Polizeipräsidium Schwaben Süd/West reagiert auf Trend und ruft die Sonderkommission "Wohnungseinbruch" ins Leben

Einbrechern den Kampf ansagen

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Polizeioberkommissarin Daniela Husseneder (v. li.), Polizeipräsident Werner Strößner und Polizeidirektor Michael Keck (Leiter der Soko) stellen die neugegründete Sonderkommission „Wohnungseinbruch” vor.

Memmingen/Allgäu – Die Zahl der Wohnungseinbrüche ist in den vergangenen Jahren stark gestiegen. Dem möchte das Polizeipräsidium Schwaben Süd/West entgegenwirken und hat jetzt die Sonderkommission „Wohnungseinbruch“ gebildet, die Polizeipräsident Werner Strößner, Sokoleiter Kriminaldirektor Michael Keck und Kriminaloberkommissarin Daniela Husseneder am Freitag vergangener Woche in Memmingen vorstellten.

„Dies ist ein wichtiges Thema und wir möchten die Bürger dafür sensibilisieren“, sagte Polizeipräsident Werner Strößner. Jeder Wohnungseinbruch belaste die Opfer enorm, da hierbei erheblich in das Sicherheitsempfinden eingegriffen werde. Der materielle Schaden sei oftmals nicht das Schlimmste, da dieser meist von Versicherungen ersetzt werde. Ganz anders schaut es mit dem immateriellen Schaden aus, wenn Erbstücke und Unikate entwendet würden und in die Privatsphäre eingegriffen werde. Es gebe nicht wenige Fälle, bei denen die Betroffenen derart traumatisiert seien, dass sie die Wohnung beziehungsweise das Haus wechseln. „Für die Polizei hat die Bekämpfung der Wohnungseinbrüche höchste Priorität“, betont Strößner. „Deshalb schöpfen wir alle Möglichkeiten aus.“

Aus diesem Grund wurde im Schutzbereich des Polizeipräsidiums Schwaben Süd/West, das die Landkreise Unterallgäu, Ostallgäu, Oberallgäu, Lindau, Neu-Ulm und Günzburg sowie die kreisfreien Städte Memmingen, Kaufbeuren und Kempten umfasst, zum 1. Oktober eine Sonderkommission „Wohnungseinbruch“ ins Leben gerufen.

Wurden im Jahr 2012 im Schutzbereich noch 292 Wohnungseinbrüche (Aufklärungsquote: 16,4 Prozent) erfasst, stieg die Zahl im darauffolgenden Jahr bereits auf 351 (aufgeklärt: 11,1 Prozent). Im vergangenen Jahr gab es 503 Wohnungseinbrüche, bei 20,1 Prozent konnten der oder die Täter ermittelt werden. In diesem Jahr wurden in der Kriminalstatistik bis Ende September schon 371 Wohnungseinbrüche verzeichnet, Tendenz steigend - denn die dunkle Jahreszeit steht noch bevor.

Banden aus Osteuropa

„Oftmals handelte es sich bei den betroffenen Objekten um ein freistehendes Einfamilien- oder Reihenhaus in Ortsrandlage, das an einer überörtlichen Straße lag“, erklärte Polizeidirektor Michael Keck, Leiter der Soko „Wohnungseinbruch“. Im Präsidiumsbereich sei dies vor allem entlang der Autobahnen A96, A7 und A8 der Fall. „Die polizeiliche Erfahrung zeigt, dass Einbrüche in Wohnungen auch dem lokalen Umfeld zugeordnet werden können; etwa der Beschaffungskriminalität“, klärte Keck auf. „Einbrüche in Häuser werden eher durch organisierte Banden begangen. Über die Hälfte davon dürfte Banden aus Osteuropa zuzurechnen sein.“ In den drei regionalen Ermittlungsgruppen in Memmingen, Kempten und Neu-Ulm sind nach Angaben der Polizei erfahrene Kolleginnen und Kollegen der Kriminal- und Schutzpolizei bei der Täterermittlung und Aufklärung im Einsatz. Die Kernmannschaft der Soko umfasst 25 Dauerkräfte, die jederzeit personell verschiebbar seien. Unterstützt werden sie von den Kolleginnen und Kolleginnen der Polizeiinspektionen, zum Beispiel durch verstärkte Kontrollaktionen. Durch die Soko „Wohnungseinbruch“ sollen die bereits umfangreich Maßnahmen der Polizei erheblich intensiviert werden. Ziel sei, Täterstrukturen besser zu beleuchten, Lageauswertungen intensiver auszutauschen und Zusammenhänge besser zu erkennen.

Aktion „110“

Mit erfahrenen Beamten sollen die Spurensicherung und täterorientierte Ermittlung weiter optimiert werden. Die neue Sonderkommission legt ihre weiteren Schwerpunkte in die Bereiche Fahndung und Öffentlichkeitsarbeit. „Für die Bürger ändert sich mit der Gründung der Soko nichts“, betont Sokoleiter Keck und bat darum, verdächtige Wahrnehmungen unverzüglich zu melden. Hinweise aus der Bevölkerung seien bei der Aufklärung immer wieder eine wichtige Hilfe, hob Polizeipräsident Strößner hervor. Jedoch würden sich viele Bürger scheuen, die Notrufnummer 110 anzurufen. Deshalb sei die Aktion „110“ ins Leben gerufen worden. „Bitte rufen Sie beim kleinsten Verdacht an“, forderte Werner Strößner auf. „Wir haben psychologisch geschulte Beamten und viele Leitungen, durch Ihren Anruf wird keine blockiert.“ Durch die Verknüpfung der Hinweise sei es schon oft gelungen, die Täter zu ermitteln. „Wir werden in den nächsten Wochen und Monaten entsprechende Flyer verteilen und mit den Bürgern ins Gespräch kommen“, sagte Polizeioberkommissarin Daniela Husseneder, zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit der Sonderkommission.

Vorbeugen ist einfach

Seit längerem bietet die Polizei Informationsveranstaltungen zum Thema Sicherheit und Vorbeugung an. In diesem Jahr erreichte die Polizei mit insgesamt 440 Beratungen und Infoveranstaltungen rund 2500 Personen. „Ein Schlüssel unter der Fußmatte oder im Blumentopf waren früher möglich, sollten heutzutage jedoch unterlassen werden“, informierte Strößner. „Es gibt Sicherheitsvorkehrungen, die getroffen werden können sowie vielfache Möglichkeiten des Einbruchsschutzes. In den meisten Fällen brechen Einbrecher den Versuch ab, wenn er nicht innerhalb von ein paar Sekunden gelingt.“

Dass die länderübergreifende Kontrollgruppe der Polizei funktioniert und die verstärkten Kontrollaktionen greifen, zeigt der Ermittlungserfolg, als 69 Täter (60 Männer und neun Frauen) ins Netz gingen, die organisierten Banden aus Osteuropa zuzuordnen sind.

von Michaela Breuninger

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