Polizei zeigt mit groß angelegter Kontrollaktion Flagge gegen Einbruchsdiebstahl

Diebesbanden den Kampf angesagt

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Dutzende autofahrer wurden am Freitag von der Polizei am Pforzener Kreisverkehr für eine Stichproben-Kontrolle herausgewunken.

Kaufbeuren – Diebesbanden den Kampf angesagt hat die Polizei in Bayern. Im Rahmen einer groß angelegten Aktion mit dem Schwerpunkt Wohnungseinbrüche wurden in der vergangenen Woche im gesamten Freistaat Fahrzeuge auf Diebesgut oder andere Hinweise kontrolliert. Rund 2.500 Fahrzeuge haben die Beamten im Präsidiumsbereich „gefilzt“, auch die Kaufbeurer Polizei stand am Freitag mit neun Beamten am Kreisverkehr Pforzen bereit, um stichprobenartig in Kofferräume und ins Fahrzeuginnere zu schauen.

In den Abendstunden waren zudem verstärkt Streifenfahrzeuge im Gebiet Kaufbeuren, Pforzen und Germaringen unterwegs. Die Kontrollaktion war Bestandteil eines Fünf-Punkte-Maßnahmenpakets, wie Bayerns Innenminister Joachim Herrmann betont. Denn die Zahl der Wohnungseinbrüche ist in Bayern, und auch in der Stadt Kaufbeuren, in 2014 weiter gestiegen. „Guten Abend, würden Sie mal bitte rechts ran fahren?“ Diesen Satz bekamen am Freitagnachmittag und -abend zwischen 17 und 20 Uhr dutzende Autofahrer zu hören, die den Kreisverkehr bei Pforzen passierten.Michael Frembs von der Polizei Kaufbeuren wartet mit weiteren Beamten bei einem benachbarten Parkplatz auf die Autos, die Kollege Stefan Horend am Kreisverkehr zum Anhalten „verdonnert“. Durch- sucht werden die Autos routinemäßig nach möglichem Diebesgut, aber auch nach typi- schen Einbruchswerkzeugen. Zwar geht den Beamten an diesem Tag kein Einbrecher ins Netz, trotzdem war die Aktion wichtig, wie Frembs erklärt. Denn Präsenz zeigen, das schreckt mögliche Einbrecher zusätzlich vor weiteren Taten ab und gibt den Bürgern ein Sicherheitsgefühl. Gerade bei der Deliktgruppe der Einbrüche ein wichtiger Aspekt. Denn diese macht zwar insgesamt nur rund ein Prozent an den Gesamtdelikten aus, steht in der Angst der Menschen aber ganz oben. „Dabei geht es nicht nur um gestohlene Wertgegenstände, sondern vor allem um das Gefühl, dass ein Fremder in die Privatsphäre der eigenen vier Wände eindringt und sich einfach nimmt, was er will“, weiß Michael Frembs. Zudem gebe es einiges, was Bürger tun könnten, um es den Einbrechern bei sich möglichst schwer zu machen (siehe auch Infoskasten).

Auf Streife dabei 

Auch regulär sind Streifenfahrzeuge der Polizei unterwegs, um routinemäßig in Wohn- und Gewerbegebieten nach dem Rechten zu schauen. Unterstützt wurden sie am Freitagabend von einer Zivilstreife, die gezielt Gebiete abfuhr, die für Einbrecher besonders attraktiv sind. Dazu gehören gutsituierte Gegenden – vorzugsweise Neubaugebiete oder abgelegene Anwesen, wie Ermittler Armin Guggenmos weiß. Denn: „Da ist die Gefahr für die Täter nicht so groß, von aufmerksamen Personen bei ihrem Tun beobachtet zu werden“. Eine „gute Nachbarschaft“ sei genau deshalb immernoch der beste Schutz gegen Einbrüche in Privathäuser: „Wir sind hier mit darauf angewiesen, dass Leute verdächtige Vorgänge in ihrer Nachbarschaft melden. Dabei gilt: Lieber einmal zu oft als einmal zu wenig anrufen“. Im Lauf der Streifenfahrt berichten Guggenmos und sein Kollege Michael Schmidt von ihren eigenen Erfahrungen mit dem Thema Einbruch und räumen dabei auch mit so manchem Missverständnis auf.

