Beim "Aschermittwoch-derbleckn" der Kaufbeurer SPD

Zünftig ging's zu…

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Hatten sichtlich Spaß beim traditionellen Aschermittwoch: Helga Ilgenfritz (v. links), Martina Wischhöfer, Catrin Riedl, Ralf Nahm und Herbert Woerlein

Kaufbeuren – Wer so lange in der Opposition verharrt hat wie die Kaufbeurer SPD, der muss sich auch mal so richtig Luft machen. Gelegenheit dazu gab's beim "Politischen Aschermittwoch" der Partei im Gasthaus Hasen. Dass bald Kommunalwahl ist, gab der Themenvielfalt des humoristischen Abends noch den letzten Kick.

„Nun hat auch die CSU ihren Aschermittwoch – jedoch das Original ist und bleibt im ‘Hasen’ bei der SPD“, so Stadtrat Ralf Nahm bei der Begrüßung im voll besetzten Saal im Hotel „Hasen“ anlässlich des fünften „Aschermittwoch-derbleck´n“. Zünftig ging es dabei zu. Die bekannte und beliebte „Radlerband“ heizte tüchtig ein und so kamen die zahlreich erschienenen Genossinnen und Genossen rasch in Stimmung. OB- Kandidatin Catrin Riedl konnte sogar unter den Anwesenden – sozusagen als „schwarze Schafe“ einige Gäste aus den Reihen der CSU ausmachen, die eigens auf das herzlichste begrüßt wurden. Dass die im weiteren Verlauf geäußerten Worte nicht alle „bierernst“ gemeint wären, wurde jedenfalls schon gleich zu Beginn der Veranstaltung bekannt gegeben. 

Für die „große Politik“ war der im Bayerischen Landtag vertretene SPD-Abgeordnete Herbert Woerlein aus Stadtbergen eingeladen worden. Dieser „schoss“ sich gleich einmal auf den bayerischen Landesvater Horst Seehofer ein und verglich diesen mit dem „Scheinriesen“ aus der Augsburger Puppenkiste. „Er ist ein großer Ministerpräsident mit 1,93 Meter Größe“, so Herbert Woerlein, „gibt aber beim geringsten Widerstand klein bei, rudert sofort zurück und in Berlin schrumpft er oft auf ‘Zwergenmaß’“. Andererseits renne dieser „große Anführer der CSU“ meist planlos hin und her, „und seine Minister und das übrige Parteivolk brav und ergeben hinterdrein“. Mittlerweile seien die meisten schon außer Atem, und das bereits jetzt, nach knapp einem halben Jahr, da das Volk ihn zum unumschränkten Herrscher über Bayern gewählt habe. Das Ganze erinnere an das Märchen vom „Hasen und dem Igel“. Es werde viel gerannt, aber was Gescheites komme letztendlich dabei nicht heraus. 

Oft werde er an die Zeiten eines Ludwig Thoma erinnert, wenn er den Bayerischen Landtag betrachte und so las Herbert Woerlein ein paar Zeilen aus einem der von Thoma verfassten Briefe des „Abgeordneten Filser“ und schloss dieses Kapitel mit der Feststellung: „und so denkt mancher CSU-Abgeordneter auch heute noch…“ Hinsichtlich der Kaufbeurer Kommunalpolitik erhoffte sich der Abgeordnete in seiner Festrede ein besseres Abschneiden als in der Vergangenheit und meinte, dass eine Oberbürgermeisterin der Stadt Kaufbeuren besonders gut zu Gesicht stehen würde. Dass Woerlein nicht nur „das Florett hieb- und stichfester Worte“ zu führen versteht, zeigte der aus einer Brauerfamilie stammende Politiker beim anschließenden Bieranstich. Traditionsgemäß hatte die Aktienbrauerei Kaufbeuren zu diesem Anlass wieder ein 30-Liter-Fass Starkbier gestiftet. 

Obwohl Woerlein ein, zwei Hammerschläge mehr benötigte als auf diesem Gebiet gewandtere Genossen, tat dies der Freude keinen Abbruch. Rasch wurden die bereit stehenden Krüge gefüllt und auf einen züftigen, humorvollen Abend angestoßen. Und da folgte zum Abschluss noch ein weiterer Höhepunkt. OB-Kandidatin Riedl berichtete zusammen mit ihren SPD-Fraktionsmitgliedern, Helga Ilgenfritz, Martina Wischhöfer und Ralf Nahm, in launischer Form aus dem Kaufbeurer Stadtrat. Das Ganze war von Helga Ilgenfritz in lustiger Form als „Märchenstunde“ verpackt und begann mit den Worten: „Es war amol a Städtle im Allgäu mit 44.000 Einwohnern“, und da war man sich schon nicht mehr ganz einig, ob es nicht bloß 42.000 oder noch ein paar weniger wären. 

Ralf Nahm, der den Part für Neugablonz übernommen hatte, warf im nahezu perfekten Gablonzer Dialekt (dazu hatte er einige Nachhilfestunden in „Paurisch“ im Wörterbuch der Gustav-Leutelt-Gesellschaft genommen) ein, dass ohne die „Gablinzr“ bloß noch 29.000 übrig blieben. So ging es hin und her, der Reifträgerweg „der kaum benutzt werde“, musste genauso herhalten wie der Kreisverkehr an der Sudetenstraße. Hier meinte Ralf Nahm: „Su ane Zufohrt werd ne verstandn, drhejme hots halt kenn su an Kreisl gegan!“ Das Fahrradfahren über Kaufbeurer Straßen sei eine Ganzkörpermassage, „wie man da durchgerüttelt wird“ und die Osttangente will man doch nur bauen, damit besser Gas gegeben werden kann. Ganz heimlich habe man auch die grünen Pfeile an ein paar Stellen wieder montiert, obwohl diese vom Stadtrat „in seiner großen Weisheit“ abgeschafft worden waren. Eisstadion, Sportplätze und Turnhallen bekamen auch „ihr Fett weg“. 

Selbstverständlich durfte auch der allzu kurze Besuch des „Landesvaters“ Seehofer und dessen „luftige“ Versprechungen nicht fehlen. Beim Klinikum, dem schönsten im ganzen Landkreis, ändere sich nicht viel, nur die Schulden blieben auf hohem Niveau stabil. Und so endete die Märchenstunde mit der Erkenntnis: „Wenn’s keine andre Mehrheit gibt, bleibt alles so wie’s heute ist!“von Klaus-Dieter Körber

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