Über 80 Anzeigen

Raser- und Autoposer-Szene in Kaufbeuren wächst – Polizei kontrolliert intensiv

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Mit Schwerpunktkontrollen reagiert die Polizei Kaufbeuren auf die wachsende Raser- und Tuning-­Szene im Stadtgebiet.

Kaufbeuren – Schon seit geraumer Zeit stellt die Polizei Kaufbeuren fest, dass die Raser- und Tuning-Szene in der Stadt immer größeren Zulauf findet. Die Verantwortlichen fallen im gesamten Stadtgebiet vor allem durch überhöhte Geschwindigkeiten, durchdrehende Reifen und dadurch, dass sie den Motor aufheulen lassen, auf. In der Vergangenheit beschwerten sich zahlreiche Bürger der Stadt darüber. Die Polizei Kaufbeuren reagiert darauf seit einiger Zeit mit konkreten Schwerpunktkontrollen.

Im Jahr 2020 wurden bereits fünf Strafverfahren wegen illegaler Kraftfahrzeugrennen eingeleitet, berichtet Polizeihauptkommissar Stefan Horend, Sachbearbeiter Verkehr. So lieferten sich im April zwei Autofahrer, ein 25 und ein 30 Jahre alter Mann, beispielsweise ein Rennen in der Augsburger Straße stadteinwärts. Sie fuhren dabei über 100 Stundenkilometer. Die Staatsanwaltschaft beschlagnahmte die Führerscheine beider Männer und auch deren Fahrzeuge.

Die Mitglieder der Szene stammen laut Horend aus dem gesamten Umland und treffen sich vermehrt auf den Parkplätzen im Bereich der Gewerbegebiete, vor allem in der Sudetenstraße, im Innovapark und in der Augsburger Straße. Nachdem sie die meist hochmotorisierten Fahrzeuge zur Schau gestellt haben, werden die Parkplätze zum Ärger der Eigentümer oftmals vermüllt hinterlassen.

Schwerpunktkontrollen in der Innenstadt

Die Polizei Kaufbeuren führte bislang insgesamt zwölf Schwerpunktkontrollen durch. „Hauptaugenmerk der eingesetzten Beamtinnen und Beamten lag hier auf der Geschwindigkeitsüberwachung im Stadtgebiet“, so Horend. Zudem wurden Fahrer angezeigt, die bei Rot über die Ampel fuhren oder ihren Wagen zum Driften brachten. Auch wurden Verstöße geahndet, die die Allgemeinheit beeinträchtigten, wie zum Beispiel unnötiges Hin- und Herfahren oder überflüssige Abgas- und Lärmbelästigung durch oft provozierte Motoren- und Auspuffgeräusche. Selbst im Rahmen der regulären Streifenfahrten kontrollierte die Polizei vorrangig Fahrzeuge aus der Tuner- und Autoposer-Szene.

„Durch das provokante und teils aggressive Verhalten im Straßenverkehr riskieren die Beteiligten nicht nur ihr eigenes Leben und das ihrer Insassen, sondern gefährden vor allem auch unbeteiligte, unschuldige Verkehrsteilnehmer“, rügt Horend. Er verweist auf den aktuellen Fall in Dresden, wo sich zwei Autofahrer mutmaßlich ein Rennen lieferten und dabei ein sechsjähriges Kind töteten. Das oberste Gebot der gegenseitigen Rücksichtnahme im Straßenverkehr werde bewusst missachtet. Zudem stellt das Verhalten innerhalb des Stadtgebiets eine erhebliche Lärm- und Umweltbeeinträchtigung für alle Bürger dar.

28 Fahrzeuge mit Veränderungen

Insgesamt kontrollierte die Polizei bisher rund 250 Fahrzeuge. Hierbei stellte sie neben den aufgeführten Verstößen zudem eine Vielzahl unzulässiger Veränderungen an Fahrzeugen fest. In den meisten Fällen waren es Änderungen der serienmäßig eingebauten Räder oder Fahrwerke. „Es wurden aber auch unzulässige Abgasanlagen und andere Anbauteile montiert“, so Horend. Das führte bei einigen Pkws dieser Hobby-Tuner dazu, dass ihre Betriebserlaubnis erlosch, in den meisten Fällen wurde die Weiterfahrt unterbunden und ein Gutachten durch einen technischen Prüfer angeordnet. Neben den fälligen Bußgeldern haben die Verantwortlichen auch noch die Kosten für die Gutachten und den Rückbau ihrer Fahrzeuge zu tragen, oft mehrere hundert Euro.

Kaufbeurer Polizei zieht positive Zwischenbilanz

Bislang wurden über 80 Anzeigen aufgrund von Verkehrsordnungswidrigkeiten erstellt. Bei den Geschwindigkeitsmessungen wurden oft Höchstgeschwindigkeiten von bis zu 100 Kilometern pro Stunde innerorts festgestellt. In 19 Fällen fuhren die Fahrer mit über 80, acht Verstöße lagen über 90 Kilometern pro Stunde und fünf Verstöße sogar über 100 Stundenkilometern. Die Höhe der Bußgelder erstreckt sich dabei von 50 Euro bis hin zu mindestens 400 Euro. Außerdem wurden vielfach Fahrverbote verhängt.

Die Kommunale Verkehrsüberwachung der Stadt Kaufbeuren beteiligte sich mehrfach an den Kontrollen und musste ebenfalls etliche gravierende Geschwindigkeitsüberschreitungen feststellen und zur Anzeige bringen.

Nachdem die Maßnahmen der Polizei bei einzelnen Personen noch nicht den gewünschten Effekt zeigen und auch das verkehrswidrige Verhalten in der Szene an sich fortdauert, wird die Kontrolltätigkeit der PI Kaufbeuren bis auf Weiteres fortgesetzt, kündigt der Polizeihauptkommissar an. In enger Zusammenarbeit mit der Stadt Kaufbeuren und den zuständigen Fahrerlaubnisbehörden werden nun bestehende Konzepte überarbeitet, um diesem Phänomen zielführend entgegenzuwirken.

kb

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