit wenigen Tagen zertifizierter Anbieter für Drohnenausbildung ist und die Ausbildung mit personeller Unterstützung der KAT leisten könnte.

„Nicht abgeschrieben“

„Der Standort Kaufbeuren hat eine Infrastruktur und Logistik, die genutzt werden kann“, sagte Pschierer, der als Ideengeber der schwäbischen Tour fungiert hatte. Man fahre zweigleisig mit dem möglichen Ausbau für unbemanntes Fliegen und setze darauf, eine „Verlängerung der Verlängerung“ für den Standort zu erreichen. „Der Standort Kaufbeuren mit seiner militärischen Ausbildung ist noch lange nicht abgeschrieben“, so Pschierer.

Oberbürgermeister Stefan Bosse freute sich über den Besuch und das Interesse am Standort. Er bezeichnete die Bundeswehr als „prägend“ für die Stadt. Die tatsächliche Entwicklung der letzten Jahre zeige, dass das, was existiere „nicht ohne Weiteres aufgelöst oder verlegt werden kann“.

„Unter die Lupe“

Auch CSU-Fraktionschef Kreuzer sieht hinsichtlich eines Fortbestehens durchaus Chancen. Mit einer Aufstockung der Bundeswehr sei aus seiner Sicht auch mehr Personal erforderlich. „Dann müssen Standortentscheidungen noch einmal unter die Lupe genommen werden“, sagte Kreuzer, der ein Überdenken der Umzugspläne auf das Lechfeld begrüßen würde. „Man kann nicht alles dicht machen und dann neue Kasernen bauen“, sagte er. Dies müsse man im Auge behalten, aber gleichzeitig Alternativen für das Lechfeld finden. In dem derzeit dynamischen Prozess bis 2022 könne noch viel passieren.

Ein Besuch des neuen Eisstadions und der Eintrag in das Goldene Buch der Stadt standen für die Gruppe noch in Kaufbeuren auf dem Programm, bevor die Fahrt über Mindelheim nach Memmingen ging.

von Wolfgang Becker

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