Diebesbanden unterwegs 

So geschehen viele Einbrüche, entgegen der landläufigen Vorstellung vom „nächtlichen Einbrecher“, auch tagsüber. Und es ist heute eher selten der „Kleinkriminelle aus dem Viertel zwei Straßen weiter“, der einen Einbruch verübt. „Die Täter der meisten Einbrüche gehören zu organisierten Banden, die nur kurze Zeit an einem Ort verbleiben und es der Polizei damit zusätzlich schwer machen“, so Guggenmos. Sie kommen oft aus dem Ausland, im Fokus der Ermittler stehen derzeit Polen und Rumänien. „Die Banden gucken sich kurzfristig ein Objekt aus, versuchen so schnell wie möglich in Privathäuser oder Firmen einzudringen und dann schnell wieder zu verschwinden“, berichtet er. Deshalb haben mechanische Sicherungen auch einen hohen Wert. „Denn wenn der Einbrecher mehr als ein oder zwei Minuten braucht, um ihrendwo einzudringen, lässt er sehr häufig von dem Objekt ab“, so Michael Schmidt. Geklaut wird, was Wert hat und sich im Nachhinein schlecht zuordnen lässt – das klassische Bargeld, aber vermehrt auch hochwertige Baumaschinen, Laptops oder Handys. Hier werde meist direkt die SIM-Karte entfernt, um das Gerät zu entpersonalisieren, erklärt Guggenmos. Um polizeilichen Kontrollen zu entgehen, nehmen die Einbrecher die Beute oft nicht im Auto mit, sondern bunkern sie in der nähe des Tatortes, und lassen sie von einem Komplizen später abholen. „Wer wirklich etwas verbergen will, hat dazu meist gute Mittel und kennt sich aus“, so Schmidt. Neben Fahrzeugkontrollen kommt dem Streifendienst der Polizei daher eine große Bedeutung zu, denn immer wieder werden Straftäter auf frischer Tat erwischt, weil die Beamten die Gefahrenschwerpunkte wie alleinstehende Häuser von Wohlha- benden oder Neubaugebiete sowie Firmengelände mit wertvollem Gerät im Umkreis kennen und entsprechend be- rücksichtigen. „Wir tun alles, um es den Einbrechern möglichst schwer zu machen. Trotzdem sollten die Bürger sich auch selbst schützen und sich vor allem nicht scheuen, Verdächtiges der Polizei zu melden!“ betont Guggenmos.

Wie kann ich mich schützen?

Eine gut funktionierende Nachbarschaft – das ist laut Armin Guggenmos, Ermittlungsbeamter der Polizei Kaufbeuren, der beste Schutz vor Einbrüchen, wenn verdächtige Vorgänge im Nachbarhaus oder der Nachbarwohnung umgehend der Polizei gemeldet werden. Es gibt aber noch weitere Tipps, wie man sich vor Einbrüchen bestmöglich schützt. 

• Eingangstüren, Keller- und Bodenzugänge stets geschlossen halten – auch tagsüber! 

• Wenn es klingelt, vor dem öffnen der Haustüre prüfen, wer ins Haus will. 

• Beim Verlassen von Wohnung oder Haus immer absperren, auch wenn es nur für kurz Zeit ist. 

• Bei Fenstern gilt: Gekippt Fenster sind offene Fenster! 

• Nie Schlüssel an „Geheimplätzen“ draußen hinterlegen! 

• Bei Verlust des Wohnungsschlüssels Schließzylinder auswechseln. 

• Bei längerer Abwesenheit mit einer Vertrauensperson vereinbaren, dass der Briefkasten geleert, abends Licht gemacht oder sonst irgendwie der Eindruck erweckt wird, dass die Wohnung/das Haus bewohnt ist. 

• Mechanischen Einbruchschutz an Türen und Fenstern und Alarmanlagen aufeinander abstimmen, regelmäßig überprüfen und gegebenenfalls erneuern. Bei Installieren einer neuen Alarmanlage auf jeden Fall vorher bei der zuständigen kriminalpolizeilichen Beratungsstelle Infos einholen. 

• Für ausreichend Sicht und Beleuchtung im Außenbereich sorgen, zum Beispiel mit einem Bewegungsmelder oder einem Weitwinkel-Türspion.

Zahlen und Fakten

Zwar macht der Anteil der Einbrüche im Vergleich zur Gesamtkriminalität nur rund ein Prozent aus – auf den ersten Blick ein geringer Anteil. allerdings ist im Präsidium Schwaben Süd/West die Anzahl der Einbrüche in 2014 wieder gestiegen: Um 13,7 Prozent (plus von 48 Fällen). Innerhalb der letzen fünf Jahre haben die Fallzahlen beim Wohnungseinbruchdiebstahl im Präsidiumsbereich um 67 Prozent zugenommen (2009: 238 zu 2014: 399 Fälle). Diese Entwicklung spiegelt sich auch in den bayerweiten Werten. Bundesinnenminister Joachim Herrmann.

von Michaela Frisch

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