Polizeipräsidium Schwaben Süd/West präsentiert Kriminalstatistik 2012

"Eine sehr sichere Region"

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Waren insgesamt zufrieden mit der Kriminalstatistik 2012 für das Polizeipräsidium Schwaben Süd/West: (v.li.) Norbert Radmacher, Regierungsdirektor des Präsidiums, Polizeipräsident Hans-Jürgen Memel und Leitender Kriminaldirektor Karl-Heinz Alber.

Kempten/Allgäu – Über eine „sehr sichere Region“ freute sich Polizeipräsident Hans-Jürgen Memel, als er vergangene Woche die Zahlen aus der Kriminalstatistik 2012 für den Bereich des Polizeipräsidiums Schwaben Süd/West bekannt gab. In einigen Bereichen wie den Sexualdelikten gab es jedoch auch einen leichten Anstieg an Taten.

Mit Blick auf die Gesamtkriminalität bei exakt 40.364 registrierten Straftaten und einem Minus von 2,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr konnte Polizeipräsident Hans-Jürgen Memel „den niedrigsten Stand seit zehn Jahren“ verzeichnen. Bei der Bekanntgabe der Kriminalstatistik für 2012 gab es darüber hinaus noch mehr Positives zu berichten: Zurückgegangen sind laut leitendem Kriminaldirektor Karl-Heinz Alber Straftaten in den Bereichen Diebstahls- und Straßenkriminalität, Vermögens- und Fälschungsdelikte sowie – marginal um 0,1 Prozent gesunken – Gewaltkriminalität. Einen Anstieg vermeldete er dagegen bei den Sexualdelikten, sowie der Rauschgift- und Wirtschaftskriminalität.

Auch die Häufigkeitszahl (HZ) – die Anzahl der bekannt gewordenen Fälle, errechnet auf 100.000 Einwohner, inklusive der Straftaten von nicht in der Einwohnerzahl erfassten Menschen wie Durchreisende – ist laut Memel die niedrigste seit zehn Jahren und liegt im Schutzbereich des Polizeipräsidiums Schwaben Süd/West um gut 40 Prozent unter dem deutschen Durchschnittswert. „Besonders stolz“ sei er auf die mit 67 Prozent dritthöchste Aufklärungsquote bayernweit, weil sie Ausdruck der hochqualitativen Polizeiarbeit sei.

Auf „bedenklich hohem Niveau“ sah Memel dagegen das Problem der Alkoholisierung, wobei knapp 45 Prozent aller festgestellten Delikte unter Alkoholeinfluss Körperverletzungen gewesen seien. „Man ist alkoholisiert schneller bereit eine ‚Watschn’ zu geben“ oder Vandalismus zu betreiben, wies er darauf hin, dass hier der Umgang auch für die Beamten nicht immer einfach sei. Fast die Hälfte aller alkoholisierten Tatverdächtigen seien zudem jünger als 25 Jahre gewesen. Trotz des geringfügigen Rückgangs um zwei Fälle gegenüber dem Vorjahr, „ist die Gewaltkriminalität weiterhin auf hohem Niveau“, erklärte Alber und betonte den „besonderen Zusammenhang von Alkohol und Gewalt“: „Da wird auch mal nachgetreten“ wenn das meist wahllos herausgegriffene Opfer schon am Boden liege, verdeutlichte er. Es gebe einen „Trend in Richtung massive Gewaltausübung“, oft einfach aus „Langeweile“.

Beleidigungen bis zur Verbreitung pornographischen Materials sind oft die Hintergründe der Internetkriminalität. Zwei Drittel der 938 Fälle im Jahr 2012 aber waren Betrugsdelikte. Gemessen an den 1.266 Fällen im Jahr 2011 zeigt die Statistik zwar einen Rückgang um 25,9 Prozent. Die häufigen Fälle mit Tatort im Ausland tauchen darin allerdings nicht auf. Eine „zunehmende Professionalisierung und Abschottung“ stellte Alber im Bereich der Betäubungsmittelkriminalität, fest, bei einem leichten Anstieg um 65 Fälle auf insgesamt 2.117. Bei der Beschaffung gewinne hier zunehmend das Internet an Bedeutung. Vor allem wegen damit zusammenhängender Delikte wie Beschaffungskriminalität oder Unfälle unter Drogeneinfluss „gilt diesem Phänomen unser verstärktes Augenmerk“, betonte er. 

Knapp 460 Sexualdelikte und damit 25 mehr als in 2011 zeigen einen Anstieg um 5,8 Prozent – wie Alber einräumte, möglicherweise auch in Zusammenhang mit einem veränderten Meldeverhalten der Opfer. Zeigt die Statistik im Vergleich zum Vorjahr bei den Vergewaltigungen einen Anstieg um acht Fälle, sind es beim sexuellen Missbrauch von Kindern 32 Fälle mehr. Sexualdelikte finden laut Alber häufig im bekannten oder familiären Umfeld statt. So zeigen die Zahlen bei den Vergewaltigungen, dass nur in etwa 13 Prozent der Fälle keine Vorbeziehung zwischen Täter und Opfer bestanden hatte. 

Und wie geht die Polizei mit Beschwerden um? „Wir haben eine Fehlerkultur“ betonte Memel; die Polizei versuche auch hier immer besser zu werden und „offensiv“ mit der Thematik umzugehen. Fast 90.000 Einsätzen stehen 75 Beschwerdevorgänge – Verkehrskontrollen, Anzeigenaufnahme und ähnliches nicht mitgerechnet – gegenüber. Mit 65 abgeschlossenen Beschwerden, davon drei voll- und zwei teilbegründet, und 52 abgeschlossenen Strafverfahren mit drei Verurteilungen beziehungsweise Strafbefehlen, zog Norbert Radmacher, Regierungsdirektor des Präsidiums, seine Bilanz für 2012. Kommunikationsprobleme wie Unfreundlichkeit oder Unzufriedenheit mit der Sachbearbeitung seien hier die häufigsten Kritikpunkte. von Kreisbote

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