Mit dem Messer ermordet

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Immer wieder wurde von Polizeitauchern in der Wertach nach weiteren Spuren zum Leichenfund gesucht. Einen Tag nach dem Leichenfund haben die Ermittler auch ein Messer aus der Wertach gezogen, das wahrscheinlich die Tatwaffe ist.

Kaufbeuren – Die mutmaßlichen Täter sind gefasst, und so langsam gibt die Polizei mehr und mehr Details zum Tötungsdelikt an dem 21-Jährigen preis, der vor rund anderthalb Monaten von einem Angler in der Wertach gefunden worden war (wir berichteten).

Mittlerweile verfügen die Ermittler auch über Teilgeständnisse der drei jungen Männer, die nach bisherigem Kenntnisstand ihr Opfer mit einem Messer ermordeten und dann versuchten, die Leiche in einer Kaufbeurer Wohnung zu verbrennen. 

Zur Erinnerung: Am Sonntag, den 5. Juli, bargen Rettungskräfte und Polizei den Toten unterhalb der Wertachbrücke zwischen Hochstadtweg und Von-Colln-Straße. Weil offensichtlich war, dass der junge, zuletzt in Neugablonz wohnhafte Deutsch-Russe vor seinem Ableben schwer misshandelt worden war, machte sich die Polizei auf die Suche nach möglichen Tätern und entsprechenden Hinweisen. 

Schon am 9. Juli konnten die Beamten zwei Kaufbeurer im Alter von 18 und 20 Jahren als Tatverdächtige festnehmen. Kurze Zeit später wurde ein 18-Jähriger als dritter möglicher Täter ebenfalls verhaftet. Wie Andreas Trinkwalder, Chef der Kaufbeurer Kripo und nach dem Kemptener Kriminaloberrat Michael Haber der stellvertretende Leiter der „Ermitt- lungsgruppe Wertach“, dem Kreisbote jetzt mitteilte, gibt es mittlerweile von allen dreien Teilgeständnisse. 

Zudem habe die Polizei „mit großem Engagement und Aufwand aller Beteiligten“ bis dato den Großteil der insgesamt rund 300 Spuren abgearbeitet. „Für uns von Polizeiseite ist der Fall geklärt“,so Trinkwalder, der Haftbefehl erging wegen „gemeinschaftlichen Mordes“.

 Trotzdem wolle man vorerst noch nicht alle Erkenntnisse preisgeben, zum Beispiel Einzelheiten zum Motiv. Denn die Polizei arbeitet derzeit an der Abgleichung aller Fakten, um mögliche Widersprüche oder Unklarheiten auszuräumen. Nach Eingang der kriminaltechnischen Untersuchungen wird der Schlussbericht erstellt und das gesammelte Material an die Staatsanwaltschaft abgegeben. 

Der Kripo-Chef fasst zusammen, wie sich die Tat aus Sicht der Polizei abgespielt hat. Demnach kannten sich das Opfer und seine mutmaßlichen Mörder schon länger – über Drogengeschäfte. „Dabei ging es sowohl um weiche als auch um harte Drogen“, so Trinkwalder. In welcher Größenordnung Geschäfte abgewickelt wurden, darüber will die Polizei keine Auskunft geben. „Dies würde künftige Ermittlungen nur erschweren.“ 

Nach der Festnahme der drei jungen Männer war aber schnell klar gewesen, dass das Motiv vermutlich Schulden aus den Deals waren, die zu Streitigkeiten und schlussendlich zum Mord führten. 

Bestätigen kann die Polizei nach weiteren Ergebnissen der Spurensicherung, dass der 21-Jährige in einer Wohnung im Umkreis einiger hundert Meter der Wertachbrücke erstochen wurde. Aus ermittlungstaktischen Gründen hatte die Polizei bislang nur von „äußerer Gewalteinwirkung“ gesprochen. 

Auch das fragliche Messer haben Taucher mittlerweile in der Wertach gefunden. „Wir gehen stark davon aus, dass es sich um die Tatwaffe handelt. Endgültig wissen wir es aber erst, wenn wir die Ergebnisse der kriminaltechnischen Untersuchung haben“. Wann das ist, kann Trinkwalder noch nicht sagen, es könne aber noch mehrere Wochen dauern. 

Keine Verbindung zum Fall "Hochstadtweg" 

Nachdem die drei den 21-Jährigen umgebracht hatten, versuchten sie, ihr Opfer zu verbrennen. „Wir wissen mittlerweile bestimmt, dass der Mann schon an seinen Stichverletzungen verstorben war, als er in der Wohnung angezündet wurde“, sagt Trinkwalder. Es sei den Tätern allerdings nicht gelungen, die Leiche auf diese Art und Weise zu beseitigen, weshalb sie den Mann übel zugerichtet und nur halb bekleidet in der Wertach ablegten. 

Ausgeschlossen werden könne, so Trinkwalder, dass der Mord an dem 21-Jährigen in irgendeiner Verbindung stehe mit dem Tötungsdelikt „Hochstadtweg“ vor rund einem Jahr. Anfang August 2014 war ein 40-Jähriger in seiner Wohnung umgebracht worden – nur eine Gehminute entfernt von der Stelle zwischen Hochstadtweg und Von-Colln-Straße, wo vor wenigen Wochen der 21-Jährige gefunden wurde. Die Tatwaffe war in beiden Fällen ein Messer, beide Tötungsdelikte standen im Zusammenhang mit Betäubungsmitteln. 

Alles Zufall? Ja, sagt die Polizei, auch bei der Tötung in 2014 stehe der Täter für die Polizei fest. Es handelt sich laut Andreas Trinkwalder hierbei weiterhin um den 32-Jährigen, der Ende September 2014 mit einer Brandlegung im BKH Kaufbeuren Schlagzeilen machte (wir berichteten) und der kurz darauf auch als Hauptverdächtiger für den Fall „Hochstadtweg“ gehandelt wurde. Der Mann wurde laut Polizei mittlerweile wegen der „schweren Brandstiftung“ im BKH vor dem Landgericht Kempten verurteilt und befindet sich seitdem und bis die Ermittlungen zur Tötung des 40-Jährigen völlig abgeschlossen sind, in einer geschlossenen Psychiatrie. 

Eine Verbindung zwischen den beiden Tötungsdelikten oder dem jeweiligen Umfeld, in dem die Taten begangen wurden, bestehe laut Trinkwalder nicht.

von Michaela Frisch

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