CSU: Einweihung in die "geheimsten Projekte der Stadtspitze"

"Die Schönsten und Hübschesten"

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Auch Bundestagsabgeordneter Stephan Stracke belustigte sich über die Wahlplakate des „Teams Bosse“.

Kaufbeuren – Die "geheimsten Projekte der Kaufbeurer Stadtspitze" gab es beim politischen Aschermittwoch der CSU zu erfahren. OB Stefan Bosse kokettierte dabei ganz bewusst mit den Themen seiner Kritiker wie "größtes Wahlplakat in Bayern", Kaufbeurens schlechtes Abschneiden in diversen Statistiken oder die Verkehrsanbindung.

Wie viele andere politische Verbände, traf sich auch der Kaufbeurer CSU-Ortsverband am Aschermittwoch zum traditionellen po- litischen Derblecken bei Kässpatzen und zünftiger bayrisch-böhmischer Blasmusik von der „Irseer Heubodenmusik“. Oberbürgermeister Stefan Bosse trat vor sein Publikum, um sich und seiner politischen Arbeit „humoristisch und nicht ganz bierernst“ den Spiegel vorzuhalten und die Zuhörer in die „geheimsten Projekte der Stadtspitze“ einzuweihen. 

Zweiter Bürgermeister Gerhard Bucher begrüßte vor allem die Gäste aus den Nachbarorten, die offensichtlich alle gerne „in die Stadt Kaufbeuren eingemeindet werden wollen“, aber auch Zuhörer aus den Reihen der FDP: „Man fragt sich, ob sie heute nur da sind, um sich unterhalten zu lassen oder ob sie schon in die Wahlverhandlungen eintreten wollen“. 

Nicht ganz überraschend waren die Aufsehen erregenden CSU-Wahlplakate ein vielberedetes Thema des Abends. Bosse stellte sich zunächst als „der Zweite auf dem großen Plakat“ vor. Bei der Frage, wer die Reklame schmücken solle, sei die Wahl schnell auf ihn und Bucher gefallen; es sollten schließlich „die Schönsten und Hüb- schesten sein“. Im Anschluss nutzte Bosse die Gelegenheit, um die drei „Top-Secret-Projekte“ der Stadt für die kommende Legislaturperiode vorzustellen. „Seit Jahren“ würden von der SPD Reden über Bosses „Größenwahn“ geschwungen oder aktuell über „die größten Wahlplakate Bayerns“ diskutiert. Doch „Gott sei Dank haben die nicht gemerkt, was wir immer wieder für Ideen in den Trichter reinwerfen“, da ohnehin in der Regel nichts am anderen Ende herauskomme. 

Bosse stellte fest, dass Kaufbeuren im Vergleich der 402 deutschen Stadt- und Landkreise „immer entweder Platz eins oder Platz 402“ belege. So könne die Stadt bereits die beste „Versorgung der Bevölkerung mit Psychiatern“ vorweisen. Auch „bei der Schadens- summe je zugelassenem Fahrzeug“ führte Kaufbeuren lange Jahre die „Bestenliste“ an. Im Kampf um Platz eins der schlechtesten Autofahrer Deutschlands musste sich Kaufbeuren jedoch geschlagen geben; die Stadt Augsburg hatte den Kaufbeurern im vergangenen Jahr den Rang abgelaufen. Um jedoch bei den Steuereinnahmen nicht mehr das Schlusslicht zu bilden und um an die „guten alten Zeiten anzuknüpfen“, in der Kaufbeuren „noch Reichsstadt war, bis wir dann unfreiwillig eingebayert wurden“, schlug Bosse einen Wechsel in ein strukturschwächeres Bundesland vor, wo die Stadt dann auch in dieser Kategorie einen Spitzenplatz belegen könne. 

Bosses zweites Projekt kam zugegebenermaßen „etwas bucklig daher“. „Da Füssen das ‘Allgäuer Dorf’ nicht haben wollte“, wolle er sich mit Kaufbeuren als Standort für das Freizeitzentrum bewerben, denn gerade als Stadt mit fehlender Autobahnanbindung müsse man nehmen, was man bekomme. Auch gab Bosse einen Einblick in seine Zukunftsvisionen Kaufbeurens als Freizeitdorf: „Vielleicht bekomme ich dann doch noch eines Tages meine kleine Seebühne – von der träume ich ja auch schon sehr lange“. Sein umfangreichstes Vorhaben wolle Bosse Bernhard Pohl widmen: „Der träumt ja immer von größeren Sachen“. Daher wolle er im Stadtgebiet „Forettle die höchsten Hochhäuser Deutschlands“ mit einem Projektvolumen von 3,2 Milliarden Euro errichten. Bosse versprach, das Projekt „Allgäu-Tower“ werde „genauso genau geprüft werden wie die Christusstatue seinerzeit“, mit der die Stadt vor einigen Jahren als Standort geliebäugelt hatte. 

Stadtratskandidat Ulf Jäkel, der sich zur Vorbereitung auf die Kandidatur in die „Kaufbeurer Geschichtsbücher eingelesen“ hatte, wusste zu berichten, dass schon in alten Zeiten von dem „wenig weitblickenden, ewig knausernden Kleinstadtgeist“ der Kaufbeurer die Rede war. Es hätte schon lange Tradition, dass die „Kaufbeurer gegen alles sind“. Doch vielleicht können ja Bosses „geheimste Projekte der Stadtspitze“ etwas mehr Begeisterung bei den Kaufbeurer Bürgern hervorrufen. von Sabrina Hartmann

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