Prüfung der Baulast – Drei Bauwerks-Varianten – Entscheidung vertagt

Das Politikum: Die Hasenbrücke über die Geltnach

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Der Übergang an der Geltnach, wo seit 2017 ein Provisorium steht, das vom THW aufgestellt wurde. Es kann von Fußgängern und Radlern genutzt werden.

Marktoberdorf – Zum Politikum wird allmählich die Hasenbrücke über die Geltnach, deren hölzerne Konstruktion im Herbst 2016 bei der Überfahrt eines Landwirts mit Traktor und mit Muldenkipper eingebrochen war. Eine neue Lösung lässt noch immer auf sich warten. Zwar wurden neulich drei Bauwerksvarianten vorgestellt. Doch die Entscheidung im Stadtrat ist noch einmal vertagt worden.

Zuerst muss nämlich endgültig Klarheit dazu geschaffen werden, wer die Baulast trägt. Und dabei geht es nicht um Last im Sinne von Tonnagen, sondern um die Frage, wer für das Bauwerk eigentlich zuständig ist.

Laut Beschluss des Stadtrates soll abgeklärt werden, ob die Stadt Marktoberdorf überhaupt dazu verpflichtet ist, dort für eine Querung der Geltnach zu sorgen. Diese Abstimmung endete mit 19 zu fünf Stimmen. Dagegen war u.a. Bürgermeister Dr. Wolfgang Hell. Für ihn, für manchen Mitarbeiter im Rathaus und für die Stadträte wird das Thema Hasenbrücke allmählich zur politischen Last.

Den Antrag zur erneuten Prüfung beim Stichwort Baulast hatte Peter Fendt (Bayernpartei) gestellt. Doch den Stein ins Rollen gebracht hatte Werner Moll von der Fraktion Stadtteile aktiv. Der Stadtrat aus Bertoldshofen, der seit vielen Jahren in der öffentlichen Verwaltung arbeitet (früher bei der VG Biessenhofen, jetzt bei der Gemeinde Lechbruck), verwies auf das bayerische Straßen- und Wegegesetz.

Widmung des Weges

Florian Martin, im Rathaus bei der Kämmerei für den Bereich Liegenschaften zuständig, führte dazu aus, dass der Weg, der zwischen den Ortsteilen Rieder und Bertoldshofen an der Stelle der Hasenbrücke über die Geltnach führt, keine Gemeindestraße, sondern als Land- und Forstweg gewidmet sei. Doch Stadtrat Moll fasste dazu nach. Die Stadt habe ein Bestandsverzeichnis. Da müsste man nachschauen; darin sei klar festgelegt, wer auf welchem Abschnitt Baulastträger sei.

Martin Vogler vom Bürgermeisterbüro sagte auf Nachfrage des Kreisbote zum langwierigen Entscheidungsprozess und zum Verlauf der Sitzung, es wäre hilfreich gewesen, wenn Stadtrat Moll deswegen auch schon vorher auf die Stadt zugekommen wäre. Der Bertoldshofener erklärte am Mittwoch aber gegenüber unserer Redaktion, er hätte am Montag – einige Stunden vor der abendlichen Stadtratssitzung – dazu sehr wohl in der Kämmerei angerufen.

Moll möchte, dass die Stadt alle Beteiligten, die über den Weg an der Hasenbrücke zum Grundstück gelangen, mit ins Boot holt. Wenn die Baulast bei den beteiligten Grundstücksbesitzern liegt, dann hätten die zu bestimmen, was für eine Brücke dort über die Geltnach gebaut wird – und nicht die Stadt.

Hätten die Räte am Montagabend bereits eine Entscheidung zu den Bauwerksvarianten getroffen, „dann wären wir durchs blanke Eis eingebrochen“, kommentiert der Rat von der Fraktion Stadtteile aktiv. Diese Worte münzt er darauf, dass Landwirte und Grundstückseigentümer der Stadt nachher zurecht den Vorwurf machen könnten, man setze ihnen eine Lösung vor die Nase und sie seien als Betroffene und auch als Baulastträger dazu nicht befragt worden.

Gemeinderat Georg Martin (Grüne), selbst Landwirt, hält es auch für notwendig, dass die Stadt zu dem Bauvorhaben auf die Beteiligten zugeht und einen Informationsabend zu dem Thema ansetzt. Dabei sollten die Ausbauvarianten vorgestellt werden. Eine Frage sei dann, welche Kosten beim Ausbau die Stadt trage und was eventuell Grundstückseigentümer beisteuern.

Die drei Varianten

Das Herstellen einer Furt war eine von drei Bauwerksvarianten, die Marktoberdorfs Tiefbaureferentin Mareile Hertel vorgestellt hatte, dies sei bei einem größeren Geländeeingriff durchaus möglich. Die Wassertiefe betrage 38 Zentimeter bei einem mittleren Abfluss. Erforderlich wäre das Einbringen von Trittsteinen. Die Kostenschätzung liegt bei 400.000 Euro.

Noch teurer ist es, eine Brücke aus Stahlbeton mit einer auf 16 Tonnen begrenzten Traglast aufzubauen. Da ist nach den Worten Hertels von Kosten zwischen 500.000 und 700.000 Euro auszugehen. Für eine tragfähige Betonbrücke müssten die bestehenden Widerlager abgebrochen und neu aufgebaut werden.

Der dritte Vorschlag ist, eine Fuß- und Radfahrerbrücke auf den bestehenden Widerlagern aufzusetzen. Obwohl statische und konstruktive Mängel wegen der Tragfähigkeit bestehen: Für leichtes Gewicht sei diese Option geeignet. Eine Nutzung für landwirtschaftlichen Verkehr sei damit aber ausgeschlossen. Die Kostenschätzung liegt bei 85.000 Euro.

Das Stimmungsbild im Stadtrat war vielschichtig, wie die fast einstündige Diskussion aufzeigte. Die Entscheidung wurde vertagt; dazu wird es wohl in der Sitzung im Juni kommen.

jj

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